Fußball

6 Dinge, gelernt am 30. Spieltag Klinsmann sucht den FC Bayern heim

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Auch da war schon alles klar: Die Spieler des FC Bayern feiern am frühen Samstagabend ihr Tor gegen die Berliner Hertha.

(Foto: imago/DeFodi)

War das die langweiligste Meisterkür aller Zeiten? Am 30. Spieltag interessiert das nicht einmal die Spieler des FC Bayern. Zum Glück erwachen die Toten im Keller. Und Jürgen Klopp schmiert sich Kriegsbemalung ins Gesicht.

1. Ehrlich gähnt am Längsten

Es war spannend bis zur letzten Sekunde. Kein einziger Bayern-Fan saß mehr, der Trainer verteidigte mit, Berlin startete den letzten Angriff. Doch vergebens, riesengroßer Jubel brandete auf, als der Erfolg feststand - zum ersten Mal in dieser Saison hatten die Basketballer des FC Bayern München an diesem Sonntagabend gegen den großen Rivalen Alba Berlin gewonnen. Keine halbe Stunde später gab Edelfan Matthias Sammer vor dem Audi Dome den Kollegen von "Sky" ein Interview. Thema: Der 25. Titel der Fußballabteilung des Klubs.

Es wurde eine Couchmeisterschaft - der FC Bayern München erledigte seine Pflichtaufgabe gegen die Berliner Hertha ohne große Aufregung mit 1:0, der Tabellenzweite aus Wolfsburg verlor 0:1 in Gladbach. Am Sonntagabend um 19.20 Uhr war der Titel perfekt. Doch einige Bayern hatten sich nicht einmal aufs Sofa bequemt, um zu schauen, ob sie denn wirklich schon Meister sind. Philipp Lahm beschied, er habe Besseres zu tun. Trainer Josep Guardiola wollte lieber den BVB auf DVD studieren. Und Sammer setzte sich wie David Alaba in den Audi Dome und guckte Basketball.

Andere Teams hätten vielleicht einen Mannschaftsabend angesetzt und ein, zwei Jever Fun auf den Titel getrunken. Nicht so die Bayern. Sportvorstand Sammer musste sich denn auch bei "Sky" fragen lassen, ob die Meisterschaft nicht so wichtig sei. "Es ist der wichtigste und der ehrlichste Titel. So etwas trägt man im Herzen." Komisch nur, dass er dabei klang, als würde er gerade die Details der Abwasserabgabenreform in Unterhaching referieren. Apropos ehrlich, Thomas Müller sagte nach dem Spiel gegen die Hertha das hier: "Das ist ein bisschen schade, weil die Meisterschaft, für die man sich das ganze Jahr den Arsch aufgerissen hat, gerade in den Hintergrund rückt. Aber so isses halt."

2. Gladbach spielt zu Recht Champions League

Ein Unentschieden hätte auch gereicht, aber dank seines späten 1:0 gegen Wolfsburg darf sich Gladbachs Max Kruse nun Meistermacher nennen - seine Versorgung mit Bratwürstchen dürfte lebenslang gesichert sein. Ganz nebenbei mit dem sechsten Führungstreffer der Saison bewiesen, wie wichtig er für sein Team ist. Dank des achten Heimsiegs in Folge haben die Fohlen nun den vierten Platz sicher. Und dank der ungeliebten Kölner haben sie auch im Duell um Platz Drei mit Leverkusen die Nase vorn. Bayer lieferte in der Domstadt ein "Kackspiel" (Stefan Kießling), ging aber trotzdem in Führung. Doch der FC, schon zuvor mit den besseren Chancen, erzwang noch den Ausgleich, der 20-jährige Bard Finne schoss in seinem neunten Bundesligaspiel sein erstes Tor. Leverkusens Trainer Roger Schmidt, nach dem Hinspiel noch in Pöbellaune ("Ich könnte so nicht spielen."), zeigte sich nach der Partie kleinlaut: "Wir waren heute nicht besser als dieser Punkt, also akzeptieren wir das so und freuen uns."

