Fußball

Frankfurt in der Krise Kuriose Tore führen Leverkusen an Spitze

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Leverkusen-Stürmer Patrick Schick jubelt über seinen Treffer zum 3:1

(Foto: imago images/Jan Huebner)

Bayer Leverkusen und der SC Freiburg meistern ihre schweren Auswärts-Aufgaben souverän. Jung-Nationalspieler Florian Wirtz trifft für Bayer. Europa-League-Teilnehmer Eintracht Frankfurt stürzt nach einem 1:1 in Bielefeld in die Krise. Mainz und Köln gewinnen.

VfB Stuttgart - SC Freiburg 2:3 (2:3)

Der SC Freiburg hat das packende Prestigeduell gegen den VfB Stuttgart gewonnen und seine ausgezeichnete Frühform in der Fußball-Bundesliga bestätigt. Die Mannschaft von Trainer-Urgestein Christian Streich setzte sich in einem furiosen baden-württembergischen Derby beim VfB mit 3:2 (3:2) durch. Nach dem überraschenden 2:1 gegen Borussia Dortmund in der Vorwoche spielen die Breisgauer mit sieben Punkten aus drei Spielen ganz oben mit.

Ein Blitz-Doppelpack von Woo-Yeong Jeong (3./9.) sowie ein Kopfballtreffer von Lucas Höler (28.) hatten die Freiburger vor den Augen von Bundestrainer Hansi Flick scheinbar komfortabel in Führung gebracht. Doch ein Kraftakt der Schwaben kurz vor der Pause machte die Begegnung noch einmal spannend: Konstantinos Mavropanos (45.), trotz eines Handspiels im Vorfeld, und Hamadi Al Ghaddioui (45.+2) verkürzten für den VfB. Für die in der Offensive noch immer deutlich ersatzgeschwächten Stuttgarter, denen der Ausgleich im zweiten Durchgang nicht mehr gelingen wollte, war es die zweite Niederlage in Folge.

Streich hatte in seiner Startformation eine Änderung vornehmen müssen, Lukas Kübler ersetzte Jonathan Schmid, der sich als Kontaktperson in Corona-Quarantäne befindet. VfB-Trainer Pellegrino Matarazzo schickte derweil die gleiche Elf aufs Feld, die auch beim 0:4 bei RB Leipzig begonnen hatte.

Diese Herangehensweise schien sich anfangs zu rächen. Während die Stuttgarter mit Fehlpässen und verlorenen Zweikämpfen überhaupt keinen Zugriff fanden, schlugen die Freiburger eiskalt zu. Erst traf Jeong mit einem platzierten Kopfball, dann erhöhte der 21-Jährige mit einem wuchtigen Dropkick unter die Latte nach einem Eckball. Für den Südkoreaner war es der erste Bundesliga-Doppelpack seiner Karriere. Nach einer knappen halben Stunde krönten die Gäste ihren Traumstart - erneut nach einer Flanke: Höler köpfte aus kurzer Distanz ein, VfB-Torhüter Florian Müller, im Sommer erst von Freiburg nach Stuttgart gewechselt, war machtlos.

Als die Begegnung schon entschieden schien, schöpften die Gastgeber angefeuert von einem Großteil der 25.000 Fans wieder Hoffnung. In einer Druckphase stürmte Mavropanos in die Offensive und vollendete freistehend vor Torhüter Mark Flekken. Ein Handspiel im Vorfeld ahndeten Schiedsrichter Frank Willenborg (Osnabrück) und Videoassistent Daniel Schlager nicht. Kurz darauf verkürzte Al Ghaddioui per Kopf und brachte die Arena damit zum Beben. VfB-Sportdirektor Sven Mislintat klatschte alle seine Schützlinge vor dem Gang in die Kabine ab. Streich wechselte zur Pause dreimal, der VfB nahm aber trotzdem den Rückenwind in die zweite Spielhälfte mit.

Doch der schnelle Ausgleich wollte nicht gelingen. Nach einer Stunde gelang es den Freiburgern, die Partie aus einer kompakten Defensive heraus wieder zu kontrollieren. Roland Sallai hatte den Matchball für die Gäste (73.) auf dem Fuß.

