Fußball

Lehren des 15. Spieltags FC Bayern machts spannend, BVB mit Psychotricks

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Still und zufrieden: Uli Hoeneß, hier neben Karl-Heinz Rummenigge.

(Foto: imago/ActionPictures)

Wenn Uli Hoeneß schweigt, ist das ein gutes Zeichen für den FC Bayern. Und wenn die Dortmunder Borussia Herbstmeisterin wird, ist das ein gutes Zeichen in Sachen Titelgewinn. Es könnte also doch spannend werden in der Fußball-Bundesliga.

Der FC Bayern macht es spannend

Spätestens nach diesem 15. Spieltag der Fußball-Bundesliga steht fest, dass das Rennen um die Meisterschaft ein potentiell spannendes wird. Das liegt vor allem am FC Bayern München, der zu neuer alter Stärke zurückgefunden hat. Nun ist ein deutlicher Sieg bei Hannover 96 nicht gerade der Gewinn der Champions League. Aber, steile These: Spiele wie das an diesem Samstag hätte der Tabellendritte noch vor wenigen Wochen nicht gewonnen. Oder zumindest nicht in dieser Deutlichkeit. Das ist zum einen der zweifelsfrei belegten Hast-du-scheiße-am-Schuh-hast-du-scheiße-am-Schuh-Theorie geschuldet.

Es liegt aber auch daran, dass mit Kingsley Coman und Thiago zwei Spieler zurück im Kader sind, die den Unterschied machen können und es gegen Hannover auch taten. Und dass Joshua Kimmich auf seiner Nicht-ganz-Lieblingsposition als Außenverteidiger an allen vier Toren der Münchner beteiligt war. Was die Offensive angeht, fängt der FC Bayern wieder an, Spaß zu machen. 13 Tore schossen Kimmich und Co. in den jüngsten fünf Spielen, das kann sich sehen lassen. So ist es auch zu erklären, dass die Münchner die Meisterschaft doch noch nicht abgeschrieben haben. "Natürlich ist unser Rückstand aufholbar", sagte Kimmich. Neun Punkte, da sei "die Tür noch ein bisschen offen", wobei schon klar sei, dass es nicht mehr Rückstand werden dürfe auf den Herbstmeister aus Dortmund.

Uli Hoeneß

Uli Hoeneß

Für diese These spricht zudem eine Faustregel aus dem Münchner Kosmos. Läuft es nicht, ist das am sprunghaft ansteigenden Redepensum von Klubchef Uli Hoeneß auszumachen. Hat der in letzter Zeit eigentlich was gesagt?

Der BVB mietet die halbe Meisterschaft

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Wir haben das mal ausgerechnet: 571 Tage ist es her, dass der BVB seiner Klubhistorie den bisher letzten Titel hinzugefügt hat. Der Gewinn des DFB-Pokals am 27. Mai 2017 war der insgesamt 20. Titel und dazu ein besonders schöner, weil die Dortmunder seinerzeit ja im Halbfinale beim FC Bayern gewonnen hatten. In der Hinsicht scheint sich die Geschichte nun zu wiederholen - mit dem Unterschied, dass Herbstmeister zu sein noch nichts zählt. Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke weiß: "Für den Titel kriegt man nichts, ihn zu haben, ist psychologisch aber nicht schlecht." Zumindest die Statistiken hat der BVB auf seiner Seite, in 38 von 55 Fällen holte der Halbzeit-Beste auch die Meisterschale.

Auch nicht übel ist der Vorsprung von neun Punkten auf die München und Gladbacher. Das geht in Ordnung, weil es den Leistungsunterschied der Hinrunde wiederspiegelt. Wo andere Mannschaften patzten, blieb der BVB souverän, Trainer Luvien Favre zauberte immer noch ein Ass aus dem Ärmel, das die glanzvolle Serie aus zwölf Siegen und drei Unentschieden erklärt. Ein Ass, das meistens Paco Alcácer hieß - wie auch an diesem Samstag, als der Spanier mit seinem 14. Saisontor den Sieg einläutete. Nicht alle Spiele waren so beeindruckend wie diese erste Halbzeit gegen den SV Werder Bremen. Die meisten waren allerdings beeindruckend souverän. Und das ist viel mehr wert als alle Zahlenspiele.

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Fußball kann alles sein

Der Sport kennt viele Emotionen. Es geht mitunter laut zu, durchaus auch leise. Manchmal unfair, oftmals dramatisch. Selten aber gibt es Momente, die so tragisch sind wie die Minuten nach dem Abpfiff beim Spiel des VfB Stuttgart gegen Hertha BSC. Als Kapitän Christian Gentner in den Business-Bereich stürmte, war klar, dass der Fußball zur Nebensache wurde. Gentners Vater Herbert war im Stadion zusammengebrochen. Nach zwei Stunden teilte der VfB dann mit, dass Herbert Gentner tot ist. Bis Dienstag, bis zum Spiel in Wolfsburg, sagte der Verein sämtliche Medienaktivitäten ab.

