Fußball

"Meistgehasste Teams Deutschlands" FC Bayern und Leipzig begeistern nicht

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Eiskalt abgekocht: Die Bayern-Profi Arturo Vidal im Zweikampf mit Leipzigs Yussuf Poulsen.

(Foto: imago/Michael Weber)

Kann ein Fußballspiel die Massen elektrisieren, bei dem viele denken: Können nicht beide verlieren? Das Hassteam-Duell zwischen FC Bayern und Leipzig kann es nicht. Schuld am Blackout hat aber nicht nur RB.

Im Grunde war dieser Abend eine einzige Enttäuschung, von Mats Hummels' Frisur mal abgesehen. Leipzigs Trainer Ralph Hasenhüttl hatte vorab zwar von einem Spiel geschwärmt, "das ganz Deutschland elektrisiert und wahrscheinlich auch noch über die Landesgrenzen hinaus begeistern wird". Und er hatte versprochen, seine Mannschaft werde die Sache mit "Mut, einem klaren Plan und viel Selbstvertrauen" angehen. Hinterher sagte er: "Wir haben uns einiges anders vorgestellt." Dafür aber lief zu viel gegen die Rasenballsportler, die an diesem 16. Spieltag der Fußball-Bundesliga mit 0:3 (0:3) vom FC Bayern demontiert wurden.

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RB-Coach Ralph Hasenhüttl erhielt mit seinem Team eine "Lehrstunde" in München.

(Foto: imago/Eibner)

Hasenhüttl sprach von einer "Lehrstunde" für seine Mannschaft, der es nie gelang, ihr höchst ambitioniertes Konterspiel aufzuziehen und den Gegner aggressiv zu pressen. "Ja, das wollten wir eigentlich schon spielen. Aber wir waren oft zu spät, haben keinen Druck aufbauen können." Nur ganz am Anfang, als Yussuf Poulsen vor dem Tor eine Hereingabe des Kollegen Timo Werner nur ganz knapp verpasste, habe man erkennen können, "dass wir mutig nach vorne spielen wollten". Dann aber warfen die Münchner ihre Passmaschine an, adaptierten zwischenzeitlich die Leipziger Spielweise, schossen vor der Pause ihre Tore und können nun mit drei Punkten vor dem Konkurrenten als Spitzenreiter in Ruhe Weihnachten feiern. "Wir wollten vor der Winterpause bewusst noch mal ein Ausrufezeichen setzen, das ist uns vor allem in der ersten Halbzeit gelungen", sagte Kapitän Philipp Lahm.

Spektakulär, okay - aber elektrisierend?

FC Bayern - RB Leipzig 3:0 (3:0)

Tore: 1:0 Thiago (17.), 2:0 Xabi Alonso (25.), 3:0 Lewandowski (45./Foulelfmeter)
München: Neuer - Lahm, Martínez, Hummels, Alaba (67. Bernat) - Vidal (74. Kimmich), Xabi Alonso - Robben (45. Ribéry), Thiago, Douglas Costa - Lewandowski
Leipzig: Gulacsi - Bernardo, Ilsacker, Orban, Halstenberg - Keita (45. Kaiser), Demme - Sabitzer (82. Burke), Forsberg - Werner (59. Selke), Poulsen
Schiedsrichter: Zwayer (Berlin)
Zuschauer: 75.000 (av)

Bleibt die Frage, ob diese Partie des Branchenprimus gegen den neureichen Emporkömmling tatsächlich dazu taugte, die Menschen zu elektrisieren. Auch wenn dieses Spitzenspiel viel einseitiger verlief, als es die meisten geahnt und die Bayern allenfalls ersehnt hatten: Das war schon spektakulär, was die Mannschaft des italienischen Trainers am Mittwochabend den 75.000 Zuschauern im ausverkauften Münchner Stadion bot.

Aber hat es jemanden, der weder den Leipzigern noch den Münchnern anhängt, ernsthaft emotional berührt? War es für den neutralen Fußballfreund nicht eher so, dass er vor der Frage stand: Wen finde ich weniger unsympathischer? Und sich wünschte, beide Mannschaften könnten verlieren? Nicht von ungefähr hatte der Fernsehsender Fox Sports die Partie in Italien mit dem Slogan beworben: "Das Duell der meistgehassten Mannschaften Deutschlands!"

Das ändert aber nichts daran, dass diese Hassteam-Konstellation an der Bundesliga-Spitze ein Modell für den Rest der Saison sei könnte. Der BVB, der tatsächlich in der Lage ist, im Widerstreit mit den Münchnern auch den unvoreingenommenen Zuschauer zu einer Parteinahme zu bewegen, liegt inzwischen satte zwölf hinter den Bayern und neun hinter den Leipzigern. In Dortmund arbeiten sie noch daran, ihre Versprechen einzulösen.

"Ich bin sehr, sehr stolz"

Am nächsten dran am Führungsduo ist aktuell die Hertha, aber auch die Berliner trennen auf Rang drei schon sechs Punkte von RB. Die Leipziger sind auf einem sehr guten Weg, sich bereits im ersten Jahr in Deutschlands höchster Spielklasse als ernsthafter Konkurrent hinter Branchenführer FC Bayern zu etablieren. Von daher war RB-Trainer Hasenhüttl auch sichtlich bemüht, nach der klaren Abfuhr nicht allzu schlechte Stimmung aufkommen zu lassen. "Ich bin sehr, sehr stolz darauf, was diese Mannschaft geleistet hat. Das darf man nicht vergessen. Wir haben 36 Punkte und bekommen heute keinen abgezogen und haben gegen die beste Mannschaft Deutschlands verloren", sagte Hasenhüttl.

Wohin der Weg seiner Mannschaft nun führe in dieser Saison, wurde er noch gefragt. Schließlich hatte der allmächtige Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz vor dem Spiel alle Zurückhaltung aufgegeben und im Gespräch der Schweizer Zeitung "Blick" die Ansprüche leicht nach oben korrigiert: "Wir wissen ja, dass vier die Champions League und zwei die Europa League erreichen - das ist das Minimalziel."

Allzu direkt mochte Hasenhüttl darauf nicht eingehen: Erst einmal heiße es durchzupusten. "Und dann kommt die Rückrunde, die bestimmt nicht einfacher wird. Aber bis jetzt haben wir es sehr genossen." Er könne versprechen, dass seine Leipziger wieder versuchen werden, möglichst viele Punkte zu holen. "Schaun mer mal." Im Grunde aber war dieser Abend eine einzige Enttäuschung.

Quelle: n-tv.de