3. Klopp ist scharf auf den letzten großen Coup

Jürgen Klinsmanns Buddha-Statuen sind wieder aufgetaucht. Und sie haben Matthias Sammer und Karl-Heinz Rummenigge erleuchtet. Es kann nicht anders sein, wie sonst erklärt sich der Gedanke der Bayern-Bosse, ausgerechnet Jürgen Klopp am Dienstag vor dem Halbfinale im DFB-Pokal, wenn der FC Bayern (ab 20.30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) gegen Borussia Dortmund spielt, mit einem Blumenstrauß zu ehren? "Umarme deinen Feind" heißt es doch in der buddhistischen Lehre - oder sind Sammer und Rummenigge am Ende gar nicht konvertiert und wollen Klopp einfach nur einlullen?

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Großes Ding? Jürgen Klopp und Marco Reus.

(Foto: imago/Revierfoto)

Der scheidende BVB-Trainer zumindest hat einen Hinterhalt gewittert, er verzichtet auf die Blumen, lieber ist ihm ein Sieg im DFB-Pokalhalbfinale. "Es ist eine sehr nette Geste", sagte Klopp. "Aber wir sind am Dienstag auf Krawall gebürstet und wollen uns nicht mit Blumen weichkochen lassen." Das riecht stark nach "The Expendables 3": Ein letztes Mal alle Mann zusammentrommeln und losziehen, den Bösen eins überbraten. Dabei dürfte Klopp bis auf Roman Weidenfeller und wohl auch Ilkay Gündogan seine wichtigsten Männer an Bord haben. Beim unspektakulären, aber hochverdienten 2:0 gegen Frankfurt konnte er Marco Reus lange schonen - und registrierte noch einiges mehr, was ihm Mut für Dienstag machte: "Ich habe heute sehr viele Jungs in guter Verfassung gesehen." Für eine wirklich gelungene Saison ist es zu spät - aber nicht für ein letztes großes Ding.

4. In Hamburg brennt wieder Licht

Und es ist nicht die Rote Laterne. Die hat der HSV doch tatsächlich abgegeben, was an sich schon bemerkenswert genug erscheint. Wie bemerkenswert genau der 3:2-Erfolg über den FC Augsburg war, zeigen einige Fakten:

- Gestern vor fünf Jahren entließ der HSV seinen Trainer. Sein Name: Bruno Labbadia.

- Dieser Bruno Labbadia ging am Samstag in das erste Heimspiel seiner zweiten Amtszeit in Hamburg. Zum bislang letzten Mal stand er im Volkspark am 22. April 2010 an der Linie: Im Halbfinale in der Europa League gegen den FC Fulham.

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Trendwende in Hamburg? Bruno Labbadia.

(Foto: imago/Revierfoto)

- Vor dem Spiel am Samstag hatte der HSV neun Spiele lang nicht gewonnen.

- Mit dem 1:0 gelang den Hamburgern der erste Treffer seit 695 Minuten. Für den Torschützen Ivica Olic war es das erste Tor nach 1064 Minuten und das erste seit seiner Rückkehr zum HSV.

- Das 2:0 war das erste Kopfballtor der Saison für die Hamburger, und der erste Treffer für Pierre-Michel Lasogga nach 882 Minuten.

Was sagt man nach einem Spiel, in dem so viel von einer Mannschaft abfällt, Heiko Westermann? "Die Totgesagten haben gezeigt, dass sie noch leben."

5. Hannover darf nicht auf ein Schneckenrennen hoffen

Wenn der Dino sich schon aufrafft, nochmal richtig mitzumischen im Abstiegskampf, wollen sich die anderen Kellerkinder auch nicht lumpen lassen. Der SC Paderborn ging am Sonntag zum ersten Mal in dieser Saison als Tabellenletzter in ein Spiel - und überrumpelte Bremen mit zügigem Angriffsfußball. Vierzehn Ecken spielte sich der sonst oft so pomadige SCP heraus, mehr schaffte noch kein Team in dieser Saison. Allein, es sprangen nur zwei Tore heraus, das reichte am Ende nicht, Bremen kam noch zum Ausgleich.

