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"Panama Papers" im Fußballsumpf Fifa-Chef Infantino schloss dubiose Verträge

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Fifa-Boss Gianni Infantino muss seine Verbindungen zu umstrittenen Sportrechtehändlern erklären.

(Foto: imago/Agencia EFE)

Als neuer Fifa-Präsident will Gianni Infantino den korruptionsgeplagte Fußball-Weltverband reformieren. Die "Panama Papers" zeigen: In seiner Zeit bei der Uefa schloss er Verträge mit einer Briefkastenfirma, die Beschuldigten im Fifa-Skandal gehört. Fehlverhalten bestreitet er.

Durch die sogenannten "Panama Papers" gerät offenbar auch der neue Fifa-Chef Gianni Infantino in Erklärungsnot. Die "Süddeutsche Zeitung" und der "Guardian" berichten, dass der 46-Jährige in seiner Zeit bei der Europäischen Fußball-Union Uefa Verträge mit einer Briefkastenfirma geschlossen hat. Dabei ging es um Fernsehrechte.

Infantino hat demnach als Direktor der Uefa-Rechtsabteilung Verträge mit einer Briefkastenfirma gezeichnet, deren Eigentümer zwei der heutigen Angeklagten im Fifa-Skandal waren. Die südamerikanischen TV-Rechtehändler Hugo und Mariano Jinkis erwarben durch diese Verträge Rechte an der Champions League und verkauften diese mit hohem Gewinn in Lateinamerika weiter.

Dementis von Infantino und Uefa

Infantino wies am Dienstagabend alle Vorwürfe zurück. "Ich bin bestürzt und werde nicht akzeptieren, dass meine Integrität von bestimmten Bereichen der Medien angezweifelt wird - zumal die Uefa bereits ausführlich alle Fakten in Bezug auf diese Verträge angegeben hat. Ich habe in dieser Angelegenheit gleich den Kontakt mit der Uefa gesucht, da ich nicht mehr für sie arbeite und sie alle Informationen zu diesen Verträgen hat", so der frühere Uefa-Generalsekretär. Infantino bestreitet, dass er persönlich in die Verhandlungen involviert war, "da die Ausschreibung von Team Marketing im Auftrag der Uefa durchgeführt wurde".

Die Uefa zeigte sich "bestürzt" über die Anschuldigungen und stellte aus ihrer Sicht klar, dass es keine verwerflichen Verträge gegeben habe. Dies hätten alle Überprüfungen der Vorgänge ergeben. Umso mehr sei der Verband über die aktuelle Berichterstattung verwundert.

In den vergangenen Monaten hat die SZ nach eigenen Angaben dazu mehrere schriftliche Anfragen an Infantino geschickt. Sprecher des Fußball-Weltverbandes erklärten, Infantino "persönlich" habe in seiner Zeit bei der Uefa mit den beiden TV-Rechtehändlern und deren Firma weder "geschäftlich" noch "wissentlich anderweitig zu tun gehabt".

Auch die Uefa leugnete die Verbindung zunächst. Vor wenigen Tagen räumte der Verband ein: Der fragliche Vertrag trage Infantinos Unterschrift.

Verdacht auf Fifa-Bestechung

Die Vertragspartner sind nach Informationen des "Züricher Tages-Anzeigers" in den Dokumenten eindeutig benannt: auf der einen Seite eine Offshorefirma namens Cross Trading, angesiedelt auf der winzigen Koralleninsel Niue im Südpazifik. Auf der anderen Seite die Union des Associations Européennes de Football, abgekürzt Uefa, mit Sitz in Nyon. Drei Namen stehen auf einer Seite, die im Herbst 2006 für die Unterschriften angelegt wurde: zwei Uefa-Funktionäre und Hugo Jinkis. Er unterzeichnete für die Cross Trading. Der argentinische Sportrechtehändler Jinkis gehört mit seinem Sohn Mariano zu den Hauptbeschuldigten im amerikanischen Fifa-Verfahren.

Die USA hatten im Mai vergangenen Jahres sieben Fifa-Funktionäre im Luxushotel Baur au Lac in Zürich verhaften lassen. Auch die Jinkis saßen danach in Übersee vorübergehend in Haft. Die US-Ermittler werfen ihnen vor, über die Firma Cross Trading hochrangige Fifa- und andere Fußballfunktionäre bestochen zu haben, um günstig an Fernsehrechte zu kommen - die sie dann mit Aufschlag verkaufen konnten. So sollen von den Jinkis und anderen Sportrechtehändlern um die 110 Millionen Dollar Bestechungsgelder bezahlt worden sein.

Quelle: n-tv.de, cwo/sid

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