Fußball

Ärger über Schults "Provokation" Die einschüchternde Macht des VfL Wolfsburg

0f7f91e017d1f5f23f76ce9cc083f477.jpg

Almuth Schult feierte ihren letzten Titel mit Wolfsburg ausgelassen.

(Foto: dpa)

Es ist alles wie immer: Der VfL Wolfsburg feiert, die Gegnerinnen sind chancenlos. So wirkt es zumindest, wenn man sich den Fußball der Frauen in Deutschland anschaut. Die Mannschaft gewinnt ihren achten DFB-Pokal in Folge. Für die Liga bedeutet das wenig Gutes.

Almuth Schult feierte ausgelassen. Nach ihrem letzten Spiel für den VfL Wolfsburg gab es ein Bier auf der Pressekonferenz, noch auf dem Rasen stieß die 31-Jährige, die zum Angel City FC in die USA wechselt, mit Schnaps mit ihren Teamkolleginnen an. Dank eines 4:0-Siegs hatte das Team aus Niedersachsen gerade gegen Turbine Potsdam den DFB-Pokal gewonnen.

Ein Tor hat Schult dabei nicht geschossen, kein Wunder, schließlich ist sie als Torhüterin fürs Toreverhindern zuständig. Dabei hat sie alles versucht. Kurz vor Schluss tauchte sie bei einer Ecke plötzlich im gegnerischen Strafraum auf. So wie es Keeper manchmal machen, wenn ihr Team knapp im Rückstand liegt oder noch auf das Siegtor dringt. Wolfsburg aber führte bereits 4:0 nach Toren von Ewa Pajor (11./33.), Jill Roord (43.) und Dominique Janssen (70.).

"Wir haben in den letzten Wochen im Training ein bisschen rumgeblödelt, ich habe als Feldspielerin mitgemacht und auch mal ein kurioses Seitfallzieher-Tor geschossen", erklärte Schult anschließend. "Da dachten wir, es wäre schön, noch ein Tor für Wolfsburg in einem Spiel zu erzielen. Aber das Timing hat nicht gepasst." Den Vorwurf der Respektlosigkeit handelte sich die Frau ein, die in der gesamten Saison - ach was, ihrer gesamten Bundesliga-Karriere, keine Gelbe Karte kassierte. Nur in der Vorsaison bekam sie im DFB-Pokal-Finale gegen Eintracht Frankfurt die Rote Karte, ihre einzige jemals. Heißt, Schult ist sonst nicht für Unfairness, Provokation oder Respektlosigkeit bekannt. Diese Szene aber erzürnte Potsdams Trainer Sofian Chahed: "Es zollt von Respekt, dass man da einfach im Tor bleibt." Schult entschuldigte sich umgehend: "Es tut mir leid, wenn es bei Potsdam falsch angekommen ist. Es waren die Emotionen des letzten Spiels."

"Die Lücke ist einfach zu groß"

Emotionen und auch die Zeit und die Lockerheit hatte sie auf ihrer Seite. Die Überlegenheit ihres Teams war deutlich. Zwar spielte Potsdam vor allem in der ersten Halbzeit durchaus engagiert mit und probierte sich auch in Richtung Tor aus. Doch letztlich waren sie gegen die Doublesiegerinnen aus Wolfsburg chancenlos. Die standen hinten sicher - und waren vorn eiskalt im Torabschluss. "Es war David gegen Goliath", konstatierte Chahed. Der frühere Hertha- und Hannover-Profi, der die Potsdamerinnen vor der Saison übernommen hatte, sagte: "Wenn ich sehe, wer bei Wolfsburg auf der Bank gesessen hat oder nicht im Kader war - diese Spielerinnen hätten wir alle mit Kusshand genommen." Sein Gegenüber Tommy Stroot konnte es sich beispielsweise leisten, Nationalmannschafts-Kapitänin Alexandra Popp erst nach einer Stunde einzuwechseln.

Allein dieser Wechsel, er manifestiert die Gefahr, die die Dominanz des VfL Wolfsburg mit sich bringt. Zum achten Mal in Folge holte das Team den DFB-Pokal. In der Liga wurden ihm Meisterschaften nur in der Vorsaison und davor zuletzt in der Spielzeit 2015/16 verwehrt, beide Male vom FC Bayern. Die Münchnerinnen waren auch in dieser Saison die einzigen, die ihnen lang gefährlich waren.

Das Gefälle, es ist ähnlich groß wie in der Männer-Bundesliga, wo niemand an den FC Bayern heranreicht. "Die Lücke ist einfach zu groß", sagte auch die frühere Nationalspielerin Nia Künzer als ARD-Expertin. National fehlt die Konkurrenz, international reichte es dann aber zuletzt nicht zu den ultimativen Höhenflügen. Für den VfL war im Champions-League-Halbfinale gegen den FC Barcelona Schluss, vor allem das Hinspiel im ausverkauften Camp Nou endete bitter: mit einer 1:5-Klatsche für Stroots Team.

Die Dominanz wird bleiben

Die nationale Dominanz, sie wird wohl auch nach Schults Abgang nicht abreißen. Schults Konkurrentin um den Stammplatz bei der EM in England im Juli, Merle Frohms, wechselt aus Frankfurt nach Niedersachsen, Toptalent Jule Brand kommt von der TSG Hoffenheim, Marina Hegering bringt ihre Erfahrung aus Bayern mit und auch der Finalgegner vom Samstag verliert eine Stammspielerin an die Wölfinnen: Kapitänin und Verteidigerin Sara Agrez. Noch für Potsdam spielend, gefiel der Slowenin die Dominanz ihres zukünftigen Arbeitgebers gar nicht: "Wir sind alle sehr enttäuscht. Ich muss sagen, dass ich so ein hohes Ergebnis nicht erwartet habe. Wolfsburg war einfach zu stark für uns, sie sind einfach eine gute Mannschaft."

Eine gute Mannschaft war Wolfsburg schon vor dem Amtsantritt von Stroot zu Beginn der Saison, der 33-Jährige aber hat es mit seinen Co-Trainerinnen Kim Kulig und Sabrina Eckhoff geschafft, das Team noch gefährlicher, noch spielfreudiger zu machen. "Man sieht, dass sie noch mehr Überzeugung entwickeln", sagte Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg nach dem überlegenen Sieg. Für Stroot gab es als Belohnung die Vertragsverlängerung bis 2025. Schon der Meistertitel war für ihn eine Premiere, nun folgte der DFB-Pokal. Denn was für seinen Klub längst Normalität ist, war für Stroot noch neu: "Das fühlt sich für mich besonders an." Es besteht die Gefahr, dass auch er sich an das Gefühl gewöhnt. Und das ist weder für seine Gegner, noch für die Liga eine gute Nachricht.

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen