Fußball

Bruchlandung in Lissabon Groteske Kaderplanung zerlegt BVB in Europa

imago1008224946h.jpg

Auch Pongracic (v.r.) enttäuschte erneut.

(Foto: imago images/Eibner)

Borussia Dortmund wird in der Champions League gewogen und für zu leicht befunden. Bei der Pleite gegen Sporting Lissabon offenbart der BVB viele Defizite. Es wird deutlich: Der Kader ist wenig ausgewogen, kann den Ausfall von Leistungsträgern nicht kompensieren.

Wer sich ein bisschen eingehender mit dem Sporting Clube de Portugal beschäftigt, kann erstaunliche Details lernen. Zum Beispiel, dass der Verein weltweit der einzige ist, der mit Luis Figo und Cristiano Ronaldo gleich zwei Akteure ausgebildet hat, die von der Fifa als Spieler des Jahres ausgezeichnet wurden. Zudem markierte der 23-malige portugiesische Meister in der Saison 1963/1964 beim 16:1 gegen Apoel Nikosia den höchsten Sieg der Europapokal-Geschichte und hatte in Fernando Peyroteo in den 30er- und 40er-Jahren einen Wunderstürmer, der in 332 Spielen 540 Tore erzielte, was einer märchenhaften Quote von 1,6 Tore pro Spiel entspricht.

Natürlich spielt das in der Jetzt-Zeit keine Rolle mehr, doch auch in der Gegenwart gibt es für Sporting gute Gründe, auf das Erreichte stolz zu sein. Zum Beispiel, dass der Traditionsklub in der Champions League die Gruppenphase überstanden hat und damit im Geldvermehrungs-Wettbewerb mindestens 20 Millionen Euro an zusätzlichen Einnahmen verbuchen darf.

Dieses Geld hätten sie in Zeiten der Pandemie, in dem alle Profiklubs mit empfindlichen Einbußen leben müssen, auch liebend gern bei Borussia Dortmund eingestrichen. Doch das börsennotierte Fußballunternehmen ist in der eigentlich machbaren Gruppe C gewogen und für zu leicht befunden worden. Das 1:3 in Lissabon offenbarte schonungslos, dass es dieser Mannschaft an vielem mangelt, was nötig ist, um sich in der Königsklasse zu behaupten.

Schlimme Patzer, überflüssige Karten

Der Abstieg in die Europa League ist nach einer durch und durch fehlerhaften Leistung folgerichtig, hernach mochte Trainer Marco Rose die Dinge gar nicht erst beschönigen: "Wir haben zu einfache Gegentore bekommen, der Gegner war in den entscheidenden Situationen konsequenter und kompromissloser." Diese Aussage wiederholte Rose mehrmals, was den Umkehrschluss zulässt, dass seine Mannschaft in puncto Konsequenz und Kompromisslosigkeit deutliche Defizite offenbart.

Dortmunds Abwehrchef Manuel Akanji kann seinem Chef da ohne Wenn und Aber folgen: "Du musst gegen einen solchen Gegner einfach aggressiver spielen", bemängelte der Schweizer Nationalspieler: "Das war zu wenig." Rose beobachte, dass es "zu einfach ist, gegen uns Tore zu machen", und Kapitän Marco Reus ergänzte: "Wir diskutieren immer wieder über die gleichen Fehler, die wir machen." In Lissabon durfte sich zum Beispiel Nico Schulz angesprochen fühlen, dem vor dem 0:1 ein schlimmer Patzer unterlief. Oder der eingewechselte Emre Can, dessen Rote Karte ebenso dämlich wie überflüssig war, sowie der wieder genesene Manndecker Dan-Axel Zagadou, der ins Spiel kam und kurz darauf einen Foulelfmeter verursachte.

Trotz solch ärgerlicher Patzer mochte Rose nicht den Stab über sein Personal brechen. "Grundsätzlich bin ich Teil der Mannschaft", betonte der gebürtige Leipziger, der auch die vielen Ausfälle von wichtigen Leistungsträgern nicht als Alibi heranziehen mochte: "Mein Gott, dann ist das halt so. Unser Kader ist groß genug."

"Beschissener Abend"

Eine solche Sichtweise ehrt den Trainer, de facto geht sie jedoch an der Realität vorbei. Der BVB ist nicht einmal ansatzweise in der Lage, den Ausfall von wichtigen Spielern wie Erling Haaland, Mats Hummels und Raphael Guerreiro zu kompensieren. De facto - so die Lehren aus dem Herbst des Jahres 2021 - ist dieser Kader wenig ausgewogen zusammengestellt. In Lissabon waren mit Schulz, Can, Zagadou, dem unsichtbaren Reinier, Marin Pongracic und Steffen Tigges gleich sechs Dortmunder auf dem Rasen, die zumindest an diesem Abend nicht einmal in die Nähe eines Niveaus kamen, das nötig ist, um in der Champions League gehobene Ansprüche formulieren zu können.

Während es in der Liga und im nationalen Pokalwettbewerb für die Borussia nach Plan läuft, ist der Flurschaden, den das frühzeitige Aus in der Königsklasse hinterlässt, immens. Für Rose war die Nacht von Lissabon "mehr als bitter. Es war unser klares Ziel, in der Champions League zu überwintern." Die Wortwahl von Reus fiel noch deutlich drastischer aus. Der Nationalspieler sprach von einem "beschissenen Abend. Wir sind raus, fahren mit leeren Händen nach Hause und das tut weh."

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.