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Buli-Check: Eintracht Frankfurt Ohne "Büffelherde" in die Champions League

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Rebic (l.), Joic (M.) und Haller: Die Frankfurter "Büffelherde" verabschiedet sich.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die "Büffelherde" gibt's nicht mehr: Jovic weg, Haller weg, Rebic auf dem Sprung. Was bleibt, sind schöne Erinnerungen und volle Kassen. Die werden nun gezielt geleert, die Frankfurter Eintracht stellt sich breiter auf. Es fehlt nur noch ein Sturm-Knaller.

Hätte Sebastian Haller sein Tor im Europa-League-Halbfinale gegen Chelsea gemacht oder hätte Martin Hinteregger seinen Elfmeter verwandelt, dann hätte Eintracht Frankfurt das Finale in der Fußballprovinz in Baku gegen den FC Arsenal gewonnen und hätte sich als Europa-League-Gewinner für die Champions League qualifiziert. Dann wären Luka Jovic nicht zu Real Madrid und Sebastian Haller nicht zu West Ham United gewechselt und die Frankfurter Eintracht hätte um die deutsche Meisterschaft mitgespielt und in der Champions League den Part von Ajax Amsterdam in der Vorsaison übernommen. Aber wie sagte schon Loddar Maddäus: "Wäre, wäre, Fahrradkette."

Was gibt's Neues?

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SGE-Sportvorstand Bobic: Mal sehen, was der Transfermarkt noch so hergibt.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die "Büffelherde" vom Main gibt es nicht mehr: Jovic spielt bei Real Madrid, Haller auf der Insel und Rebic, der letzte Büffel, dürfte - wenn auch schweren Herzens - ebenso bald nicht mehr den Adler auf der Brust tragen. So lassen sich zumindest die Worte von SGE-Sportvorstand Fredi Bobic interpretieren: "Ich kann nicht in die Glaskugel schauen. Bis 2. September ist der Markt offen. Wir werden mal sehen, was jetzt passiert." Prognose: Rebic weg - Mijat Gacinovic auch. Während bei Sturmtank Rebic Spanien lockt, ist es beim Mittelfeldstrategen Italien.

So oder so, selbst wenn beide der Eintracht in dieser Saison noch erhalten bleiben - die Hoffnung stirbt zuletzt -, muss die SGE noch etwas Geld in die Hand nehmen. Zwei Kracher für den Sturm und/oder das offensive Mittelfeld müssen noch geholt werden. Mit Dejan Joveljic scheint ein Jovic-Nachfolger gefunden, aber wie bei Jovic könnte es auch bei Joveljic eine Saison dauern, bis der ganz große Knoten platzt. Auch wenn er in der EL-Quali bereits genetzt hat und auf einem guten Weg scheint. Schwieriger wird es da, für Haller einen gleichwertigen Ersatz zu finden.

Aber man erkennt schon, was sich zu den Vorjahren deutlich verbessert hat, bei dem Traditionsverein vom Main: die finanzielle Ausstattung. Jovic wechselte für kolportierte 70 Millionen Euro (20 Millionen davon gingen direkt an Benfica Lissabon) und Haller für vermutlich 50 Millionen Euro. Sie haben die Transferkassen gefüllt - und die SGE hat sich breiter aufgestellt: Mit Martin Hinteregger (elf Millionen), Kevin Trapp (sieben Millionen), Filip Kostic (sechs Millionen) und Sebastian Rode (vier Millionen) konnten alle überzeugenden Leihspieler der Vorsaison fest verpflichtet werden. Das hebt die Stimmung der Fans. Dazu kommen mit Erik Durm (ablösefrei), Djibril Sow (neun Millionen), Dominik Kohr (acht Millionen) sowie dem zurückgekehrten Japaner Daichi Kamada gleich vier Spieler, die für mehr Flexibilität und Überraschungsmomente sorgen können.

Auf wen kommt es an?

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Mit Trapp steht ein Siegertyp im Eintracht-Tor.

