Fußball

Scheitern von Rangnicks United Der historisch harmlose "Geist" Ronaldo

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Ratlos.

(Foto: IMAGO/Marca)

Lionel Messi und Paris St. Germain sind bereits raus aus der Königsklasse, nun folgen auch Manchester United und Cristiano Ronaldo. Gegen Atlético Madrid ist der portugiesische Superstar so ungefährlich, wie seit elf Jahren nicht mehr. Wie geht es nun weiter für CR7?

Die Ära der beiden Fußball-Legenden Lionel Messi und Cristiano Ronaldo neigt sich dem Ende entgegen. Oder ist sie womöglich bereits still und heimlich vorbei? Nun, es gibt durchaus belastbare Indizien für diese Behauptung. Denn erneut wird die Krone des europäischen Vereinsfußballs ohne die Ikonen des Spiels ausgekämpft. Während Messi schon seit einer Woche weiß, dass er mit Paris St. Germain in der Champions League fortan spielfrei hat, wurde Ronaldo diese Nachricht am späten Dienstagabend übermittelt. Mit Manchester United scheiterte er im Achtelfinale an Atlético Madrid. Das Rückspiel gewannen die Spanier mit 1:0 (1:1 im Hinspiel).

Niederlagen gegen die Rojiblancos sind für den 37 Jahre alten Portugiesen besonders bitter. Wegen seiner überaus erfolgreichen Vergangenheit bei Real. Und wegen der erbitterten Rivalität der beiden Hauptstadtklubs. Aber es geht in diesem Duell auch um Persönliches. Zwischen Ronaldo und Atléticos Rüpel-Coach Diego Simeone. Die extrovertierten Alphatiere lieferten sich vor drei Jahren ein bizarres Cojones-Jubel-Duell. Endstand der individuellen Auseinandersetzung: Unentschieden. Der Stärke war indes doch Ronaldo, der mit seiner Mannschaft, damals Juventus Turin, die nächste Runde erreichte.

Nun, kurz vor Frühlingsbeginn sind keine neuen Eskapaden zwischen den beiden Riesen-Egos bekannt. Simeone verweigerte bloß den obligatorischen Handschlag mit Uniteds Trainer Ralf Rangnick. Er hatte das in der Vorrunde bereits mit Jürgen Klopp getan. Bekannt ist indes, dass Atlético dieses Mal als Sieger vom Feld geht. Renan Lodi (41.) besiegelte mit seinem Kontertor das Aus des Premier-League-Fünften, der so seine letzte Chance auf einen Titel verspielte. United, das sich am bekanntermaßen diszipliniert verteidigenden spanischen Meister die Zähne ausbiss, war bereits in den nationalen Pokalwettbewerben früh gescheitert. Ronaldo, auf dem immer (egal in welcher Mannschaft) die Hoffnungen liegen - nach seiner Gala in der Liga am Wochenende gegen Tottenham Hotspur mit drei historischen Treffern sowieso - blieb blass. Extrem blass. Ronaldo schoss nicht einmal aufs Tor (ein Fallrückzieher landete neben dem Gehäuse, am Außennetz und geht damit nicht in die Statistik ein).

"Die märchenhafte Rückkehr von Cristiano Ronaldo verläuft nicht nach Plan", bilanzierte die Boulevardblatt "Sun". Er war "ein Geist, einer von vielen", befand der "Independent". Mit zusammengepressten Lippen verließ Ronaldo den Rasen, noch am Abend war nichts von ihm zum Spiel zu vernehmen.

Unzufrieden, auf allen Ebenen

Wie das Statistik-Portal Opta recherchierte, war es erst die dritte "Null" in einem Champions-League-Spiel für Ronaldo. So schwach wie nun im "Theater der (Anmerk. d. Red.: geplatzten) Träume" war er zuletzt 2011, damals im Halbfinale gegen den FC Barcelona im Camp Nou. Aber für Manchester hatte er bereits ein Spiel verbracht, in dem ihm jede Gefährlichkeit abging. Das war, jetzt Obacht, 2003 gegen Panathinaikos Athen. Seine auffälligste Szene gegen Atlético hatte er, als er laut und gestenreich ein vermeintliches Foul vor dem Siegtreffer reklamierte. Ein Ausdruck seiner Unzufriedenheit auf allen Ebenen.

