Fußball

Plötzlich uneins? Effzeh macht Schmadtkes Aus zum Rätsel

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Die Kritik der Fans an Jörg Schmadtke und seiner Transferpolitik war zuletzt immer lauter geworden.

(Foto: imago/Eibner)

Sportlich läuft's seit Wochen nicht - nun ist auch Sportdirektor Jörg Schmadtke weg. Aber warum ist er nicht mehr da? Eine gute Antwort darauf gibt es nicht. Nur Sätze, die wilde Spekulationen möglich machen und ein kühles Adieu.

Vielleicht ist er ja wirklich eingeknickt, der Jörg Schmadtke - im Anblick der Riesenkrise seines 1. FC Köln in der Fußball-Bundesliga (sieglos Letzter) und in der Europa League (punktlos Letzter). Vielleicht haben ihn, den Geschäftsführer, die immer lauteren Fan-Attacken angesichts seiner Kaderplanung tatsächlich dazu bewogen, nun "den Weg frei zu machen für einen neuen Impuls". All das könnte sein, hätte sich der 53-Jährige am Sonntag, nach dem 0:0 gegen Bremen, nicht so geäußert: "Wenn man sagt, ich habe hier vier Transferperioden versemmelt, dann frage ich mich, wie man mit drei versemmelten Transferperioden Fünfter werden kann? Das muss mir irgendwann mal jemand erklären. Und wenn dann eine dabei ist, die schlecht ist und zu einem Punkt nach acht Spieltagen führt, dann finde ich, hat man eigentlich das Recht, diese Dinge zu korrigieren - ohne schon ans Kreuz genagelt zu sein."

Nun, irgendwie wirkt das alles reichlich seltsam, was da gerade beim 1. FC Köln passiert. Noch im Mai, kurz vor dem 33. Spieltag, waren sie am Rhein in so großer Sorge, womöglich ihren souveränen Umbaumeister zu verlieren, dass sie den Vertrag mit Schmadtke vorzeitig um zwei weitere Jahre bis 2023 verlängerten.

Das Vertrauen in den gebürtigen Düsseldorfer war angesichts des bevorstehenden Europa-Comebacks nach 25 Jahren unerschütterlich groß. Und unerschütterlich ist eigentlich ein Wörtchen, das es in Kombination mit Vertrauen und dem 1. FC Köln nicht gibt. Verdient hatte sich Schmadtke das Vertrauen allemal. Binnen vier Jahren führte er den Klub mit Trainer Peter Stöger zurück in die Bundesliga, baute einen ruhigen, krisenfesten und erfolgreichen Effzeh auf.

Der Transfersommer, ein Desaster

Dieser Effzeh aber wird nun, in dieser Saison, mit voller Wucht von (Verletzungs-)Pech und Misserfolg auf allen sportlichen Ebenen gerammt. Daran hat Schmadtke seinen Anteil. Denn die Transferbilanz des Sommers - inklusive nicht realisierter Wunschspieler des Trainers und Personal für die vakanten Positionen auf den offensiven und defensiven Außenbahnen - liest sich nach neun Ligarunden, dreimal Europapokal und einmal DFB-Pokal, tatsächlich desaströs: Jhon Córdoba (vom FSV Mainz 05) sollte als Königstransfer den unter wirren Umständen und für sehr, sehr viele Millionen nach China transferierten Tor-Akkordler Anthony Modeste ersetzen. Doch eine Rechtfertigung für die investierten 17 Millionen Euro lieferte der Kolumbianer bislang nicht. Auch die teuren Talente Jannes Horn (VfL Wolfsburg, sieben Millionen Euro), Jorge Meré (Sporting Gijón, ebenfalls sieben Millionen Euro) und Joao Queirós (Sporting Braga, drei Millionen Euro) sind bisher bestenfalls Spieler mit einer guten Perspektive. Aber reicht diese Bilanz wirklich aus, um sich so zu verabschieden, wie es der Klub am Montagabend per Mitteilung verkündete?

Da hieß es nämlich: "Nach intensiver Analyse" seien "unterschiedliche Auffassungen im Hinblick auf die zukünftige sportliche Ausrichtung des Klubs" ausschlaggebend gewesen. Was aber bedeutet das nun? Wo liegen die nicht mehr zu kittenden Differenzen? In der Trainerfrage? Wollte Schmadtke, wie einige Medien vermuten, seinen Erfolgsbruder im Geiste, Trainer Peter Stöger, wegen der anhaltenden Misserfolgsserie und vermuteter Missstimmungen über das Fußballerpersonal loswerden? Oder wollte er den beliebten Coach vielleicht doch eher gegen andere interne Kritiker nicht anzählen? Antworten auf diese Fragen liefern die Verantwortlichen nicht. Weder Schmadtke, weder Stöger und auch nicht der Klub. Präsident Werner Spinner legte nur etwas diffus nach: "Wir haben ein ausführliches Gespräch geführt und in diesem Gespräch hat Jörg Schmadtke signalisiert, dass er bereit wäre, den Weg freizumachen für einen neuen Impuls. Im Laufe des Gesprächs hat sich dann eine Vertragsauflösung als einzig sinnvolle Lösung ergeben."

Viel zu viel Ego?

Nun, wieder so eine Aussage, die nichts verrät, aber alles vermuten lässt. Und so berichten auch die Medien je nach eigenen Informationen in alle möglichen Richtungen. Kleinster, gemeinsamer Nenner aller Artikel: Schmadtke ist ein eigenbrötlerischer Typ, ein Sturkopf. Schon seine anderen erfolgreichen Engagements bei Alemannia Aachen (er führte den Klub nach Europa) und Hannover 96 (führte Schmadtke ebenfalls ins internationale Geschäft) endeten irgendwie diffus-unharmonisch. Ist er nun wieder angeeckt? Womöglich an der Personalie Jörg Jakobs, wie das Portal "effzeh.com" vermutet? Denn Schmadtkes einst cleverer Komplize als Kaderplaner (auch schon in Aachen und Hannover) wurde bereits 2015, nach dem Sommer mit dem bislang letzten Kölner "big deal" Modeste still und heimlich zum Sportchef der Nachwuchsabteilung degradiert. Auf eigenen Wunsch, wie es damals offiziell hieß.

Was nun, im Herbst 2017, doch einigermaßen komisch klingt: Denn unmittelbar nach dem Abgang von Schmadtke wird eben jener Jakobs direkt wieder in die Profiabteilung hochgelobt, soll gemeinsam mit Stöger die kurzfristige Kaderplanung übernehmen. Der Trainer übrigens sagte am Mittag auf der regulären Pressekonferenz zum Pokalspiel seiner Elf bei der Hertha in Berlin (Mittwoch, 18.30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) zu Schmadtkes überraschendem Aus - von dem er selbst am Montagabend erst zehn Minuten vor der offiziellen Verkündung erfahren habe - professionell-distanziert: "Ich respektiere die Entscheidung. Unser Verhältnis war von Vertrauen geprägt, es gab aber auch Diskussionen." Für zwei Menschen, die am Rhein über Jahre als unzertrennliches Duo galten, ist das viel weniger, als man erwartet.

Quelle: ntv.de