FC Köln - VfL Bochum 2:1 (0:0)

Der 1. FC Köln hat dank einer starken Mannschaftsleistung bereits den zweiten Saisonsieg in der Fußball-Bundesliga eingefahren. Das Team von Trainer Steffen Baumgart gewann gegen Aufsteiger VfL Bochum verdient mit 2:1 (0:0). Während die Kölner sich nun mit sechs Punkten in der oberen Tabellenhälfte festsetzen, bleiben die Bochumer bei drei Punkten.

Der vier Minuten zuvor eingewechselte Österreicher Louis Schaub (82.) erzielte das 1:0 für Köln. Der ebenfalls als Joker (71.) gebrachte 19-jährige Tim Lemperle (90.+1) machte alles klar. Der Ex-Kölner Simon Zoller (90.+4) traf zum Anschlusstor. Erstmals seit März 2020 waren unter den 25.000 erlaubten Zuschauern, die fast alle geimpft oder genesen sein mussten, auch wieder Gästefans im RheinEnergie-Stadion zugelassen. Baumgart änderte sein Team gegenüber der 2:3-Niederlage bei Bayern München vergangenen Sonntag auf drei Positionen. Für Marc Uth (Rückenprobleme), Jan Thielmann (Infekt) und Kingsley Ehizibue (Bank) begannen Ondrej Duda, Sebastian Andersson und Benno Schmitz.

Die Kölner übernahmen auch direkt nach Anpfiff die Kontrolle und versuchten, die tief stehenden Bochumer vor allem über die Außen unter Druck zu setzen. Bereits in der vierten Spielminute hatten die Hausherren die große Chance zur Führung. Anthony Modeste scheiterte allerdings mit seinem Schuss aus kurzer Distanz am Pfosten. Auch in der Folge versuchte es der FC, der in einem Sondertrikot als Dank für die Unterstützung durch seine Fans auflief, weiter über die rechte Seite. Nach 15 Minuten zappelte der Ball das erste Mal im Netz, doch Dejan Ljubicics Treffer wurde nach Videobeweis wegen Handspiels aberkannt. Duda (33.) und Ellyes Skhiri (41.) hatten weitere Möglichkeiten zur Führung.

Der VfL Bochum brauchte lange, um in die Partie zu finden. Erst nach über einer halben Stunde kamen die Gäste erstmals in Tornähe, ohne jedoch zu einem nennenswerten Abschluss zu gelangen (34.). Die erste Chance im zweiten Durchgang hatten dann aber die Bochumer. Sebastian Polters Kopfball landete jedoch auf dem Tornetz (51.). Trotzdem blieben die Kölner, die griffiger in den Zweikämpfen waren, spielbestimmend, fanden jedoch nur selten eine Lücke in der kompakt stehenden Bochumer Hintermannschaft, wie durch Kaptiän Jonas Hector (68.) oder Modestes zweitem Pfostentreffer (73.).

Arminia Bielefeld - Eintracht Frankfurt 1:1 (0:1)

Eintracht Frankfurt kommt unter dem neuen Trainer Oliver Glasner weiter nicht in Tritt. Am 47. Geburtstag des Österreichers kam der Europa-League-Teilnehmer bei Arminia Bielefeld nach Führung über ein 1:1 (1:0) nicht hinaus und bleibt auch nach dem vierten Pflichtspiel der Saison ohne Sieg.

Neuzugang Jens Petter Hauge (22.) brachte die Hessen in Führung, die bei zwei Punkten stehen und noch viel Arbeit vor sich haben. Der fünf Minuten zuvor eingewechselte Patrick Wimmer (86.) rettete für die in der Schlussphase starke Arminia am dritten Spieltag das dritte Remis. Für Filip Kostic, der auf seinen Abgang drängt, der am Freitag gar das Abschlusstraining geschwänzt hatte und deswegen nicht im Frankfurter Kader stand, brachte Glasner den Japaner Daichi Kamada. Dieser wurde von seinen Mitspielern auf der Zehn oft gesucht, doch Kamadas Wendigkeit und Spielwitz kamen zunächst nicht zur Entfaltung: Mit dem Anpfiff setzte ein Wolkenbruch über der Alm ein, der Ball war kaum zu beherrschen.

