Fußball

Folgen aus dem Tapalovic-Abgang Es wird richtig eng für Bayern-Legende Manuel Neuer

382436465.jpg

Die gute alte Zeit: Neuer mit seinem Kumpel Tapalovic.

(Foto: picture alliance / Lackovic)

Was vor zwei Monaten niemand für möglich gehalten hat, wird in München langsam Realität. Eine der prägenden Figuren des deutschen Fußballs des vergangenen Jahrzehnts, Manuel Neuer, muss um seinen Platz im Tor der Bayern bangen. Mit Torwarttrainer Toni Tapalovic muss ein Vertrauter gehen.

Was bloß passiert wäre, hätte Neuer am 23. November 2022 in der 83. Minute des WM-Spiels gegen Japan die kurze Ecke dichtbekommen und so das 2:1 für den Außenseiter durch Takuma Asano verhindert? Deutschland wäre womöglich nie ausgeschieden und der 36-Jährige wäre nie auf die fatale Skitour in Bayern gegangen. "Wäre, wäre, Fahrradkette", sagte einst der große Fußball-Philosoph Lothar Matthäus und so ist es wohl. Was problematisch für Neuer ist, birgt für den FC Bayern München jedoch eine große Chance. Sie können den Übergang zur nächsten Torwart-Generation im Tor in der Allianz-Arena moderieren.

Denn: Das Ende der Ära Manuel Neuer ist am späten Montag-Abend ein Stück näher gerückt. Der Kapitän des FC Bayern München verlor da seinen Vertrauten, den Torwarttrainer Toni Tapalovic, und somit auch den Rest Zukunft, der ihm in seiner langen Karriere noch bleibt. Es wird immer wahrscheinlicher, dass Mitte Dezember oberhalb des Spitzingsees eine der größten Karrieren des deutschen Fußballs auf kuriose Art und Weise außer Kontrolle geriet. Der Unterschenkelbruch des DFB-Kapitäns hallt auch über einen Monat danach noch nach und löst an der Säbener Straße Schockwellen aus.

Mit dem Torwarttrainer muss nun einer gehen, der seit 2011 bei den Bayern arbeitete und Neuer nahestand, wie wohl sonst kaum einer. Beide verbindet eine lange, über den Fußball hinausgehende Freundschaft, die über die gemeinsamen elf Jahre bei den Bayern hinausreicht. Tapalovic war Trauzeuge des Nationaltorhüters und wohl das, was man im Ruhrgebiet, der Heimat beider, als Kumpel bezeichnen würde.

Nagelsmann interessiert die Vergangenheit nicht

Musste Tapalovic also gehen, weil Neuer bald gehen muss? Nun: Der Rausschmiss, so wird aus München berichtet, habe aber viel mehr mit einem Disput zwischen Tapalovic und dem aktuellen Trainer der Bayern, Julian Nagelsmann, zu tun. Was auch das Abschiedsposting des geschassten Torwarttrainers nahelegt. Der 42-jährige Kroate aus Gelsenkirchen bedankte sich "bei allen, die ich in den vergangenen Jahren kennenlernen und mit denen ich vertrauensvoll zusammenarbeiten durfte - großartige Trainer, super Spieler und vor allem tolle Menschen". Er postete Bilder mit den Bayern-Trainern, die über die Jahre kamen und gingen, mit Jupp Heynckes, mit Pep Guardiola, Carlo Ancelotti, Niko Kovac und Hansi Flick. Der beförderte ihn dereinst sogar zum Co-Trainer, so wichtig war Tapalovic. Einer aber fehlte: Nagelsmann. Dessen Aufgabe ist es nicht, die Vergangenheit zu verklären, sondern den Rekordmeister für die Zukunft aufzustellen.

Der 35-jährige Bayern-Trainer ist neben dem neuen CEO Oliver Kahn und dem in seiner Rolle prächtig agierenden Sportvorstand Hasan Salihamidžić das Gesicht einer neuen Zeit beim FC Bayern München. Die alten Recken um Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß stehen nur noch am Rande, kommentieren von dort das Geschehen. Sie sind Nostalgiker, die den ruhmreichen Rekordmeister auf die Erfolgsschiene gesetzt haben und medial nicht so richtig loslassen wollen. So auch in der Causa Neuer: "Bis vor ein paar Monaten war er für mich der beste Torwart der Welt und jetzt wird das alles infrage gestellt. Ich bin ziemlich sicher, dass all das, was gerade passiert, dazu führen wird, dass Manuel noch heftiger und heißer an seinem Comeback arbeitet", schimpfte der 71-jährige Hoeneß erst an diesem Wochenende im "Doppelpass". Es war, das zeigte der darauffolgende Tag, nicht viel mehr als das Schimpfen eines Mannes, der nicht mehr in einer Entscheiderposition sitzt.

