Fußball

So läuft's gegen den Weltmeister Löw erhöht den Druck, DFB-Elf muss liefern

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Guter Laune, aber mit dem nötigen Ernst bei der Sache: Joachim Löw.

(Foto: imago/DeFodi)

Das mit der Nations League ist nicht entscheidend. Für die deutschen Fußball-Nationalspieler geht es gegen Weltmeister Frankreich nach dem WM-Debakel darum, sich ein wenig zu rehabilitieren. Sie sollen "den Karren anschieben".

Worum geht's?

Für beide Mannschaften ist es das erste Spiel nach der Fußball-Weltmeisterschaft. Der Ausflug nach Russland war für die Franzosen ungleich erfolgreicher. Das Team von Didier Deschamps gewann den Titel. Die DFB-Elf hingegen schied als Titelverteidiger in der Vorrunde aus. Bundestrainer Joachim Löw sagt: "Sie sind völlig verdient Weltmeister geworden." Heute (ab 20.45 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) gelte es im mit seinen 67.485 Plätzen ausverkauften Stadion in München, den Gegner "unter Kontrolle zu halten und auch selber Akzente zu setzen". Zumal es um etwas geht. Die Uefa hat sich einen Wettbewerb ausgedacht, der Nations League heißt. Wie das mit den vier Ligen A bis D und den vier Gruppen in jeder Liga funktioniert, lesen Sie hier. Deutschland spielt mit Frankreich und den Niederlanden in der Gruppe 1 der Liga A. Belegt die DFB-Elf am Ende Platz drei, steigt sie in die Liga B ab, gewinnt sie ihre Gruppe, nimmt sie am Finalturnier mit den anderen drei Gruppensiegern teil. Löw sagt, ihm gefalle die Nations League: "Es ist ein Wettbewerb und das ist gut."

Wie ist die Ausgangslage?

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Das Team steht mächtig unter Druck.

(Foto: REUTERS)

Der Bundestrainer steht unter Druck. Die WM war eine historische Blamage, noch nie war eine deutsche Mannschaft bereits in der Gruppenphase gescheitert. Dabei war es doch das Ziel, den 2014 in Brasilien gewonnenen Titel erfolgreich zu verteidigen. Der sportliche Kollaps, der Rücktritt von Mittelfeldspieler Mesut Özil, die Diskussionen über Rassismus und eine Spaltung des Teams, das alles hat das einst so weltmeisterlich glänzende Renommee der DFB-Elf nachhaltig beschädigt. Nach dem Ausscheiden hatten Löw und DFB-Präsident Reinhard Grindel von "tiefgreifenden Veränderungen" gesprochen. Als der Trainer vor gut einer Woche seine so genannte WM-Analyse vorstellte, war davon nicht mehr die Rede. Er will es im Großen und Ganzen auch künftig mit dem Personal versuchen, das es in Russland verbockt hat. Das erhöht den ohnehin vorhandenen Druck noch einmal. Löw steht unter Beobachtung, das weiß er. "Mir ist bewusst, dass wir liefern müssen."

Wie ist das deutsche Team drauf?

Löw sagte am Tag vor dem Spiel auch: "Es liegt an der Mannschaft, die Stimmung anzuheizen und das Publikum hinter uns zu bringen. Es liegt an uns, dieses Feuer zu entfachen." An ihm solle es nicht liegen: "Ich habe mehr als 160 Spiele als Nationaltrainer gemacht, da werde ich jetzt von diesem Druck nicht aus der Bahn geworfen." Seit dem 16. August 2006 sind es genau 165. Aber was ändert sich denn nun? Der Bundestrainer hatte eingeräumt, bei der Weltmeisterschaft zu sehr auf die Offensive, zu sehr auf einen dominanten Ballbesitzfußball gesetzt zu haben. Das sei "fast schon arrogant" gewesen. Daher stehe nun "das Thema Defensive im Vordergrund". Was aber nicht heiße, dass seine Mannschaft jetzt völlig anders spielen werde. Das wäre kompletter Blödsinn, weil wir lange damit erfolgreich waren." Die Devise laute: "Wenn wir nach vorne spielen, dürfen wir uns nicht mehr völlig öffnen." Das bedeute zum Beispiel, dass die Außenverteidiger nicht stets bis auf die Höhe des gegnerischen Strafraums aufrücken. Das ist auch ein Hinweis an den Münchner Joshua Kimmich. Der räumte im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" das ein, was alle gesehen hatten: "Im Turnier hat das nicht gut funktioniert, das muss ich mir auch ankreiden. Da muss ich in den einzelnen Spielsituationen mehr die Balance finden, besser antizipieren und abwägen."

