Fußball

Verharmlosung oder "krank"? Katar entzweit die Fußball-Lager extrem

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Die Stadien sind imposant. Die Art, wie sie erbaut wurden, empörend.

(Foto: IMAGO/Schüler)

Die einen - etwa FIFA-Präsident Infantino - freuen sich auf die "beste WM aller Zeiten". Ex-Oranje-Coach de Boer nennt die Aufregung um die vielen toten Arbeiter "Blödsinn". Doch dann gibt es noch die anderen, die die Vergabe nach Katar "lächerlich" und "krank" finden.

Was ab 21. November in Katar passiert, vermag niemand jetzt vorherzusagen. Es wird Fußball bei der Weltmeisterschaft gespielt, das ja. Klar ist, dass es viele Gründe für Kritik gibt, seit der Vergabe Ende 2010 wird an ihr nicht gespart. Fehlende Menschenrechte, moderne Sklaverei, Tausende tote Arbeiter etwa. Die Diskussion um das Turnier befindet sich daher schon jetzt fast auf dem Siedepunkt. Die Lager entzweien sich immer weiter.

"Es ist krank, die Weltmeisterschaft nach Katar zu vergeben", sagte Ex-Profi und Trainer Ewald Lienen dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. Er bat zwar darum, nicht nur den Sport, sondern auch die Politik und die Wirtschaft in die Pflicht zu nehmen, doch seine Haltung ist klar. "Es werden Millionen und Abermillionen in Stadien investiert, die später vergammeln. Die Einnahmen kommen der FIFA und den internationalen Konzernen zugute. Großereignisse sollten in Länder gehen, um sie damit zu unterstützen."

Louis van Gaal teilt diese Meinung, der FIFA gehe es nicht um die Entwicklung des Fußballs - das sei "Bullshit", hatte er vergangene Woche gesagt. Vielmehr sei Geld der Antrieb. "Ich finde es lächerlich, dass wir in einem Land spielen werden, um - wie die FIFA sagt - den Fußball dort zu entwickeln, in dem man dort ein Turnier austrägt", kritisierte der Coach der niederländischen Nationalmannschaft die Vergabe und kassierte den Ärger von WM-Organisationschef Hassan al-Thawadi: "Für jemanden, der seit so vielen Jahren Trainer ist und die Kraft des Fußballs versteht, ist es lächerlich, ein derart nichtssagendes Statement abzugeben."

"Wirklich völliger Blödsinn"

Die Aussagen von van Gaals Vorgänger im Amt, Ronald de Boer, dürfte ihm bedeutend mehr gefallen haben. Dieser sorgt mit Aussagen über gestorbene ausländische Arbeiter im WM-Gastgeberland Katar für Aufregung. "Da steht ein Wort gegen das andere. Es wird alles in einen Topf geworfen. Von der Lehrerin über die Reinigungskraft bis hin zum Bauarbeiter. Das ist der Stoff, aus dem diese Zahlen gemacht sind", sagte der 51-Jährige, der im Juni 2021 vom Organisationskomitee zum WM-Botschafter gekürt worden war, während einer Sendung des niederländischen Senders RTL. Laut "Guardian" sind im vergangenen Jahrzehnt mehr als 6500 Arbeiter aus Südostasien auf den Baustellen in Katar gestorben.

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"Das ist wirklich völliger Blödsinn. Sie haben alle Menschen aus diesen zehn Jahren in einen Topf geworfen. Das wird den Menschen nicht gerecht", sagte der Niederländer. "Es sterben Menschen. Egal wie traurig. Aber sie geben einem das Gefühl, dass die Leute von der Hitze des Stadions erschlagen werden." Die Regierung Katars verwies dabei darauf, dass die Sterberate angesichts von mehr als 1,4 Millionen Menschen aus der Region im Land im zu erwartenden Bereich liege.

Die Regierung verweist zudem immer wieder auf zahlreiche Reformen - insbesondere bei den Arbeitnehmerrechten. Verstöße gegen die neuen Gesetze würden rigoros verfolgt, heißt es aus dem Emirat. Menschenrechtsorganisationen aber betonen immer wieder, dass sich an der Realität trotz der Gesetze nicht viel getan habe. "Ausbeuterische Praktiken" und die "schlimmsten Elemente" des Kafala-Systems bestünden, hieß es von Amnesty International jüngst.

Quelle: ntv.de, ara/sid/dpa

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