Fußball

Mysteröser Abgang in Gladbach Favre schlägt der Borussia ins Gesicht

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Und tschüss: Lucien Favre.

(Foto: imago/Eibner)

Und plötzlich ist er weg. Lucien Favre denkt, er sei nicht perfekt - und tritt als Trainer der Mönchengladbacher Borussia zurück. Das ist grundsätzlich sein gutes Recht. Doch die Art und Weise seines Abgangs ist ein Affront.

Was soll der Quatsch? Da rettet ein Trainer eine Mannschaft vor dem Abstieg aus der Bundesliga. Er bringt ihr in viereinhalb Jahren das Fußballspielen bei. Er führt sie erst in die Europaliga und schließlich in der vergangenen Spielzeit, erstmals in der Vereinsgeschichte, in die Champions League - und dann tritt er zurück, weil er mit der Mönchengladbacher Borussia die ersten fünf Ligaspiele und eine Partie in der europäischen Königsklasse verloren hat. Was soll das, Lucien Favre?

Die Antwort ist denkbar schlicht: Das geht uns nichts an. Wenn er glaubt, nicht mehr der Richtige für seinen Verein zu sein, dann soll er halt gehen. Das ist sein gutes Recht, so mysteriös seine freiwillige Demission auch erscheinen mag. Er selbst hat das damit begründet, er habe das Gefühl, "nicht mehr der perfekte Trainer" für die Elf vom Niederrhein zu sein - eine Diktion, die seit dem Rückzug von Jürgen Klopp bei der Namenscousine aus Dortmund auf guten Weg ist, zur Standardformulierung zu werden. Und sie wirft die Frage auf: Was ist im Profifußball schon perfekt? Die Verbindung zwischen Favre und dem Verein Borussia Mönchengladbach war es anscheinend nicht.

Die feine Art ist das nicht

Doch so legitim sein Rücktritt ist - so respektlos ist  die Art und Weise. Denn Favre hat die Öffentlichkeit hinter dem Rücken der Verantwortlichen informiert, nachdem diese erfolglos versucht hatten, ihn zum Bleiben zu bewegen. Damit hat er wie der Verein sichtlich konsterniert mitteilte, "Fakten geschaffen, die uns bis ins Mark treffen". In Zeiten einer veritablen sportlichen Krise hat der Trainer seine Mannschaft und den Verein brüskiert.

Besonders für Manager Max Eberl, der zusammen mit Favre viel zur Gladbacher Erfolgsgeschichte beigetragen und sich stets ohne jeden Vorbehalt hinter ihn gestellt hat, muss dies ein Schlag ins Gesicht sein. Nun stehen die Gladbacher, die bis Sonntag noch glaubten, dass "Lucien der perfekte Trainer für Borussia ist", ohne Übungsleiter da - zwei Tage vor dem Spiel gegen den FC Augsburg Mittwoch, fünf Tage vor der Partie beim bisher ebenfalls punktlosen VfB Stuttgart und neun Tage vor dem zweiten Spiel in der Champions League gegen Manchester City.

Lucien Favre ist zweifelsohne ein ganz hervorragender Fußballtrainer. Und freiwillig zu gehen, ist in den meisten Fällen besser, als an seinem Stuhl zu kleben und einfach weiter zu machen in der Hoffnung, dass es irgendwann schon besser wird. Doch mit seinem Alleingang hat Favre seine Spieler, den Verein und nicht zuletzt die Fans im Stich gelassen. Und ihnen keine Chance gegeben, sich auf die Zeit ohne ihn vorzubereiten. Die feine Art ist das nicht. Oder besser: Das ist ganz und gar nicht in Ordnung.

Quelle: ntv.de