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Es war einer dieser Momente, in denen der Fußball vielleicht am größten ist. Nämlich dann, wenn er sich ganz klein macht. In denen einem Spieler wie Gentner ohne Zögern zugestanden wird, der Mensch Gentner und nicht der Kapitän des Klubs zu sein, der gerade drei Punkte im Abstiegskampf geholt hat. Dass der Sport diese menschliche Seite zeigt, ist seltener geworden. Aber es kommt vor. Auch am Donnerstag hatten Fans des schottischen Traditionsklubs Celtic aus Glasgow eine besondere Geste gemacht. Sie sprachen ihrem Stürmer Leigh Griffiths, der an Depressionen leidet, Mut zu. Mit einem Banner, auf dem zu lesen war: "It's ok, not to be ok - you'll never walk alone, Leigh". Was übersetzt so viel heißt wie: "Es ist okay, wenn es dir schlecht geht - du wirst niemals alleine sein". Das ist ein bewegendes wie auch bemerkenswertes Zeichen in einem Geschäft, das Themen wie psychische Probleme oftmals totschweigt. Was fatal ist, denn Schicksalsschläge machen keinen Unterschied zwischen Fußballprofis und dem Rest der Welt.

Gladbachs Borussia geht am Stock

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Immerhin unentschieden: Dieter Hecking.

(Foto: imago/Eibner)

Sie sie stehen nach 15 Runden punktgleich mit dem FC Bayern auf Platz zwei der Tabelle, damit können die Mönchengladbacher mehr als zufrieden sein. Sind sie auch. Das ebenso glückliche wie torlose remis in Sinsheim aber zeigt, dass die Borussia vom Niederrhein sich dem Jahresende eher entgegenschleppt als stürmt. Trainer Dieter Hecking formulierte es so: "Leider hat uns das Verletzungspech gerade vor Weihnachten wieder eingeholt." Matthias Ginter, Jonas Hofmann, Christoph Kramer und Tony Jantschke fehlten eh schon. Gegen die TSG Hoffenheim brach sich Angreifer Raffael das Schlüsselbein. Er wurde am Sonntag in Heidelberg operiert und fällt mehrere Wochen aus. Kapitän Lars Stindl erlitt in seinem 100. Ligaspiel für die Gladbacher eine Innenband- und Kapselverletzung am linken Sprunggelenk, hofft aber darauf, am Dienstag (ab 18.30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) für die Partie gegen den 1. FC Nürnberg wieder fit zu sein. Wichtiger allerdings dürfte das Spiel am kommenden Freitag sein, wenn es ab 20.30 Uhr zur Namenscousine und Herbstmeisterin nach Dortmund geht. So weit will Hecking aber noch nicht denken, Nürnberg first lautet die Devise. "Da müssen wir einfach nochmal den Kopf nach unten nehmen, nochmal alles reinfeuern. Wir müssen am Dienstagabend noch einen Dreier machen, dann haben wir eine überragende Vorrunde gespielt." Aber die wissen, dass es Zeit für eine Pause ist. Wir haben noch einen sehr weiten Weg vor uns. Das Beste war das Ergebnis", sagte Mittelfeldspieler Florian Neuhaus in Sinsheim. Und Kollege Oscar Wendt konstatierte: "Es war kein gutes Spiel."

Die SGE beeindruckt durch Frische

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Guter Mann: Danny Da Costa, rechts.

(Foto: imago/Jan Huebner)

Frisch und munter hingegen präsentiert sich die Frankfurter Eintracht. In der Europaliga hat sie alle sechs Gruppenspiele gewonnen und steht in der ersten K.-o.-Runde, und in der Bundesliga festigte die SGE nach einem kleinen Zwischentief mit zwei Niederlagen nun mit dem 2:1 gegen Bayer 04 Leverkusen am Sonntagabend den fünften Tabellenplatz. "Die Mannschaft hat Mentalität gezeigt", sagte Sportvorstand Fredi Bobic nach "einem heiß umkämpfen Sieg". Den Erfolg stellten Danny Da Costa (28. Minute) und Filip Kostic (57.) sicher, indem sie die Tore schossen. Die Gäste kamen vor 46.500 Zuschauern im Waldstadion durch Karim Bellarabi (65.) nur noch zum Anschlusstreffer. "Der Sieg tut sehr gut nach den zwei Niederlagen in der Bundesliga", sagte Da Costa, der einst in Leverkusen spielte. Und Angreifer Mijat Gacinovic glaubt: "So können wir jeden schlagen." Das ist eine interessante These, geht es doch am Mittwoch zum Nachbarn nach Mainz, bevor dann am kommenden Samstag (ab 18.30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) zum Abschluss der Hinrunde der FC Bayern kommt. Mal sehen, was die Münchner der Frankfurter Frische entgegenzusetzen haben.

Quelle: n-tv.de

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