Über die wurde in den vergangenen Wochen besonders viel berichtet. Sie soll auch - oder vor allem - mit Trainer Rangnick zusammenhängen. Der portugiesische Weltfußballer soll mit der Verpflichtung des deutschen Trainers als Interimscoach unzufrieden gewesen sein und eine permanente Lösung für den Posten bevorzugt haben. Und dann ist da noch das sportliche Verhältnis zum Coach. Der Portugiese soll wegen seiner vielen Auswechslungen enttäuscht sein. Ende Januar kam es sogar zum Streit. Auf eine Frage, ob der Superstar bei United noch glücklich ist, antworte Rangnick am vergangenen Freitag: "Nun, ich weiß es nicht - ich habe ihn nicht gefragt, ob er in Manchester und bei diesem Klub glücklich ist."

Die Sache ist so: Auf diesen Satz von Rangnick folgte Ronaldos Gala gegen Tottenham. Nach seinem überragenden Auftritt ist er zumindest laut der FIFA-Statistik der Größte. Mit 807 Toren übertraf Ronaldo nämlich die bisherige Bestmarke von Josef Bican für die meisten Tore der Fußballgeschichte. Bican soll 805 Tore erzielt haben. Der Stürmer, der für sowohl für das österreichische als auch das tschechische Nationalteam gespielt hatte, hatte seine Karriere 1955 beendet.

"... den richtigen Trainer finden"

"Das war eine Antwort an seine Kritiker", meinte BBC-Experte Alan Shearer zu ständigen Debatten. "Aber es gab viele Tage in dieser Saison, wo es nicht geklickt hat", antwortete der "Guardian" indes. Das mache Ronaldo zum Problem für United. Trotz Zwei-Jahres-Vertrages ist offen, ob der Portugiese auch nächste Saison für die "Red Devils" spielt. Für die "Daily Mail" ist aber schon klar: "Jeder, der bezweifelt, dass United ihn vermissen wird, hat dieses Spiel definitiv nicht gesehen."

Anders sieht die Sache bei Coach Rangnick aus. Auch er steht dauerhaft in der Kritik. Bisweilen gab es sogar Berichte, dass große Teile der Mannschaft gegen ihn sein sollen. Nach dem Champions-League-Aus muss er sich erneut scharfe Worte anhören. "Das Allererste, was dieser Verein tun muss, um auch nur annähernd wieder die Meisterschaft zu gewinnen, ist, einen richtigen Trainer zu finden, der für diese Mannschaft arbeitet", sagte Club-Legende Paul Scholes beim Sender BT Sport. In diesem Kader stecke einiges an Talent, so Scholes, der in der goldenen Ära des Klubs unter Sir Alex Ferguson insgesamt elfmal die Meisterschaft und zweimal die Champions League gewonnen hatte. Lob gab es von Scholes dagegen für Simeone. Mit ihm hätte United das Weiterkommen geschafft. Rangnick verteidigte sich derweil: "Wir haben genauso gespielt, wie wir spielen wollten."

Er haderte indes über einige "kuriose Entscheidungen des Schiedsrichters". Diese seien dann zwar nicht entscheidend gewesen, aber in der zweiten Halbzeit sei das Spiel ständig unterbrochen worden. Immer habe irgendjemand auf dem Boden gelegen. Rangnick bezeichnete auch die vier Minuten Nachspielzeit als "Witz". Seine Zeit in Manchester wird enden. Ob das auch für Ronaldo gilt? Nun, eine Sache scheint klar: Den "Ballon d'Or" werden in diesem Jahr weder der Portugiese noch sein ewiger Duellant Lionel Messi gewinnen (können). Ein weiteres Indiz, dass eine Ära vorbeigeht. Oder schon zu Ende gegangen ist.

Quelle: ntv.de, tno

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