Fußball

Bayern-Talent vor Neustart Der Hype um Joshua Zirkzee endet krachend

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Neustart in Parma, sicher eine gute Idee.

(Foto: imago images/Majerus)

Joshua Zirkzee schlägt in der vergangenen Saison beim FC Bayern krachend in der Bundesliga auf. Mit seinem ersten Ballkontakt rettet er den Münchnern ein Remis. Doch nach dem schnellen Hype wurde es in dieser Spielzeit ruhig. Nun winkt ein Neustart in Italien.

Als Stürmer in die oberitalienische Großstadt Parma zu wechseln, das ist historisch belegt eine absolut vernünftige Idee. Denn dort, wo es sich mit der wirtschaftlichen Stabilität der Fußball-Klubs eher etwas, nun ja, schwierig gestaltet, dort wurden große Angreifer geformt. Als Vorzeigemann der Wahl darf noch immer Hernan Crespo verstanden werden. Der Argentinier entwickelte sich vom Spätsommer 1996 über vier Jahre hinweg zu einem der begehrtesten Stürmer in Europa. Auch nicht ganz schlecht lief es in der Stadt Parma für den Brasilianer Adriano oder aber seinen Seleção-Kollegen Marcio Amoroso.

Das freilich waren noch andere Zeiten. Bessere. Zumindest für den Fußball in Parma. Es waren Zeiten, als der Verein, der damals noch AC hieß, eine gute Nummer war. Im Land. In Europa. Doch nach mehreren wirtschaftlichen und sportlichen Abstürzen geht es für den Verein, der nun Parma Calcio 1913 heißt, um den Klassenerhalt der Serie A. Angesichts von nur einem Zähler Rückstand auf den Platz, der das Erfüllen des Ziels sichern würde, ist die Mission für die ausstehenden 19 Spiele unbedingt realistisch. Aber eine Sache müsste sich bei den Fußballern aus der oberitalienischen Großstadt dafür schleunigst ändern: Es müssen Tore her. Und zwar reichlich. Ausgerechnet in der Metropole der Stürmer. Bitter.

Und weil das so ist, weil dem Klub Tore fehlen, fahnden die Verantwortlichen eilig nach Personal, das die große Not lindern kann. Und bei ihrer Fahndung sind sie nun wohl beim FC Bayern erfolgreich fündig geworden. Denn von den Münchnern wollen die Italiener offenbar Joshua Zirkee verpflichten. Wie "Sky Sport Italia" berichtete, fehlt für den Abschluss des Transfers nur noch die finale Zustimmung der Bayern. Der 19-jährige Niederländer soll demnach zunächst auf Leihbasis mit einer Kaufoption über 15 Millionen Euro zum Tabellenvorletzten wechseln. Angesichts der Harmlosigkeit seiner Konkurrenten dürfte Zirkzee in Parma das bekommen, was ihm beim FC Bayern verwehrt ist: einen Stammplatz und Spielzeit.

Was ist mit Parmas Stürmern los?

Tatsächlich ist die Bilanz der aktuellen Mittelstürmerriege der Parmaer mindestens mal erschütternd: Der dänische Nationalstürmer Andreas Cornelius hat in 16 Ligaspielen noch gar nicht getroffen. Eine Null nach zwölf Einsätzen steht auch noch bei Roberto Inglese. Immerhin einen Treffer bei vier Auftritten hat der 20-jährige Andrea Andorante erzielt. "Erfolgreichster" Torschütze der Mannschaft von Trainer Roberto D'Aversa ist der alternde Linksaußen Gervinho mit vier Treffern. Dahinter folgen die beiden eher defensiv agierenden Mittelfeldspieler Hernani und Juraj Kucka sowie Rechtsaußen Yann Karamoh mit drei Treffern.

Nun käme allerdings auch Zirkzee nicht (mehr) mit der Empfehlung, den Tor-Mangel sofort mit Wucht und Selbstvertrauen zu beheben. Denn nach einem erstaunlichen Aufstieg in der vergangenen Saison ging es für das Sturm-Talent in dieser Saison doch wieder rasant in die andere Richtung. Insgesamt neun Einsätze sind in dieser Spielzeit bislang notiert, vier davon in der zweiten Mannschaft in Liga drei (inklusive einer roten Karte). Dreimal durfte er in der Bundesliga ran, einmal von Beginn an. Blöd für ihn: Ausgerechnet da gab's das sehr viel beachtete, krachende 1:4 bei der TSG Hoffenheim. Ausgerechnet gegen seinen Ex-Coach Sebastian Hoeneß. Zudem stehen noch je ein Arbeitsnachweis im Supercup und in der Champions League in seinen Leistungsdaten. Was dort allerdings nicht steht: ein Tor.

Das ist schon irgendwie bitter, denn in der vergangenen Saison hatte Zirkzee tatsächlich ein paar zarte Hoffnungen geweckt, sich als zweiter Mann hinter Robert Lewandowski zu etablieren. Vor allem seine Auftritte im Bundesliga-Team waren wirklich bemerkenswert, ebenso wie seine Quote. In neun Partien erzielte er vier Treffer und bereitete einen weiteren vor. Direkt bei seinem Debüt rettete er den Bayern einen Punkt beim SC Freiburg - mit seinem ersten Bundesliga-Ballkontakt. Nur drei Tage später traf er wieder, diesmal beim 2:0-Sieg gegen Wolfsburg. Der Hype entwickelte sich rasant. Ein typischer Reflex.

Flick warnte früh vor zu großem Hype

Aber bereits damals, nach der Erlösung im Breisgau, sagte Trainer Hansi Flick: "Ich habe gedacht, wenn jetzt noch eine Flanke kommt, kann er sie eventuell reinmachen. Er macht das vor dem Tor sehr gut. Er ist jetzt drei Wochen bei uns dabei (Anm. d. Red.: beim Training der Profimannschaft), die Entwicklung finde ich bemerkenswert." Aber Flick warnte auch vor einem überzogenen Hype, den hatte der Trainer ja gerade erst selbst über sich ergehen lassen müssen, ehe es ein wuchtiges Ende nach zwei Liga-Niederlagen gab. So sagte Flick: "Es ist noch viel zu tun. Wir sollten schön auf dem Boden bleiben."

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Und auf dem ist Zirkzee krachend gelandet. Ende Oktober des vergangenen Jahres wurde er sogar überraschend hart und deutlich vom Coach angezählt: "Talent alleine reicht nicht immer", sagte Flick. "Deswegen ist es auch wichtig, dass man an sich arbeitet, und das macht er auch. Daran wird er auch gemessen. Er hat die Qualität, um Bundesliga zu spielen, davon sind wir alle überzeugt. Aber es geht auch ein bisschen um die Mentalität, die Einstellung, den unbedingten Willen, auch zu zeigen, was man kann."

Das kann er nun sehr wahrscheinlich bei Parma Calcio tun. Und der Wechsel dorthin ist mutmaßlich eine sehr vernünftige Idee. Für Zirkzee. Für den Klub. Und eventuell demnächst auch wieder für den FC Bayern.

Quelle: ntv.de

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