Bielefeld wartete deswegen ab und stellte die Eintracht mit seiner kompakten Defensive eine ganze Weile vor Rätsel. Bis zur ersten herausgespielten Torchance mussten die 13.750 Zuschauer fast 22 Minuten lang warten, doch diese brachte gleich einen Treffer: Aus der Abwehr heraus kombinierten sich die Gäste zu schnell für die Arminia Richtung Tor. Kamada bediente den aufgerückten Rio-Weltmeister Erik Durm auf dem rechten Flügel, der fand in der Mitte den vom AC Mailand ausgeliehenen Hauge. Aus sieben Metern hatte der freistehende Norweger leichtes Spiel.

Mit der ersten Führung der Saison im Rücken trat die Eintracht nun selbstsicherer auf. Der neue Mittelstürmer Rafael Borre (25., 37.) vergab zwei gute Gelegenheiten, die Führung auszubauen. Bielefeld trat offensiv erst kurz vor der Pause durch Vereinsikone Fabian Klos (42.) und Sturmpartner Florian Krüger (43., 45.+1) zaghaft in Erscheinung. Bei einer Frankfurter Gelegenheit durch Hauge in der 55. Minute kollidierten Bielefelds Schlussmann Stefan Ortega und DSC-Verteidiger Jacob Laursen mit den Köpfen. Der dänische Abwehrspieler wurde auf einer Trage und mit Halskrause abtransportiert.

Das Spiel plätscherte in der Folge dahin, förmlich aus dem Nichts traf in Robin Hack ein weiterer Arminia-Zugang aus spitzem Winkel den Pfosten (67.). Von den Fans angetrieben, war Bielefeld nun spürbar im Aufwind. Erneut Hack verpasste knapp zweimal den Ausgleich (77./79.) - und dann schlug Wimmer zu.

FC Augsburg - Bayer Leverkusen 1:4 (1:2)

Bayer Leverkusen hat dank der gütigen Mithilfe seines Lieblingsgegners seine Ambitionen in der Fußball-Bundesliga untermauert. Die Mannschaft von Trainer Gerardo Seoane gewann beim FC Augsburg verdient mit 4:1 (2:1), profitierte beim zweiten Saisonsieg aber hauptsächlich von zwei Eigentoren innerhalb von elf Minuten.

Die Augsburger setzten damit ihre Horrorserie gegen Bayer fort: In bislang 21 Ligaduellen gelang noch kein Sieg, dafür gab es nun schon die 14. Niederlage. Leverkusen hat durch den ersten Auswärtssieg seit März nach drei Spielen nun bereits sieben Punkte auf dem Konto, der FCA steht nach der zweiten Heimpleite schon mit dem Rücken zur Wand. Die Werkself ging bereits in der 3. Minute durch ein spektakuläres Eigentor von Iago in Führung. Der Verteidiger lupfte den Ball bei einer Rettungsaktion über seinen Torwart Rafal Gikiewicz hinweg ins Netz. In der 14. Minute fälschte Florian Niederlechner einen Schuss von Kerem Demirbay unhaltbar ab.

In der 30. Minute traf Niederlechner dann ins richtige Tor, er war dabei seinerseits Nutznießer eines schlimmen Aussetzers von Mitchel Bakker. Es war das erste Saisontor für das Team von Markus Weinzierl. Patrik Schick sorgte schließlich für die Entscheidung (75.) ehe Florian Wirtz (81.) nach einem Patzer von Gikiewicz den Schlusspunkt setzte. Der FCA hatte zielstrebig begonnen. Bereits nach 16 Sekunden musste Charles Aranguiz in höchster Not gegen Andre Hahn klären. Für die Werkself war es ein Weckruf, sie übernahm das Kommando und ging dank Iagos Blackout auch schnell in Führung.