Absturz des "Sweeper Keepers"

49862500.jpg

Das 2014er-WM-Achtelfinale gegen Algerien war das Spiel, in dem Manuel Neuer das Torwartspiel neu definierte.

(Foto: picture alliance / AP Photo)

Die Fakten liegen einigermaßen klar auf dem Tisch. Die Verletzung Neuers kam ohnehin zur Unzeit. Nach einer Hinserie, in der bereits Zweifel an der Leistung des Keepers laut wurden, nach einer Schulter-Verletzung vor der WM mit einem Comeback im letzten Moment vor der Abreise, wusste der DFB-Kapitän auch beim Turnier in Katar kaum zu überzeugen. In der "Kicker"-Rangliste fand er sich Ende Dezember plötzlich nur noch knapp in der "Internationalen Klasse" wieder, auf Platz 7. Hinter - in aufsteigender Reihenfolge - Mark Flekken, Koen Casteels, Marvin Schwäbe, Kevin Trapp, Yann Sommer und Gregor Kobel. Es war eine Einordnung am Rande einer Demütigung.

Die Zukunft Neuers, da konnte Hoeneß noch so laut schimpfen, war schon vor dem Abgang seines Kumpels Tapalovic ungewiss. Der vom "Kicker" dokumentierte Leistungsabfall und die fatale Skitour mit dem Unterschenkelbruch. Über die Schwere der Verletzung der DFB-Ikone gibt es weiterhin unterschiedliche Berichte. Niemand kann oder will genau sagen, wann es für den Erfinder des "Sweeper Keeper", des mitspielenden Torhüters, zurück auf den Platz geht und was ihn dort erwartet. Mit Yann Sommer hat der FC Bayern nach langem Kampf in der Wintertransferperiode einen der besten Bundesliga-Torhüter der letzten Jahre verpflichtet. Der Schweizer wird seinen Platz kaum kampflos aufgeben.

Der härteste Kampf seiner Karriere

Bis zum Jahr 2025 steht der erst in der vergangenen Woche für reichliche acht Millionen Euro verpflichtete Ex-Gladbacher unter Vertrag, mit dem leihweise zum AS Monaco abgeschobenen Alexander Nübel steht ein Nachfolger bereits in den Startblöcken. Seine Aussagen im "Aktuellen Sportstudio" hatten, wenn auch vielleicht nur mittelbar, den Abgang von Tapalovic beschleunigt. "In der Zeit, wo ich in Monaco bin, gab es nicht viel Kontakt. Davor hatten wir ein normales Verhältnis. Ich glaube schon, dass man ab und zu sich austauschen hätte können über die Situation", hatte der von Salihamidžić unter dem Versprechen auf Spielzeit nach Bayern gelockte und dann vom damaligen Trainer Flick ignorierte Keeper gesagt.

Mehr zum Thema

Schon bei dem Transfer im Januar 2020 hatte der Sportvorstand die Notwendigkeit gesehen, einen Nachfolger für Neuer aufzubauen. Doch der hatte daran kein Interesse. Er stemmte sich mit starken Leistungen gegen den, der auf ihn folgen sollte. Neuer spielt immer, sagte auch Hansi Flick, doch der ging nach furiosen 19 Monaten in München am Ende der Saison 2020/2021.

Was passiert nun beim FC Bayern - nach der Saison, wenn Neuer womöglich zurückdrängt, Nübel seine Chance ergreifen und Sommer seinen Platz verteidigen will? Geht Neuer schon dann? Kann er sich zurückkämpfen oder warten die Bayern ohnehin noch ein weiteres Jahr? Nicht unwahrscheinlich. Denn auch um Borussia Dortmunds Gregor Kobel ranken sich Transfergerüchte. Vor der Zukunft muss dem FC Bayern gewiss nicht bange sein. Auf den, der das Torwartspiel für immer veränderte, wird ein neuer überragender Keeper folgen. Mit dem Aus für Tapalovic stehen alle Zeichen auf Abschied. Schon oft ist Neuer von Verletzungen zurückgekommen, doch diesmal wird es der womöglich härteste Kampf seiner Karriere. Nichts spricht mehr für den Weltmeister von 2014. Was wohl passiert wäre, hätte Neuer den Ball gegen Asano gehalten.

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen