Fußball

Wie geht's weiter bei Hertha? Jürgen Klinsmann hat endgültig verloren

Bevor sich die Verantwortlichen von Hertha BSC zu den skurrilen Umständen des Rückzugs von Trainer Jürgen Klinsmann äußern, richtet sich der 55-Jährige an die Öffentlichkeit. Er lobt sich, er entschuldigt sich (ein bisschen) und er legt seine Zukunft beim Klub in fremde Hände.

Niemand soll Jürgen Klinsmann vorwerfen, dass er nicht reflektiert. Die Art seines Abgangs als Trainer von Hertha BSC, so gestand er am Mittwochabend, sei fragwürdig gewesen. Und auch kritikwürdig. Er hätte sich mehr Zeit nehmen sollen. Er hätte mehr reden sollen. Mit der Hertha-Führung nämlich. Ja, das fand er. Es ist der wohl letzte Konsens, den er mit dem Klub erzielen kann. Aber nun ist es halt so gekommen, wie es gekommen ist. Er sei nun mal so. Und an seiner Entscheidung zweifle er auch nicht.

Mit seinem 13-minütigen, teilweise emotionalen Monolog, eine gebündelte Reaktion auf Fan-Fragen und Kritik der Medien, via Facebook - es war ja auch das Medium der Wahl für seine Rücktrittsverkündung - bemühte sich Klinsmann ein letztes Mal um Deutungshoheit. Bevor heute um 11.30 Uhr die verprellten Bosse des Berliner Fußball-Bundesligisten zu einer Medienrunde einladen.

Und natürlich steht über dieser Runde nur eine Frage: Geht es für Klinsmann bei der Hertha weiter? Und wenn ja, wie? Vorstellbar ist eine Zukunft des 55-Jährigen beim Klub eigentlich nicht mehr. Zu viel hat er in seiner elfwöchigen Zeit als Trainer mit seinen großen Visionen zerschlagen. Innerhalb der Mannschaft, innerhalb des Umfelds. Er sprach von fehlendem Vertrauen für seine Arbeit.

Die wollte er offenbar massiv mit zusätzlichen Kompetenzen - und einer längeren Laufzeit - aufrüsten. Angesiedelt irgendwo zwischen Team-Manager und technischem Direktor. Alleinverantwortlich für den sportlichen Bereich, lediglich dem Klub-Chef verantwortlich. Es ist ein Modell, das im englischen Fußball verbreitet, im deutschen Fußball nicht vorgesehen ist. Dieses Gerangel um Verantwortung mit Sport-Geschäftsführer Michael Preetz sei ihm "unglaublich aufgestoßen".

Wie glaubwürdig ist Klinsmann noch?

Nur einer könne nämlich entscheiden - und das ist in Klinsmanns Kosmos eben Klinsmann. Zumindest wenn Klinsmann der Trainer ist. Das ist er nun aber nicht mehr. Aber was ist er dann? Niemand weiß es. In seinem Rücktrittsschreiben hatte er angekündigt, sich wieder auf seine "ursprüngliche, langfristig angelegte Aufgabe als Aufsichtsratsmitglied zurückzuziehen". Aber wie glaubwürdig ist er noch? Über dieses Amt würde er nämlich jene Leute kontrollieren, denen er mangelndes Vertrauen vorwirft.

Als Freund oder Vertrauter - wobei es sich laut "Süddeutscher Zeitung" dabei um eine durchaus kuriose Verbindung handeln soll, eine eher flüchtige Bank-Bekannschaft nämlich - von Investor Lars Windhorst wäre Klinsmann weiter in einer mächtigen Position. Zumal der Unternehmer selbst keine Ahnung von Fußball hat und mit seiner Investition Geld verdienen will. Klinsmann dient ihm als sportlicher Berater.

Oder diente? Klinsmanns Aktion - ob nur gereift (Klinsmann) oder spontan (Rest der Welt) soll Windhorst wenig gefallen haben. Wie der "Spiegel" am Mittwochabend berichtete, ist der Investor so verstimmt, das Aus von Klinsmann bei der Hertha sei sogar schon beschlossene Sache. Klinsmann hatte den Weg zu seinem endgültigen Abgang bei den Berlinern in seinem Facebook-Monolog bereits geebnet. "Das ist allen überlassen bei der Hertha, da habe ich gar kein Problem damit. Da sollen die Leute sagen, wie sie es wünschen."

Noch weilt Klinsmann in der "Nähe von Berlin", an einem geheimen Ort. Niemand soll ihm vorwerfen, er habe sich einfach aus dem Staub gemacht.

Quelle: ntv.de