Fußball

Fußballklubs pokern um Millionen Kampf ums TV-Geld entzweit Bundesliga

Die TV-Rechte der Bundesliga sind Milliarden wert. Die Verhandlung über den neuen TV-Vertrag und den dazugehörigen Verteilungsschlüssel sorgen gerade für einen Machtkampf unter den Vereinen.

Die TV-Rechte der Bundesliga sind Milliarden wert. Die Verhandlung über den neuen TV-Vertrag und den dazugehörigen Verteilungsschlüssel sorgen gerade für einen Machtkampf unter den Vereinen.

(Foto: imago/MIS)

Hinter den Kulissen der Fußball-Bundesliga beginnt der Verteilungskampf. Die nächste Versteigerung der TV-Rechte steht im Mai 2020 bevor. Die Bayern hoffen auf Milliarden von Amazon und Co., der Mittelstand will ebenfalls profitieren. Das sind mögliche Szenarien.

Im Mai 2020 wird es spannend für die Fußball-Bundesliga. Dann nämlich werden die TV-Rechte ab dem Jahr 2021 vergeben. Das Ergebnis dieser Verhandlungen dürfte maßgeblich über die Zukunft der deutschen Eliteklasse entscheiden.

Der Poker um die TV-Milliarden beeinflusste auch die Wahl des neuen DFL-Präsidiums Mitte August. Dort gelang den kleineren und mittleren Traditionsklubs aus der 1. und 2. Bundesliga ein kleiner Coup. Als "Team Mittelstand" schlossen sich unter anderem Werder Bremen, Eintracht Frankfurt, der Hamburger SV und der VfB Stuttgart zusammen, um ein Gegengewicht zu den Branchen-Riesen FC Bayern München und Borussia Dortmund zu bilden. Sie sorgten dafür, dass nur FCB-Finanzchef Jan-Christian Dreesen dem Gremium angehört, aber kein BVB-Vertreter mehr. Münchens Vorstandchef Karl-Heinz Rummenigge war wenig begeistert: "Das geht uns natürlich auf die Nerven." Knapp die Hälfte der Teams aus beiden Ligen soll diesem Team Mittelstand angehören, eine offizielle Mitgliederliste gibt es nicht.

Axel Hellmann von Eintracht Frankfurt soll zu den Köpfen des Team Mittelstand gehören.

Axel Hellmann von Eintracht Frankfurt soll zu den Köpfen des Team Mittelstand gehören.

(Foto: picture alliance/dpa)

Auslöser der Spaltung sind zwei unterschiedliche Ideen über die Zukunft der Bundesliga. Die Spitzenteams aus München und Dortmund haben Sorge um ihre Konkurrenzfähigkeit in Europa. Dafür müssen sie sich ebenso gegen die Klubs aus der finanzstarken englischen Premier League behaupten wie gegen die spanischen Spitzenteams aus Barcelona und Madrid. Dem Team Mittelstand hingegen ist an einer ausgeglichenen Bundesliga gelegen, in der es auch mal Überraschungsmeister gibt wie zuletzt 2009 den VfL Wolfsburg. Dafür fordern sie einen größeren Anteil an den Fernsehgeldern.

Erster Knackpunkt: Der Verteiler-Schlüssel

Momentan werden die Erlöse aus dem nationalen Markt zu 98 Prozent nach dem Leistungsprinzip vergeben, davon 70 Prozent auf Basis der Erfolge der vorherigen fünf Jahre. Die restlichen zwei Prozent werden nach Einsatzzeiten junger Spieler aus dem eigenen Nachwuchs vergeben. Das wollen die Traditionsklubs ändern: Sie argumentieren, dass es ebenso auf die Fangemeinde, Zuschauerzahlen im Stadion und Einschaltquoten vor dem Fernseher ankäme. Bereits 2016 versuchten sie deshalb, diese "weichen Faktoren" hinzuzunehmen. Durchsetzen konnten sie sich nicht.

Zusätzlich setzt sich der Mittelstand dafür ein, den Abstand zwischen Spitze und Tabellenkeller zu verringern und die zweite Liga stärker an den Erlösen zu beteiligen. Durch die derzeitige Staffelung erhält der Erstligameister mehr als doppelt so viel wie die Aufsteiger und etwa sechs- bis zehnmal mehr als die Zweitligisten. Außerdem profitieren die international vertretenen Klubs von den TV-Geldern der Uefa, von denen sie nur 25 Prozent an den Rest der Liga weitergeben. Über die Jahre ist so eine große Lücke zwischen den international spielenden Mannschaften und dem Rest der Liga entstanden.

Welche Vorstellungen die Klubs haben, dazu wollte sich auf Nachfrage von n-tv.de niemand äußern. Zumindest nicht, bevor sich das neue DFL-Präsidium am 23. September erstmals trifft.

Zweiter Knackpunkt: Mehr Geld aus dem nationalen Markt?

