Fußball

Schwere Aufgabe beim FC Bayern Ein Geheimnis hütet Hansi Flick noch

Der Hype um Hansi Flick beim FC Bayern ist grenzenlos. Nach einer Saison der Superlative sucht die Medienwelt nun nach dem passenden Superlativ für den gehypten Triple-Trainer. Dessen schwerster Teil der Arbeit in München beginnt indes erst jetzt.

Über Hansi Flick wusste man ja schon vor diesem Dienstag recht viel. Dass er höflich ist, zum Beispiel. Dass er seine Fußballer bestens erreicht. Dass er sie besser macht. Dass er einst der Assistent von Joachim Löw war. Und Weltmeister geworden ist. Dass er sich auch traut, öffentlich seine Meinung zu sagen. Vor allem, wenn es um den Kader seines FC Bayern geht - sei es bei Transfers, oder aber bei eigenartig anmutenden Klauseln. Und nun, seit diesem Dienstag weiß die Welt dank der "Bild"-Zeitung auch noch das: Hansi Flick soll inklusive Bonuszahlungen acht Millionen Euro verdienen, das wären dann 15 Millionen Euro weniger als Starcoach Josep Guardiola bei Manchester City kassiert.

Nun scheint man über den Bammentaler Hansi Flick tatsächlich alles zu wissen (noch viel mehr erfahren Sie hier). Nur eines, das weiß man nicht. Und es gibt nicht mal ein Indiz, das einen auf die Fährte dieses letzten großen Geheimnisses um den 55-Jährigen führen könnte. Was man noch nicht weiß: Wie geht dieser Coach, der einst mit Schnurrbart für den FC Bayern spielte, eigentlich mit Misserfolg um? Mit internen Missstimmungen? Nun, irgendwann wird dieses Geheimnis gelüftet werden. Denn das, was Flick in der vergangenen Saison geschaffen hat, das ist so außergewöhnlich, dass ein gegen alle Widerstände (vor allem das Neuer-Theater) harmonisches Weiter-so oder gar ein Noch-besser nicht möglich ist - in der Theorie klar, in der fußballerischen Praxis indes nicht. 36 Pflichtspiele hat er als Chef mit den Münchnern bestritten, 33 hat er gewonnen, zwei verloren, in einem wurden die Punkte geteilt.

"Das hat Hansi perfekt gemacht"

Wer auch nur ein My daran zweifelt, dass Meisterschaft, Pokal- und Champions-League-Sieg an der Arbeit des Trainers festzumachen sind, der braucht sich nur immer wieder diese Bilanz anzuschauen: 2,78 Punkte im Schnitt, mehr Dominanz geht nicht (okay, geht kaum). Und so begeistern sie sich im Klub für ihren Coach, den sie über mehrere Interims-Evolutionsstufen kurz vor Weihnachten endlich zum Chef gemacht hatten. In der Partynacht von Lissabon, wo die Bayern zuvor die Champions League gewonnen hatten, schwärmte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge: "Du bist immer ein so bescheidener Mensch. Du hast einen Wahnsinnsjob gemacht, du kannst stolz darauf sein." Und Thomas Müller, dessen sehr erstaunliche fußballerische Wiedergeburt aufs Allerengste mit Flick verwebt ist, bekannte: "Der Trainer ist der Mann, der das Schiff auf Kurs hält. Das hat Hansi perfekt gemacht."

Müller und das Bayern-Schiff, sie waren im Herbst des vergangenen Jahres heftig vom Kurs abgekommen. Und ihr damaliger Kapitän, Niko Kovac, verzweifelt. Rhetorisch gnadenlos zertrümmerte er seine Crew: "Man kann nicht versuchen 200 zu fahren, wenn sie nur 100 schaffen. Man muss auch die Spielertypen haben", erklärte er und verteidigte die vorsichtige Herangehensweise für das Spiel seiner Mannschaft, die so gar nicht zur Klubidentität passen wollte. Die "Zeit" nennt das eine der "spektakulärsten Fehleinschätzungen der Fußballgeschichte" (Ergänz. unserer Red.: neben der Müller'schen Notnagel-Degradierung). Tatsächlich hat Flick aus dem nahezu identischen Kader, ergänzt nur im Winter um den spanischen Bestenfalls-Ergänzungsspieler Alvaro Odriozola, eine spektakuläre und perfekt funktionierende Pressing- und Dominanzmaschine (passt zum Klub) geformt, die, wenn nötig, Spiele auch über Leidenschaft und Kampf entscheiden kann, wie eben nun das Finale gegen Paris St. Germain.

Nun dann also eine Ära prägen

Aber was kommt nun? Flick hat in nur 36 Spielen erreicht, was vor ihm nur Jupp Heynckes gelungen war. Er hat dem Klub das zweite Triple geschenkt. Mehr Erfolg geht nicht. Und so beginnt für den Trainer nun der schwierige Teil seiner Mission. Der Maßstab für die Arbeit von Flick ist Flick. Die Fallhöhe so hoch, wie sie nur sein kann. Und so kann das Ziel neben Titeln nur lauten: eine neue Ära gestalten. Dieses Szenario hatten die Granden im Verein - Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge - angesichts der vergangenen Erfolgsserie bereits für die Zukunft gemalt. Und das Fundament dafür ist so stabil, wie lange nicht: Mit Joshua Kimmich, Leon Goretzka, Leroy Sané, Niklas Süle und Serge Gnabry haben die Münchner fünf der derzeit besten deutschen Spieler im Kader. Mit Mitte 20 sind sie bereits (titel)erfahren, aber weiter gierig.

Flankiert wird dieses Gerüst von der älteren Generation um Robert Lewandowski, Thomas Müller und Manuel Neuer. Und dann sind da ja noch Abwehrchef David Alaba, Super-Aufsteiger Alphonso Davies, Super-Comebacker Jérôme Boateng sowie die Weltmeister Benjamin Pavard und Lucas Hernández (der noch auf seinen Durchbruch wartet). Ungeachtet der sehr wahrscheinlichen Abgänge von Spielmacher Thiago (einziger Stammspieler), von Wadlbeißer Javi Martinez und der sicheren Abgänge der Leihspieler Philippe Coutinho (FC Barcelona) und Odriozola (Real Madrid) bleibt der Klub in der anhaltenden Corona-Krise von schwerwiegenden Erschütterungen, von notwendigen Umbrüchen verschont.

Und damit womöglich vorerst auch von Misserfolg. Noch kann Hansi Flick sein letztes großes Geheimnis also sicher behüten.

Quelle: ntv.de