Fußball

Wie Ronaldo, so der Messi Die Milliarden-Deppen von Paris St. Germain

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Läuft noch nicht für Lionel Messi bei PSG.

(Foto: AP)

Die Bosse von Paris St. Germain haben in dieser Saison nur eines im Sinn, sie wollen die Champions League gewinnen. Um dieses Ziel endlich zu erreichen, haben sie bekanntermaßen den Luxus-Kader noch mal ein bisschen funkelnder gestaltet. Tja, und dann? Dann gibt's eine Blamage!

Was haben die 30 Spieler aus dem Profikader des FC Brügge mit Stürmer Kylian Mbappé gemeinsam? Nun, gemeinsam erreichen die 30 Fußballer des belgischen Meisters fast den gleichen Marktwert wie der 22 Jahre junge Franzose. Der Kader des Klubs aus der achtgrößten Stadt des Landes bringt aktuell exakt 150,30 Millionen Euro auf die Waage. Würde man noch 9,7 Millionen draufpacken, dann wäre man bei Mbappé. Der Mann mit dem Weltfußballer-Potenzial ist der teuerste Spieler im Mega-Giga-Premium-Aufgebot von Scheichklub Paris St. Germain. Deren gesamtes Ensemble kratzt nach den sommerlichen Transfers von Lionel Messi, Gianluigi Donnarumma, Achraf Hakimi, Sergio Ramos und Georginio Wijnaldum (um nur die Top-Transfers zu nennen) an der Grenze zur Marktwert-Milliarde. 997,25 Millionen Euro kommen laut Transfermarkt.de zusammen.

FC Brügge - Paris St. Germain 1:1 (1:1) 

Tore: 0:1 Ander Herrera (16.), 1:1 Vanaken (27.)
Brügge: Mignolet - Clinton Mata, Hendry, Nsoki - Rits, Balanta - Sobol, Vanaken, Sowah (90.+2 Maouassa) - De Ketelaere, Lang. - Trainer: Clement.
Paris: Navas - Hakimi, Marquinhos, Kimpembe, Diallo (75. Nuno Mendes) - Paredes (46. Danilo) - Wijnaldum (46. Draxler), Ander Herrera - Messi, Mbappe (51. Icardi), Neymar. - Trainer: Pochettino.
Schiedsrichter: Sandro Schärer (Schweiz)

Der wertvollste Spieler des FC Brügge, es ist der 22 Jahre alte niederländische Außenstürmer Noa Lang, bringt es aktuell auf 22 Millionen Euro. Im Pariser Marktwert-Ranking würde er sich mit dem Argentinier Leandro Paredes hinter Abdou Diallo (25 Millionen) und knapp vor Angel di Maria und Julian Draxler (20 Millionen) auf Platz 13 einreihen. Immerhin. Nun, dieses ganze erschütternde Zahlenwerk ist wichtig, um zu verstehen, wie großartig die Leistung der Belgier in der Champions League am Mittwochabend war. Der FC Brügge hatte sich da tatsächlich ein 1:1 gegen Paris erkämpft und war sogar näher am Sieg als die Milliardentruppe, die in manchen Szenen ganz schön deppert aussah. Dass Torwart Keylor Navas der beste Mann war, das wird nicht jedem gefallen.

Zumindest nicht auf der höchsten Ebene von PSG. Denn dort zirkulierte im Sommer das Geld. Die Macht der Zahlen drückte sich tatsächlich nicht in den Ablösen aus, sondern eher in den Gehältern. Das Financial Fairplay wurde dabei natürlich beachtet. Heißt es aus dem Klub. Es zeigt einfach nur, wie absurd diese Regel ist, die dem Wahnsinn am Markt doch eigentlich Einhalt gebieten sollte. Den Bossen aus Katar dürfte das freilich egal sein. Sie interessieren sich nur für eine Sache: Sie wollen endlich den Henkelpott, die Sehnsuchts-Trophäe aus der Königsklasse, gewinnen. Einzig und allein diesem Ziel dient das nächste Mega-Investment.

Argumente gegen die Super League

Ein kleiner, weil nur schwacher Trost: Auch Manchester United mit Messis großem Rivalen Cristiano Ronaldo hatte den Start in die neue Königsklassen-Spielzeit verbockt. Bei den Young Boys Bern gab es eine 1:2-Pleite. Nach langer Unterzahl (Aaron Wan-Bissaka hatte Rot gesehen) und einem Horrorrückpass von Jesse Lingard in der Nachspielzeit. Wenn es noch Argumente für die Champions League und gegen die Super League braucht, dann dieses kleine Wunder vor der wundervollen, euphorischen Kulissen.