Aus der Vermarktung ihrer nationalen Übertragungsrechte erhält die Bundesliga derzeit etwa 1,2 Milliarden Euro pro Jahr. Kein Vergleich zur Premier League, die fast vier Milliarden erlöst. So erhält ein englischer Absteiger beinahe doppelt so viel Geld aus den TV-Rechten wie der deutsche Meister. Der nationale TV-Markt scheint jedoch ausgereizt. Es ist nicht zu erwarten, dass Sky oder Dazn im kommenden Mai für einen Quantensprung bei den Einnahmen sorgen werden. Bayerns Noch-Präsident Uli Hoeneß setzt auf neue Mitbewerber: "Vielleicht kommen eines Tages auch Amazon, Apple, Comcast, Disney, Google oder Netflix dazu. Wenn die den Fußball für sich entdecken, dann könnten wir Dimensionen erreichen, die wir uns heute noch gar nicht vorstellen können. Da spielt eine halbe Milliarde, eine Milliarde keine Rolle."

Hoffen auf Geld von Tech-Giganten: Bayerns Bosse Uli Hoeneß (mitte), Karl-Heinz Rummenigge (rechts) und Finanzvorstand Jan-Christian Dreesen.

Hoffen auf Geld von Tech-Giganten: Bayerns Bosse Uli Hoeneß (mitte), Karl-Heinz Rummenigge (rechts) und Finanzvorstand Jan-Christian Dreesen.

(Foto: imago images / Laci Perenyi)

Bisher bleibt das Wunschdenken, die Premier League hat erst vergangenes Jahr ihre Rechte erneut ausgeschrieben. Angebote globaler Streaming-Giganten sind nicht bekannt.

Dritter Knackpunkt: Die Einnahmen aus der internationalen Vermarktung

Der Wachstumsmarkt sind die internationalen Vermarktungsrechte. Hier verdient die Bundesliga jährlich 280 Millionen Euro. Peanuts im internationalen Vergleich. Bei der internationalen Vermarktung zeigen sich die Differenzen zwischen Bundesliga-Spitze und -Mittelstand ganz deutlich. Die Topklubs erschließen den internationalen Markt systematisch, eröffnen Auslandsbüros, schließen Werbeverträge mit Unternehmen aus aller Welt. Sie sind es auch, deren Spiele im Ausland geschaut werden. Die Partie Bayern gegen Dortmund wurde zuletzt in 205 Länder übertragen, bis zu 900 Millionen Menschen sahen zu. Die großen Klubs könnten also deutlich mehr verdienen, sollten sie ihre Rechte international selber vertreiben. Bisher haben sie sich aber immer zur Zentralvermarktung im Sinne einer starken Bundesliga bekannt.

Sogar ein Werbevideo existiert schon für den Bundesliga-Pass.

Sogar ein Werbevideo existiert schon für den Bundesliga-Pass.

Um weltweit mehr Fans zu erreichen, hat die DFL eine Tochterfirma gegründet. Die "DFL International" sei ab der nächsten Saison in der Lage, die TV-Übertragung und Vermarktung außerhalb Deutschlands zu übernehmen, sagt DFL-Präsident Christian Seifert. Mit dem "Bundesliga-Pass" sollen alle Partien der ersten und zweiten Liga live zu sehen sein. Ähnliche Angebote bieten die US-amerikanischen Profiligen schon länger an. Seifert möchte den Bundesliga-Pass als Angebot an die Medienpartner verstanden wissen, es ist aber ebenso eine Drohung: Wenn uns das Angebot nicht passt, übernehmen wir das selbst.

Wohin entwickelt sich die Bundesliga denn nun?

Steht vor spannenden Zeiten als DFL-Chef: Christian Seifert

Steht vor spannenden Zeiten als DFL-Chef: Christian Seifert.

(Foto: imago images / Contrast)

Denkbar sind drei Szenarien:

  • Die Revolution: Die Bundesliga wählt das Umverteilungsprinzip. Ähnlich wie es amerikanische Profiligen mit ihren Draft-Picks halten, würden dann die Teams aus dem unteren Tabellendrittel mehr Geld bekommen als die erfolgreichen Teams. Das sorgt für ausgeglichene Verhältnisse und Spannung, würde aber zugleich eine mögliche europäische Superliga für die Top-Teams attraktiv machen.
  • Die Gleichstellung: Alle Vereine erhalten die gleiche Summe.
  • Das wahrscheinliche Szenario: Das Leistungsprinzip bleibt. Das Team Mittelstand hat seine Verhandlungsposition gestärkt und bewiesen, dass es innerhalb der DFL etwas zu sagen hat. Die Traditionsklubs haben mit ihren Forderungen nach weichen Faktoren deutlich bessere Erfolgsaussichten. Und wahrscheinlich werden auch die Abstände zwischen den Anteilen kleiner werden, die zweite Liga ein etwas größeres Stück vom Kuchen bekommen.

Wohin es für die Bundesliga geht? Das bleibt wohl bis Mai 2020 offen. Erste Anhaltspunkte dürfte aber der 23. September liefern, wenn sich das neue DFL-Präsidium erstmals trifft. Dann beginnt der Poker um die Zukunft der Bundesliga.

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Quelle: n-tv.de