Wie stellt Löw die DFB-Elf auf?

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Die Franzosen haben beim Training jedenfalls mächtig Spaß.

(Foto: imago/PanoramiC)

Das hat der Bundestrainer nicht verraten, auch das hat sich nicht geändert. Es ist davon auszugehen, dass Löw gegen Frankreich auf die fünf Spieler setzt, die beim Titelgewinn 2014 zu den Stützen gehörten und dabei eventuell vom tradierten 4-2-3-1-System auf ein 4-3-3 umstellt. Allerdings hat Löw betont, defensive Stabilität sei nicht in erster Linie eine Frage des Systems, sondern hänge davon ab, dass alle Spieler Aufgaben in der Abwehr übernähmen. Manuel Neuer jedenfalls steht im Tor, Jérôme Boateng und Mats Hummels bilden die Innenverteidigung und Thomas Müller kommt auf der rechten Außenbahn zum Einsatz. Sie alle spielen beim FC Bayern. Hinzu kommt Toni Kroos von Real Madrid, der vor der Viererabwehrkette agiert und dort mutmaßlich von Ilkay Gündogan von Manchester City und dem Münchner Leon Goretzka unterstützt wird. "Es ist doch klar: Diese Spieler haben eine absolute Qualität. Und natürlich erwarte ich von ihnen, dass sie den Karren jetzt anschieben." Kimmich wird wieder den Posten als rechter Außenverteidiger bekommen. Da Jonas Hector vom 1. FC Köln nach Absprache mit Löw nun doch nicht dabei ist, könnte der Hoffenheimer Niko Schulz einspringen, der zum allerersten Mal dabei ist. Auch Thilo Kehrer von Paris Saint-Germain, ebenfalls ein Neuling, ist eine Option. Marco Reus von Borussia Dortmund dürfte auf der rechten Seite stürmen, in der Mitte Timo Werner von RB Leipzig.

Was macht der Weltmeister?

Trainer Deschamps wollte exakt wieder die Spieler einladen, die in Russland so erfolgreich waren. Doch Torhüter und Kapitän Hugo Lloris von Tottenham Hotspur und Ersatztorhüter Steve Mandanda von Olympique Marseille müssen mit Oberschenkelproblemen passen. Deshalb wird Alphonse Areola vom Paris Saint-Germain sein Debüt in der französischen Nationalmannschaft geben. Ansonsten wird die Équipe mit all ihren Stars auflaufen. Vielleicht haben auch deswegen 67.485 Menschen eine Karte für das Spiel gekauft. Schließlich sehen sie heute den Weltmeister, der gleichzeitig das größte Versprechen ist, das es in dieser Sportart gibt.

Die Innenverteidiger mit Raphaël Varane von Real Madrid und Samuel Umtiti vom FC Barcelona sind 25 und 24, die Außenverteidiger Benjamin Pavard vom VfB Stuttgart und Lucas Hernández von Atlético Madrid 22 Jahre alt. Im defensiven Mittelfeld spielen Paul Pogba von Manchester United und N'Golo Kanté vom FC Chelsea, 25 und 27 Jahre alt. Kylian Mbappé von Paris Saint-Germain auf der rechten Außenbahn ist mit 19 Jahren der Jüngste. Blaise Matuidi von Juventus Turin auf der linken Seite ist wie Mittelstürmer Olivier Giroud 31 Jahre alt, Atléticos Antoine Griezmann vier Jahre jünger.

Deschamps zeigte sich vor der Partie höflich wie stets, das WM-Debakel der Deutschen beurteilt er so: "Es ist nicht so, dass sie dort Favorit waren und jetzt auf einmal eine mittelmäßige Mannschaft sind. Wir nehmen dieses Spiel sehr ernst. Das ist aber keine Last, die wir mit uns herumtragen. Natürlich glauben wir nicht, dass wir einfach auf das Spielfeld gehen und alles wird locker gehen." Auch Kapitän Varane versprach, sein Team werde "ganz sicher nicht arrogant sein". Deutschland sei immer noch Deutschland, will meinen: "Immer noch eine große Mannschaft mit großen Spielern." In Wirklichkeit aber ist es so, wie Löw es gesagt hatte: "Also Favorit sind wir wahrscheinlich nicht gegen den Weltmeister, wir, die wir in der Vorrunde ausgeschieden sind."

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Quelle: n-tv.de

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