Kurz darauf hatte Bayer Glück, dass Schiedsrichter Benjamin Brand bei einer Attacke von Bakker an Hahn nicht auf Strafstoß entschied. Ansonsten hatten die Gäste alles im Griff. Erst ein Patzer von Bakker brachte den FCA, der auf Kapitän Jeffrey Gouweleeuw, Jan Moravek und kurzfristig auch auf Arne Maier verzichten musste, ins Spiel zurück. Augsburg glich die spielerische Unterlegenheit mit Einsatz aus. Daniel Caligiuri (54.) und Niederlechner (61.) verpassten knapp das 2:2 - Schick entschied das Spiel dann nach einem sehenswerten Konter.

FSV Mainz 05 - SpVgg Greuther Fürth 3:0 (2:0)

Der Fehlstart der SpVgg Greuther Fürth in ihr zweites Bundesliga-Abenteuer nimmt immer deutlichere Züge an, auch beim Lieblingsgegner FSV Mainz 05 hat der Aufsteiger den ersten Saisonsieg verpasst. Das Team von Trainer Stefan Leitl verlor nach einer über weite Strecken fahrigen Vorstellung verdient 0:3 (0:2) und hat nach drei Spieltagen erst einen Punkt vorzuweisen. Dazu kommt das Erstrunden-Aus im DFB-Pokal.

In seiner ersten Bundesliga-Spielzeit 2012/13 hatte das Kleeblatt in Mainz noch den ersten Dreier geholt. Die Rheinhessen feierten durch Anderson Lucoqui (15.) mit seinem ersten Bundesligator, Adam Szalai (18.) und Kevin Stöger (90.+2) hingegen den zweiten Saisonsieg. Der FSV beendete eine schwarze Serie von fünf Heimniederlagen in Serie gegen Fürth.

Trainer Stefan Leitl setzte vor 11.500 Zuschauern auf die gleiche Startelf, die am vergangen Samstag bei Arminia Bielefeld (1:1) gepunktet hatte. Der am Mittwoch verpflichtete niederländische Ex-Nationalspieler Jetro Willems nahm auf der Bank Platz. In einer intensiv geführten Partie hatten aber die Gastgeber direkt Vorteile und kombinierten ansehnlich, ließen beim letzten Pass die Genauigkeit vermissen. Nach einer Viertelstunde spielte Mainz dann Startelfdebütant Lucoqui am Strafraum frei, der nach einer ersten Rettungstat durch Sascha Burchert zur Führung traf. Das Tor zeigte Wirkung, Fürth ließ zu viele Räume, und Szalai bestrafte dies umgehend.

Mainz nahm in der Folge etwas Tempo raus, nutzen konnten die Gäste dies nicht - ganz im Gegenteil: Mit teils haarsträubenden Abspielfehlern lud Fürth die 05er immer wieder zu gefährlichen Gegenstößen ein. Mainz hätte zur Pause noch höher führen müssen, Szalai (38.), Lucoqui (41.) und Dominik Kohr (45.+2) nach einer desaströsen Kopfballabwehr von Maximilian Bauer vergaben die besten Chancen. Auf der Gegenseite musste Robin Zentner nur bei einem abgefälschten Schuss von Dickson Abiama (38.) eingreifen.

Auch nach dem Seitenwechsel blieb Fürth unkonzentriert, Mainz war deutlich näher an einem weiteren Treffer. Nach einem Handspiel von Abiama vor der Linie nahm Schiedsrichter Tobias Reichel (Stuttgart) einen Elfmeter nach Videobeweis (49.) wegen Abseitsstellung von Moussa Niakhate zurück. Die Gastgeber drängten mit einer reifen Spielanlage auf die endgültige Entscheidung, Burchert rettete aber stark gegen Jonathan Burkardt (56.). Fürth fing sich erst in der Schlussphase, der eingewechselte Jamie Leweling brachte Schwung rein und zog nach einem Eckball knapp übers Tor (67.). Auch durch Paul Seguin (73.) wurde es aus der Distanz gefährlich.

Quelle: ntv.de, sue/sid

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