Fußball

Risiko und offene Fragen Geisterspiele? Virologe "rät dringend ab"

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Auch Fußball in leeren Stadien soll gefährlich sein, fürchtet ein Virologe.

(Foto: imago images/osnapix)

Die Bundesligaklubs freuen sich auf eine schnelle Wiederaufnahme des Spielbetriebs und halten sich für gut gerüstet. Eine Schwachstelle im detaillierten Konzept der DFL sorgt aber für Zweifel an der Sicherheit des Plans. Der ist aber alternativlos.

Die 36 Klubs der 1. und 2. Fußball-Bundesliga halten sich für gerüstet für die schnelle Wiederaufnahme des Spielbetriebs, auch verschiedene sendungsbewusste Ministerpräsidenten sind sich sicher, dass in den Stadien bald wieder der Ball rollen wird - wenn auch pandemiebedingt vor leeren Rängen. Dafür hatte die Deutsche Fußball-Liga ein Konzept erarbeitet, in dem kleinteiligst der Ablauf eines Spieltages geregelt ist. Eine entscheidende Leerstelle des Plans: Es ist nicht endgültig geklärt, was passiert, sollte ein Spieler infiziert sein.

Der Leipziger Virologe Professor Uwe G. Liebert sieht die geplante Wiederaufnahme des Spielbetriebs auch deshalb kritisch. "Wir wissen zum einen noch nichts über die Langzeitfolgen einer Erkrankung mit Covid-19", sagte der Leiter des Instituts für Virologie an der Universität Leipzig der "Mitteldeutschen Zeitung". Er verwies auf einen 31-jährigen Verstorbenen, der zu keiner Risikogruppe zählte und keine Vorerkrankungen hatte. "Es ist möglich, auch in jungen Jahren an dem Virus schwer zu erkranken oder zu sterben", sagte Liebert.

Wer muss in Quarantäne?

Die Spieler sollen während der Saison nach dem Plan der DFL engmaschig auf das Coronavirus getestet werden, mindestens einmal pro Woche. Dafür rechnet die Liga mit einem Bedarf von rund 20.000 Tests. Für Liebert führt das nicht zur größtmöglichen Sicherheit. "Eine Infektion kann man erst nach 48 Stunden Minimum nachweisen", erklärte er. Auch die geplanten Maßnahmen zur gezielten Quarantäne, falls ein Spieler angesteckt wurde, hält er für nicht durchsetzbar. "Aus meiner Sicht sind alle mit einem Fußballer in Kontakt stehenden Menschen Kontakte ersten Grades", weil sie den Richtlinien des Robert Koch-Instituts entsprechend mehr als 15-minütigen nahen Kontakt haben. "Daher müssten alle in Quarantäne, möglicherweise auch das gegnerische Team."

Der für das Konzept zur Wiederaufnahme des Bundesliga-Betriebs verantwortliche Professor Tim Meyer sagte, falls eine Mannschaft wegen eines Corona-Ausbruchs in eine zweiwöchige Quarantäne gezwungen werde, werde es "sicherlich eng" mit dem Spielplan.

Virologe Liebert plädiert deshalb dafür, die Rückkehr-Pläne auf Eis zu legen und abzuwarten, wie sich die Infektionsdynamik nach der Lockerung der Kontaktsperre-Maßnahmen entwickelt. "Vorher rate ich dringend davon ab, in irgendeine Offensive zu gehen", sagte Liebert.

Laschet rechnet mit schnellem Restart

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet rechnet dagegen mit einer Zustimmung der zuständigen Behörde. Im Bundesarbeitsministerium werde das Konzept der DFL für einen Spielbetrieb ohne Zuschauer bewertet, sagte der CDU-Politiker in der ARD-Sendung "Anne Will" am Sonntagabend. "Die werden uns einen Vorschlag machen. Ich gehe davon aus, was ich so bisher höre, dass die Kriterien erfüllt sind", fügte Laschet hinzu.

Er habe eine Wiederaufnahme der Bundesliga gemeinsam mit Bayerns Ministerpräsident Markus Söder vorgeschlagen, "weil uns das Konzept überzeugt hat". Laschet und Söder hatten in der Vorwoche von einem möglichen Spielbeginn am 9. Mai gesprochen. Das Robert-Koch-Institut hatte sich zuletzt kritisch gegenüber einem Bundesliga-Spielbetrieb gezeigt. Laschet sagte in der ARD, zuständig für die Bewertung sei aber das Bundesarbeitsministerium.

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil hatte in der "Bild am Sonntag" von konstruktiven Gesprächen mit der DFL auf der Suche nach "praktikablen Lösungen" gesprochen. Heil verwies darauf, dass Profi-Fußballer und Vereinsmitarbeiter auch Arbeitnehmer seien: "Deshalb gilt auch für sie der Arbeitsschutz." Die Vorstellungen der DFL "bedürfen daher einer genauen Prüfung". Die Bewertung der Experten dürfte eine Grundlage für die Entscheidung der Politik über eine Freigabe des Spielbetriebs sein. Sein Ministerium sei bei der Frage eines Neustarts der Liga allein für die Bewertung des Arbeitsschutzes zuständig, betonte Heil.

Es geht "um die Rettung des Fußballs"

Hans-Joachim Watzke, Geschäftsführer von Borussia Dortmund, versicherte, im Konzept der DFL stecke das alles Machbare drin: "Mehr geht nicht", sagte er. "Wenn man unser Konzept jetzt ablehnt, wird sich auch in acht Wochen daran nichts ändern", so der BVB-Boss: "Wir haben ein Maximum an Sicherheit entwickelt. Dass wir Zweikämpfe machen müssen, ist halt so. Auch wenn der Friseur aufmacht, gibt es Körperkontakt. Er kann es mit Maske abfedern. Wir federn es ab, indem wir unsere Spieler bestmöglich isolieren und Dauer-Tests machen." Sowieso laufe ein möglicher Wiederbeginn unter Bewährung. "Wir machen keine Exzesse, das ist doch klar." Es gehe aber nicht um eine Kleinigkeit für die Liga. "Es geht ja hier um die Rettung des Fußballs", sagte Watzke.

Das nächste Gespräch von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Ministerpräsidenten über den Kampf gegen die Corona-Pandemie ist für Donnerstag geplant. Offen ist, ob dann auch über die Bundesliga entschieden wird. Söder hatte aber schon klar gemacht: "Sollten Spieler positiv getestet werden, kommt der Spielbetrieb wieder zum Erliegen."

Quelle: ntv.de, ter/dpa