Fußball

Super-Mist mit der Super League Der Fan ist einfach scheißegal!

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Fußball-Fans werden mit den Plänen zur Super League weiter auf der Strecke gelassen.

(Foto: imago/Sven Simon)

Die Gründer der Super League sind begeistert: Sie schaffen einen neuen Wettbewerb, der irre Summen in den gesamten Profifußball spült und der ganz nah an den Wünschen der Fans ist. Zumindest die zweite Annahme ist Irrsinn.

Was hat das alles noch mit Fußball und seinen Fans zu tun? Diese Frage habe wohl nicht nur ich mir gestellt, als 12 "superreiche" Klubs in der Nacht zu Montag den Start der Super League verkündeten und diese Idee damit begründeten, dass sie auch eine Entscheidung für die Fans sei. Meine Antwort lautet: nichts. Weder mit Fußball als Sport für die breite Masse noch mit dem Fan an sich, der seine Mannschaft entweder mit Bier und Bratwurst auf seinem Sitzplatz oder als purer Fußballenthusiast in der Kurve verfolgt.

Es ist eine Entscheidung, den Fußball von seinen Wurzeln zu entfernen, den Baum aus dem Wald zu reißen und in ein Gewächshaus zu pflanzen, damit er möglichst immer Blätter tragen möge. Die Entscheidung zur Gründung ist somit nur die finale Eskalation dessen, wohin sich der europäische Fußball seit Jahren entwickelt hat. Es geht um die Vermarktung eines Produktes - egal, ob nun in der Super League, den internationalen Pokalwettbewerben oder den nationalen Ligen. Hierbei bleiben die Fans auf der Strecke. Dies mag den "Bossen" nicht auffallen, da für sie mehr Fußball gleichbedeutend ist mit mehr für die Fans.

Dem ist jedoch nicht so. Nehmen wir die Anstoßzeiten und bleiben in der Bundesliga. Die unsäglichen Montagsspiele oder die Spiele jenseits des Samstagnachmittags. Dem Fan von Borussia Dortmund ist es egal, ob das Derby parallel zum Spiel der Bayern gegen Leipzig stattfindet. Der DFL und den Käufern der Vermarktungsrechte nicht. Hier ist es wichtig, möglichst um 15.30 Uhr und um 18.30 Uhr beide Partien einem möglichst breiten Publikum darbieten zu können. Oder der Sonntag, der mittlerweile in bis zu drei Anfangszeiten ausgefasert ist. Für den Amateursport ist das übrigens eine maximale Frechheit, denn den Konkurrenzkampf können sie am Sonntagnachmittag nicht gewinnen.

Rücksicht? Ja, aber nur auf den Kommerz!

Zurück zu den Anstoßzeiten: So zerfasert wird auch der Spielplan bei der Super League werden. Auch hier sitzt der Konsument nicht im Stadion, sondern am Stream, vor dem TV oder sonst wo. Der Fan, der seine Mannschaft im Stadion unterstützt, wird kaum jedes Spiel und dann noch in der Woche live vor Ort verfolgen können. Aber dass es auch ohne Fans im Stadion geht, hat die aktuelle Corona-Pandemie ja eindrucksvoll gezeigt. Nicht einmal das eigene Stadion musste es sein, wie die Umzüge der deutschen Vereine für ihre Europapokal-"Heimspiele" nach Budapest gezeigt haben. Rücksicht? Ja, aber nur auf den Kommerz!

Es würde mich daher nicht wundern, wenn auch die Super League spiele nicht in den Heimstätten der Gründungsmitglieder ausgetragen werden, sondern dort stattfinden, wo sich zahlungskräftige Konsumenten aufhalten, sei es in Asien oder der arabischen Halbinsel. So wie der spanische Supercup, der zuletzt ja bereits in Saudi-Arabien ausgetragen wurde. Irre!

Aus meiner Sicht stehen wir im internationalen Fußball vor einer Amerikanisierung. In der NFL sind die "Vereine" Franchises, die dort ihre Heimstätte haben, wo das meiste Geld zu holen ist. Fix der Name hinter dem Komma geändert und weiter geht es. Der Fan ist hier schon lange auf der Strecke geblieben. Es geht um reine Einschaltquoten und hierdurch um möglichst viel Profit.

Auch die UEFA ist kein Samariter

Dass sich die UEFA gegen diese Planungen stellt und nun entsprechende Schritte einleitet, ist sehr lobenswert und notwendig. Aber auch hier gebe ich zu bedenken, dass dies nicht im Sinne des Fans geschieht und Aleksander Ceferin als gütiger Samariter auftritt. Es geht auch hier um Marktrechte und den Verlust an Finanzkapital. Die Super League will in der Woche spielen und am Wochenende in den nationalen Ligen. Somit wird die Champions League überflüssig und aufgrund der fehlenden Zugpferde aus England, Italien und Spanien auch unattraktiv für den internationalen Konsumenten. Dieser schaut sich den Clásico in der Super League an und nicht St. Petersburg gegen Donezk in der Champions League.

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Wenn der Fußball seine Fans mitnehmen will, täte er gut daran, sich seine Aussagen zu Beginn der Corona-Pandemie im letzten Jahr noch einmal zu Herzen zu nehmen. Ein bisschen mehr Bescheidenheit. Für mich heißt das: Wieder weniger Mannschaften in der Champions League und diese den Meistern der jeweiligen Liga vorbehalten. Den Stellenwert der Europa League wieder auf den Status des UEFA-Pokals zu heben und den Pokal der Pokalsieger zurückholen.

Leider wird dies Wunschträumen bleiben, da hier der Fan mit seinem Verein im Mittelpunkt stünde, Geld in Summen der Super League ließe sich damit nicht generieren und Konsumenten in Asien und sonst wo in der Welt würde dies auch nicht interessieren.

Christoph Wynands ist seit 20 Jahren Dauerkartenbesitzer bei Rot-Weiss Essen und Stadionhopper in den Amateurligen in NRW

Quelle: ntv.de

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