Ähnlich erging es dem VfB Stuttgart. Die Schwaben spielten den SC Freiburg teilweise an die Wand, gingen 2:0 in Führung – und was passierte dann, Huub Stevens? "Ich bin fassungslos, wenn man so ein Spiel noch aus der Hand gibt." Angeblich hat der Niederländer schon in der überragenden ersten Hälfte seines Teams gemerkt, dass es einbrechen wird. "Ich habe es geahnt und habe gewarnt, habe aber gegen eine Wand geredet." Nur so eine Bemerkung von uns, nicht persönlich gemeint, Herr Stevens, aber: Wenn die Kabinenansprache so kryptisch war wie dieses Interview, wundert uns die zweite Halbzeit gar nicht.

Stevens Kollege Christian Streich suchte die Schuld für die Anfangsschwierigkeiten des Sportclubs bei sich: "Ich habe es nicht verstanden, der Mannschaft Zutrauen, Ruhe und Aggressivität zu geben. Ich muss mit mir in Klausur gehen." Er hat genau eine Woche Zeit, dann steht das nächste Endspiel an – gegen Paderborn. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass der Abstiegskampf um einiges spannender wird als in der vergangenen Saison, als sich das Keller-Trio ein historisches Schneckenrennen lieferte. Stuttgart reichten damals 32 Punkte für Platz 15, weil die letzten drei in den letzten vier Spielen keinen einzigen Punkt mehr machten. So einfach wird es nicht für Hannover 96 - das allerdings trotz der unglücklichen 1:2-Niederlage gegen Hoffenheim Hoffnung aus einer guten Leistung schöpfte. Der Abstiegskampf, das Meisterrennen des kleinen Mannes.

6. Marienfeld ist das neue Malente

Was macht eigentlich Timo Hildebrand gerade? Nun, er macht sich Gedanken über seinen alten Arbeitgeber Schalke 04. Auf seiner Facebookseite schrieb er: "Ich frage mich oft, wie unterschiedlich doch Trainer beurteilt werden. Der eine (Jens Keller) spielt die beste Rückrunde aller Zeiten. Der andere (di Matteo) die schlechteste seit 15 Jahren." Stimmt soweit. Aber weiter im Text: "Keller wurde bei jeder Kleinigkeit kritisiert. Di Matteo steht überhaupt nicht in der Diskussion. Wieso?" So genau wissen wir das auch nicht. Aber nur so ein Gedanke am Rande: Wenn Roberto di Matteo früh scheitern würde, wäre er wohl der letzte Trainer, der von Sportdirektor Horst Heldt eingestellt wurde. Eben jener Horst Heldt flüchtete nach dem ernüchternden 0:2 in Mainz am Freitag nach vorn. Er suchte die Nähe zu den Anhängern, die ihre Spieler nach dem Spiel gnadenlos auspfiffen und als "Scheiß Millionäre" beschimpften. "Ich verstehe die Fans", sagte Heldt. Und als hätte er am Stammtisch zugehört, folgte eine gepfefferte Strafe: "Es gibt diese Woche kein trainingsfrei." Stattdessen muss das Team ins Kloster Marienfeld. Okay, ins nahe Vier-Sterne-Hotel Klosterpforte in Harsewinkel, die Zeiten der muffigen Sportschulen sind ja vorbei. Obwohl so eine Pritsche unter dem Hintern der Schalker genau das Richtige sein könnte, Bequemlichkeit scheint ein Teil des Problems zu sein - meint jedenfalls Kapitän Benedikt Höwedes: "Wir müssen endlich den Arsch hochkriegen."

Quelle: ntv.de

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