Fußball

Weiteres Gutachten gefordert Ex-Kollegen zweifeln an Beckenbauers Attest

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Franz Beckenbauer ist laut eines Gutachtens lebensgefährdet.

(Foto: imago images / Günther Ortmann)

Franz Beckenbauers Gesundheitszustand lässt eine Vernehmung in der "Sommermärchen-Affäre" nicht zu. Das belegt ein medizinisches Gutachten. Doch an diesem zweifeln offenbar die weiteren Beschuldigten. Die Ermittler trennen das Verfahren derweil voneinander.

Wie schlecht geht es Franz Beckenbauer wirklich? Sport1 berichtet, dass die weiteren Beschuldigten in der "Sommermärchen-Affäre" den lebensbedrohlichen Zustand des 73-Jährigen offenbar anzweifeln. Die Anwälte der Gruppe um die ehemaligen DFB-Präsidenten Theo Zwanziger und Wolfgang Niersbach sowie Ex-DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt haben demnach ein neutrales Gutachten angefordert. Es sei dabei wichtig, dass sie die Aussagen Beckenbauers nicht grundsätzlich infrage stellen, es handele sich vielmehr um einen normalen Vorgang, heißt es.

Grund für den Vorgang sei, dass Beckenbauer in den vergangenen Monaten noch mehrere öffentliche Auftritte absolviert hatte. Auch bei seinem Auftritt beim jährlichen Golfturnier, dem nach ihm benannten Kaiser-Cup, erst vor zwei Wochen im bayerischen Bad Griesbach hatte er noch eine launige Rede gehalten.

Verfahren wird abgetrennt

Der frühere DFB-Funktionär entgeht aufgrund eines Gutachtens, das ihm einen schlechten Gesundheitszustand attestiert, in der WM-Affäre einer weiteren Vernehmung. Das Strafverfahren gegen Beckenbauer ist deswegen von der Schweizer Bundesanwaltschaft (BA) von dem gegen die weiteren Beschuldigten abgetrennt worden. Die Ermittlungen gegen den früheren Organisations-Chef des Sommermärchens werden "separat" weitergeführt, teilte die BA mit. Weitere Angaben "zu einzelnen Verfahrensschritten" machte die Behörde nicht. Die BA hatte das Strafverfahren im November 2015 eröffnet. Zu einer Anklage ist es bislang nicht gekommen.

"Wie immer gilt für alle beteiligten Personen die Unschuldsvermutung", teilte die BA mit. "Da es sich bei Strafverfahren um dynamische Prozesse handelt, die nicht von der BA alleine beeinflusst werden, kann über den zeitlichen Rahmen oder Verlauf keine Prognose gemacht werden." Im Kern geht es um die Zahlung von 6,7 Millionen Euro im Jahr 2005 vom Deutschen Fußball-Bund über den Weltverband Fifa an den früheren Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus.

Zwanziger will widersprechen

Den damaligen WM-Machern wird Betrug, ungetreue Geschäftsbesorgung, Geldwäscherei sowie Veruntreuung vorgeworfen. Im November 2016 waren die Ermittlungen auf den frühere Fifa-Generalsekretär Urs Linsi ausgeweitet worden. Zwanziger hatte zuletzt noch angekündigt, der Abtrennung des Beckenbauer-Verfahrens widersprechen zu wollen. "Es geht nicht, dass ein Beschuldigter hier aus der Verantwortung gelassen wird", hatte der frühere Funktionär, gegen den wie gegen Niersbach und Schmidt auch in Deutschland ermittelt wird, gesagt.

Die Zahlung der 6,7 Millionen Euro war als Mitfinanzierung einer Galaveranstaltung deklariert, die aber nie stattfand. Die gleiche Summe war im Jahr 2002 geflossen - augenscheinlich von Beckenbauer mit von Louis-Dreyfus geliehenem Geld an den früheren Fifa-Funktionär Mohamed bin Hammam, der inzwischen lebenslang für alle Aktivitäten im Fußball gesperrt ist. Der Zweck dieser Überweisung ist weiterhin unklar.

Quelle: n-tv.de, ara/dpa

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