(Foto: picture alliance/dpa)

Der Teamgeist ist entscheidend. Wie in der Vorsaison muss sich jeder für jeden sprichwörtlich den Arsch aufreißen. Da der Kader zudem breiter aufgestellt ist, kommt es noch mehr auf das Händchen des Trainerteams um Adi Hütter an. Ihm spielt aber in die Karten, dass mit Trapp nicht nur einer der besten deutschen Keeper an den Main geholt wurde, sondern auch ein Leader, eine absolut ehrgeizige Führungsfigur, die mit einem Fünfjahresvertrag auch gleich ein Statement für die Fans parat hat. Trapp steht für Erfolg und Weiterentwicklung. Den Rang des Fan-Lieblings muss er sich aber mit Hinteregger teilen, der in der Vorsaison ob seiner bravourösen Leistungen bereits die "Hinti-Army" hinter sich wusste. Und auch mit "Seppl" Rode, der Mittelfeldkampfmaschine, der selbst dann noch nicht aufgegeben hat, wenn er blutend und verletzt vom Platz getragen wird.

Trainer Hütter muss es wieder gelingen, ein Team zu formen, eine Mannschaft mit perfekter Mischung aus erfahrenen und jungen, hungrigen Spielern. In der Abwehr dürfte das am ehesten funktionieren mit Hinteregger, David Abraham, und Makoto Hasebe auf der einen und Evan N'Dicka sowie Almamy Touré auf der anderen Seite.

Was fehlt?

Neben zwei Stürmern fehlt nur noch die Qualifikation für die Europa-League-Gruppenphase. Und da sollte sich die Uefa dringend einen neuen Modus überlegen. Es kann schlicht und einfach nicht sein, dass ein Halbfinalist des Vorjahres sich durch drei Runden, also insgesamt sechs Spiele zusätzlich erst wieder qualifizieren muss. Nichts gegen Tallinn, Vaduz und Plowdiw oder Straßburg - vor allem für Tallinn und Vaduz waren die Heimspiele gegen Frankfurt Jahrhundertspiele.

Aber als Halbfinalist der Vorsaison, der zudem nur durch Elfmeterschießen ausgeschieden ist, sollte man entweder direkt für die Gruppenphase gesetzt sein (wenn man den Quali-Platz in der heimischen Liga erreicht hat) oder zumindest erst in der letzten Play-off-Runde einsteigen dürfen. Oder: Wieso gibt es für die Bundesliga vier feste Champions-League-Plätze, aber nur zwei für die Europa League?

Wie lautet das Saisonziel?

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Mögliche Gedankenspiele von SGE-Coach Hütter: Erst einmal in die Gruppenphase der Europa League, dann dort den Titel und ab in die Champions League und dann Deutscher Meister mit der Eintracht?

(Foto: picture alliance/dpa)

Mit dem Abstieg hat die Eintracht dieses Jahr nichts zu tun, mit der Meisterschaft auch (noch) nicht. Nur so am Rande: Mit jedem seiner Klubs ist Trainer Hütter bisher irgendwann Meister geworden - mit Salzburg in Österreich, mit Bern in der Schweiz. Die Meisterschaft machen Dortmund und München unter sich aus, mit dem diesmal besseren Ende für den BVB. Dahinter geht es dann noch enger zu als in der Saison 2018/2019.

Leverkusen wird die starke Rückserie nicht wiederholen können. Leipzig dürfte die Champions League zusetzen. Wolfsburg ist ohne Coach Bruno Labbadia nur noch die Hälfte wert. Blieben noch Mönchengladbach (neuer Trainer, kein Thorgan Hazard mehr), Hoffenheim (Trainer weg, Stürmer weg), Bremen (Max Kruse weg, Fin Bartels langzeitverletzt) und Düsseldorf (zweite Bundesliga-Saison nach dem Aufstieg, viele neue Spieler, erfahrener Trainer) als potenzielle Wundertüten, die um die internationalen Plätze gegen die Eintracht fighten werden.

Die Prognose von n-tv.de

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Quelle: n-tv.de

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