Ob den PSG-Bossen derweil nach ihrem Transferrausch bereits klar war, dass nicht nur massiv viele Euros Titel gewinnen, sondern dass es dafür auch ein gut funktionierendes Kollektiv braucht? Niemand weiß das so genau. Aber spätestens seit diesem Mittwochabend dürfte die katarische Feiergesellschaft im Wartestand ahnen, dass der Weg zum Pott keine Autobahn ohne Tempolimit ist (dann wäre der PSG-Bolide nicht aufzuhalten), sondern eher die A40 mit reichlich Stop-and-go und einigen unangenehmen Ausfahrten. Denn die Brügger brachten all das auf den Rasen, was Star-Ensembles manchmal in der Arroganz ihrer Überlegenheit vergessen.

Die Gastgeber spielten mit Begeisterung und Leidenschaft. Sie ließen sich sogar vom frühen Gegentreffer nicht von ihrer mutigen Idee abbringen. Mbappé, der Anfang der zweiten Halbzeit verletzt rausmusste, bereitete prima vor, Ander Herrera verarbeitete das Zuspiel nicht weniger stark (15.). In diesem Moment nahm alles seinen erwarteten Lauf. Die Pariser, bei denen die Superstars Mbappé, Messi und Neymar erstmals zusammenspielen durften, führten. Der Argentinier stand sogar erstmals in der Anfangsformation. Für ihn stand bislang lediglich ein Kurzeinsatz im Arbeitsheft. Ende August war er beim 2:0-Sieg von PSG im Liga-Spiel bei Stade Reims 24 Minuten vor dem Abpfiff ins Spiel gekommen. Seine erste Aktion damals: ein schnöder Rückpass. Ein Stück Fußballgeschichte. Ein unbedeutendes (wie der Kollege Stephan Uersfeld hier wunderbar aufgeschrieben hat).

Navas rettet PSG zweimal spektakulär

Die Pariser gewannen nach der Führung keine Sicherheit, keine Dominanz. Sie wackelten hinten und waren im Spiel nach vorne seltsam gehemmt. Brügge nutzte das. Hans Vanaken glich nach 27 Minuten aus. Das Tor war eine Kopie der Pariser Führung. Flache Hereingabe von der linken Seite in den Rücken der Abwehr, Direktabnahme - Ausgleich. Und der 17-malige belgische Meister machte weiter. Vanaken mit einem tollen Freistoß und Charles De Ketelaere zwangen Navas zu zwei starken Paraden. Auf der anderen Seite zeigte Messi einmal seine Klasse im Solo und Abschluss. Doch sein Schuss klatschte an die Latte (29.). Der Superstar, der im Sommer unter Tränen (beim Abschied) vom ultraklammen FC Barcelona gekommen war, spielte vernünftig.

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Für viele andere Kollegen galt das nicht. Erst als Brügge ab der 80. Minute kaum noch Kraft hatte, zeigte PSG mal schnelle und wütende Angriffe - ohne gute Chancen. Trainer Mauricio Pochettino, der angesichts solcher Leistung sehr schnell sehr großen Druck bekommen wird, warb für seine Aufgabe: "Wir brauchen Zeit, damit sie ein Verständnis füreinander entwickeln. Das ist klar und wir haben es bereits die vergangenen Tage gesagt. Wir müssen noch ein Team kreieren", befand der Argentinier. "Wir hatten keinen guten Abend. Wir müssen ruhig bleiben, weiter arbeiten und die Zeit nehmen, die wir brauchen. Es wird besser werden."

Die letzte gute Szene, über die es sich zu reden lohnt, hatte Lang. De Ketelaere hatte seinen Partner am langen Pfosten erkannt und den Ball quer durch den Strafraum gechippt (das war schon stark), Lang setzte aus fünf Metern zum Fallrückzieher an, traf den Ball aber nicht richtig. Er ging vorbei. Was wäre dann bloß los gewesen im Jan-Breydel-Stadion? Die 27.546 Zuschauer hatten so schon für eine wahnsinnige Atmosphäre von den Rängen gesorgt und ihr Team zu einer zwischenzeitlich ebenso beeindruckenden wie überraschenden Überlegenheit getrieben. Fast doppelt so viele Schüsse aufs Tor hatten die Belgier abgegeben. Der Lohn in der (noch absolut nicht aussagekräftigen) Tabelle nach Spieltag eins: Platz zwei hinter Manchester City, der teuersten Mannschaft der Welt, der Marktwert liegt bei 1,04 Milliarden Euro. Die Mannschaft von Starcoach Josep Guardiola hatte RB Leipzig auf skurrile Weise mit 6:3 vermöbelt.

Quelle: ntv.de

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