Fußball

Ein Pate wie Vito Corleone Sepp Blatter bleibt die "heilige Kuh"

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Ist was? Sepp Blatter wird wohl auch den nächsten Skandal bei der Fifa überstehen und Präsident des Weltverbands bleiben.

(Foto: dpa)

Hochrangige Funktionäre der Fifa werden festgenommen. Es geht um Schmiergeld und Korruption. Die Fußball-Weltverband macht trotz des Skandals "business as usual" und Präsident Blatter freut sich auf seine wohl unvermeidliche Wiederwahl am Freitag. Eine Frechheit!

In einem Interview mit dem britischen Sender BBC nannte sich Fifa-Präsident Joseph Blatter vor wenigen Wochen selbst wörtlich "Godfather". War das bereits eine selbstironische Anspielung auf den nun offenbar gewordenen Skandal beim Fußball-Weltverband? "The Godfather", der Pate. Boss einer kriminellen Gruppe. Der Vito Corleone aus Zürich. Nein, so viel Ironie ist dem 79-Jährigen wahrlich nicht zuzutrauen. Doch am 27. Mai 2015 wirken die Worte des Schweizers gegenüber der BBC so ehrlich wie nie zuvor.

Die Fifa ist in Teilen eine kriminelle Vereinigung und Joseph Blatter ist ihr Chef. Dass seine Stellvertreter - zwei von ihnen wurden jetzt festgenommen - von Schmiergeldern in dreistelliger Millionenhöhe profitieren konnten, ohne dass der "Godfather" etwas davon wusste, ist schwer zu glauben. Auch wenn die Beweise für eine Verstrickung des Patriarchen fehlen: Dass Blatter auch nach den Festnahmen und Durchsuchungen in der Fifa-Zentrale noch ganz "entspannt" sei, so Mediendirektor Walter de Gregorio, und sich am Freitag vermutlich zum fünften Mal in Folge zum Chef des Weltfußballverbands wählen lässt, treibt einem die Zornesröte ins Gesicht.

Natürlich fehlen die Beweise für eine direkte Mittäterschaft des Fifa-Chefs. Denn Blatter ist alles andere als ein naiver Mensch. Er ist besessen von Macht und die definiert er über seinen Fifa-Posten. Für noch mehr Geld wird der Einkommensmillionär diesen kaum riskieren, er könnte sich auch einfach sein Gehalt erhöhen. Blatter ist ein Mann für die schönen Bilder. Für Fußball-Entwicklungshilfe in Asien und Afrika, für Weltmeisterschaften, für strahlende Fotos mit den Mächtigen aus Sport und Politik, für absurde Kinofilme - ein Sonnenkönig. Der Pate eines mächtigen Wirtschaftsimperiums, das offiziell als Verein gilt. Im Jahr 2013 machte die Fifa 4,8 Milliarden Euro Umsatz. Sie ist damit der mächtigste Sportverband der Welt, aber sie ist auch einer der korruptesten. Beides ist ein Verdienst des Schweizers. Um es mal mit einem Bild zu veranschaulichen: Blatter steht auf dem Siegertreppchen ganz oben. Egal, wie ihn seine Mannschaft zum Erfolg getragen hat? Hauptsache, die Goldmedaille hängt um seinen Hals und er kann sich feiern lassen und sich in der Nähe von Wirtschaft und Politik aufhalten, die ihn kritiklos hofieren.

Gerade das macht ihn zum Mittäter. Laut "Transparency International" ist Korruption bereits der Missbrauch anvertrauter Macht zum privaten Nutzen oder Vorteil. Und gerade hier kann sich Blatter wohl kaum mehr in der Opferrolle verstecken. Wer die Fifa einen Korruptionsstadl nennt, muss auch anerkennen: Es ist Blatters Fifa. Denn muss ein Chef nicht wissen, was seine Mannschaft spielt? Natürlich muss er das wissen. Sonst wäre er kein starker Mann. Und dass er gerade diese Position bei der Fifa vollkommen uneingeschränkt für sich beansprucht, lässt er kaum aus zu betonen. Ein Beispiel: Der Schweizer Zeitung "20 Minuten" sagte Blatter vor der anstehenden Wahl, warum er zu einer erneuten Kandidatur nichts sage: "Ich bin der Präsident, ich bin kein Kandidat und darum möchte ich nicht über die Wahl sprechen."

So spricht nur einer, der keine Zweifel hat. Keine Zweifel an sich. Keine Zweifel daran, alles im Griff zu haben. Keine Zweifel an den Arbeitsmethoden seiner Organisation. Und so lässt Blatter seinen obersten Medienabgesandten bei einer eilig einberufenen Pressekonferenz am Mittwochmorgen verkünden: "Der Präsident ist nicht involviert." Und weiter: "Er bleibt Präsident, wenn die Mitglieder ihn wählen wollen." Keine Zweifel. Natürlich nicht. Und um die Position Blatters gegenüber den Journalisten und der Öffentlichkeit im Moment des neuen Korruptionsskandals weiter zu stärken, steht derzeit auch weder die Austragung der WM in Russland 2018 zur Diskussion noch die der Winter-WM 2022 im Wüstenemirat Katar. Natürlich nicht. Warum auch, der Präsident ist ja nicht involviert. Er ist der Pate, die Hände macht er sich nicht schmutzig.

Quelle: n-tv.de

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