Fußball

Durststrecke, Pleite, Fehler Patient Barça kränkelt gen Abgrund

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Für Lionel Messi und den FC Barcelona läuft es derzeit so überhaupt nicht in der Liga.

(Foto: imago images/PanoramiC)

Was ist nur mit dem ruhmreichen FC Barcelona los? Platz zwölf in der Liga, ein harmloser Lionel Messi, haarsträubende Fehler - die Katalanen straucheln durch den Saisonbeginn in der Primera División, auch weil der Umbruch noch immer nicht vollzogen wird. Und nun droht auch noch der Konkurs.

Dem FC Barcelona geht es nicht gut. Vier Ligapartien in Folge errangen die Katalanen um Superstar Lionel Messi keinen Sieg mehr. Die Folge: Platz zwölf mit nur acht Punkten aus sechs Spielen. Viel zu wenig für die - ehemals muss man schon sagen - so erfolgsverwöhnten Dauersieger. Acht Zähler Rückstand auf den Rivalen aus Madrid kommen dazu. Fast schon ein Affront für die stolzen Katalanen, der zementiert wurde durch die bittere 1:3-Heimpleite gegen Real am vergangenen Wochenende. Es ist der schlechteste Saisonauftakt seit der Saison 2002/03, in der Barça nur Sechster wurde.

Ungenauigkeiten häufen sich im Spiel Barcelonas derzeit genauso wie haarsträubende Fehler, zu harmlos und sorglos stolpert die Mannschaft durch La Liga. Beim 1:1 (0:1) bei Deportivo Alaves am Samstagabend war es Ersatztorwart Neto, der nach unsicherem Rückspiel von Gerard Piqué den Ball im Sechszehner gegen Deportivo-Angreifer Luis Roja im Dribbling vertändelte. Nationalkeeper Marc-André ter Stegen, der sich von seiner Knieverletzung wohl erholt hat, wird sehnlichst zurückerwartet. Aber auch generell zieht sich in dieser Saison eine den Katalanen sonst nicht eigene Ängstlichkeit und Hilflosigkeit durch das Team. Etwas lustlos schleppt sich die Blaugrana seit mehreren Spielen über den Platz - selbst wenn das noch für einen 2:0-Erfolg bei einem Ronaldo-losen Juventus Turin in der Champions League reichte.

Die Neuen bringen's (noch) nicht

Dafür gibt es vielerlei Gründe. Der Umbruch nach dem 2:8 gegen Bayern München in der Champions League wurde vom neuen Trainer Ronald Koeman zwar zaghaft eingeleitet, aber - auch wegen des durch die Corona-Pandemie veränderten Transfermarktes - viel getan hat sich nicht in der Mannschaft. Ein paar Spieler kamen, Miralem Pjanic für 60 Millionen Euro von Juventus Turin zum Beispiel: In den acht Ligaspielen erhielt er nur drei Einsätze, insgesamt über 71 Minuten. Die Ausbeute: kein Tor, keine Vorlage. Sergiño Dest, den auch der FC Bayern haben wollte, wechselte von Ajax Amsterdam für 21 Millionen Euro zu den Katalanen und durfte immerhin schon viermal in der Primera División ran: Dabei gab es zwei Unentschieden und zwei Niederlagen. Der für 31 Millionen Euro eingekaufte Portugiese Trincão versucht sich immer wieder auf Rechtsaußen als Einwechsler, konnte aber auch noch keinen Scorerpunkt sammeln. Und so stand beim 1:1 bei Deportivo Alaves fast die identische Mannschaft auf dem Platz, die schon die 2:8-Schmach gegen die Bayern in der Champions League erleben musste.

Einer, der allerdings fehlte, der Dynamik und Torgefahr in Barcelonas Spiel bringen könnte, thront jetzt mit Atlético Madrid auf Platz drei in der Liga und hat für seinen neuen Arbeitgeber in fünf Spielen vier Tore erzielt und eine Vorlage gegeben: Torjäger Luis Suárez mobbte Barça unter großem Aufsehen aus der Stadt. Zumindest sportlich war dies ein großer Fehler. Antoine Griezman, der gegen Alaves immerhin den Ausgleich erzielte, kann noch immer nicht überzeugen und stellte öffentlich seine Position auf dem Rasen infrage, auf die Koeman ihn platzierte. Der Ex-Dortmunder Ousmane Dembélé darf stets nur als Einwechselspieler ran und konnte in der Liga noch überhaupt keine Akzente setzen.

"Leo ist schwer zu handhaben"

Der Patient siecht so langsam dahin. Der FC Barcelona ist schon seit Jahren nicht mehr das Team, das Angst und Schrecken in Fußball-Europa verbreitet. Seit 2015 haben die Katalanen kaum noch etwas zu melden, wenn es um den Triumph in der Champions League geht. Zu wenig rückte das Team vom absoluten Fokus auf Messi ab, zu wenig neue Spielideen wurden etabliert. Die Tiki-Taka-DNA funktionierte irgendwann nicht mehr - und La Pulga allein konnte die Blaugrana lediglich zu Ligatiteln hieven.

Ein weiterer Grund für den kränkelnden Barça-Patienten: Wegen des Suárez-Abgangs ist sein bester Kumpel Messi immer noch sauer und das wochenlange Wechsel-Desaster um den Argentinier wirkt immer noch nach. Obwohl der von ihm verhasste Klubchef Josep Maria Bartomeu letztendlich zurücktrat: Der Zwist machte Messi zu einer Art einjährigem Söldner bei einem Klub, für den er alles gegeben hatte. Im nächsten Sommer soll er dann wirklich wechseln, dieses erzwungene Not-Jahr quält er sich noch mal über den Platz. So wirkt es teilweise. Seit vier Ligaspielen hat der Superstar nicht getroffen, seine längste Durststrecke seit 2014. Und wie sehr Barça noch auf ihn angewiesen ist, zeigt, dass die Mannschaft in den vier Partien ohne Messi-Tor eben nicht gewinnen konnte. Und dass der Superstar nicht einfach im Umgang ist, verriet am Samstag Ex-Coach Quique Setién in der spanischen Zeitung "El País": "Leo ist schwer zu handhaben." Messi und dessen konkrete Vorstellungen könnten auch mehr und mehr auf das Team abgefärbt haben - schließlich ist er der uneingeschränkte, wenn auch nicht lautstarke, Tonangeber. Das zu akzeptieren, könnte manchem anderen Ego in der Mannschaft schwerfallen.

Wie nur 190 Millionen Euro sparen?

Hinzu kommt: Der FC Barcelona schlittert Richtung Pleite, die Katalanen müssen viele Millionen einsparen - und das schnell. Spanischen Medienberichten droht im Januar der Konkurs, wenn die Spieler nicht auf 190 Millionen Euro an Gehalt verzichten. Die Spieler sollen sich gegen die Kürzungen wehren, aber ihre Rechtsanwälte und die des Klubs hätten sich am Freitag verhandlungsbereit an einen Tisch gesetzt, berichtete "AS" am Sonntag.

Viel Zeit bleibt den Berichten zufolge nicht. Bis spätestens 5. November müssten Kürzungen von 30 Prozent vereinbart werden, um die Pleite abzuwenden. Zum Glück, werden die Barcelona-Spieler denken, ist am Mittwoch wieder Champions League. Der Liga-Alltag ist für Patient Barça derzeit nur graues Leid - aber hinter der schlechten Punkteausbeute stecken Probleme, die die Blaugrana zukünftig noch viel stärker kränkeln lassen könnten.

Quelle: ntv.de

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