Fußball

In der DFB-Wohlfühloase wird's rauer Podolski und Schürrle machen sich ersetzlich

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Lukas Podolski und Andre Schürrle stehen nach schwachen Leistungen im Verein auch in der Nationalmannschaft mit dem Rücken zur Wand.

(Foto: picture alliance / dpa)

Ihr Antritt und ihre Schussstärke waren einst gefürchtet. Doch derzeit erregen Lukas Podolski und André Schürrle eher Mitleid. Das Duo will nun Selbstvertrauen in Joachim Löws Wohlfühloase tanken. Doch auch dort wird es langsam ungemütlich.

So richtig Spaß am Fußballspielen kann Lukas Podolski derzeit nicht haben. Als Hoffnungsträger und Heilsbringer im Winter von Arsenal London zum kriselnden Inter Mailand gewechselt, pendelt der 29-Jährige in den Liga-Spielen der Serie A regelmäßig zwischen Startelf und Ersatzbank - im Europacup, Inter ist nach zwei Niederlagen gegen den VfL Wolfsburg inzwischen ausgeschieden, stand er gar nicht erst auf dem Meldebogen. In den italienischen Medien wurde er zuletzt gar "schädlich für das Spiel" beschimpft. Nun heißt es, Inter wolle ihn im Sommer dringend wieder loswerden.

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Noch setzt Bundestrainer Joachim Löw auf seine Weltmeister Schürrle und Podolski.

(Foto: REUTERS)

Wie gut, dass jetzt erst Länderspielpause ist und Podolski für die Partien der DFB-Elf gegen Australien (Mittwoch, 20.30 Uhr) und Georgien (Sonntag, 18 Uhr, beide Spiele im Liveticker bei n-tv.de) in seine Wohlfühloase reisen darf. Denn im Kreise von Joachim Löws Eleven geht es dem bekennenden Kölner immer gut - bis jetzt.

Das Gefühl von Zuneigung und Wertschätzung in der Nähe des Bundestrainers kennt auch André Schürrle, jahrelang Podolskis Dauerrivale auf der linken Offensivseite der Nationalelf. 42 Mal ist der 24-Jährige bisher aufgelaufen, 17 Tore hat er erzielt, fast immer hat er überzeugt und Spaß gemacht. Und genau dieses Gefühl, überzeugen zu können und Spaß zu machen, ist ihm abhanden gekommen. Es scheint, als liefen die Karrierewege der beiden schussstarken, positionstreuen Linksfüßer parallel. Und zwar abwärts.

Löw nicht mehr so fürsorglich wie früher

Denn auch Schürrle, im Winter mit großen Erwartungen und der Last einer schäbig-hohen Ablöse vom FC Chelsea zum VfL Wolfsburg gewechselt, findet sich derzeit irgendwo zwischen Stammspieler und Reservist wieder. Die Hoffnungsträger sind zu Sorgenkindern geworden. In der Nationalelf wollen sich die beiden nun aufpäppeln lassen - doch so fürsorglich wie einst geht der Bundestrainer nicht mehr mit seinen Weltmeistern um.

Der Kader im Überblick:

Tor: Manuel Neuer, Roman Weidenfeller, Ron-Robert Zieler

Abwehr: Holger Badstuber, Jerome Boateng, Jonas Hector, Benedikt Höwedes, Mats Hummels, Shkodran Mustafi, Sebastian Rudy

Mittelfeld: Karim Bellarabi, Ilkay Gündogan, Sami Khedira, Christoph Kramer, Toni Kroos, Thomas Müller, Mesut Özil, Lukas Podolski, Marco Reus, André Schürrle, Bastian Schweinsteiger

Angriff: Mario Götze, Max Kruse

So erklärte Löw im ZDF: "Lukas war in den letzten zehn Jahren immer mit ganzem Herzen bei der Nationalmannschaft und hat unheimlich viel für Deutschland geleistet. Das ist für mich schon ein großer Wert. Wenn er im Moment ein wenig Probleme hat, hat er von mir alle Unterstützung. In der neuen Saison zählt aber nur die Leistung. Ein Treue-Bonus für alle Zeit gibt es nicht." Der Ton wird rauer, Podolski muss sich steigern, will er seinen 121 Länderspielen - nur Lothar Matthäus (150) und Miroslav Klose (137) haben mehr - weitere hinzufügen. Denn nicht nur im Vereinsfußball, auch in der Nationalmannschaft verblassen die großen Glanzlichter des 29-Jährigen nach und nach - so zum Beispiel sein Doppelpack im WM-Achtelfinale 2006 gegen Schweden, oder aber das schnellste Tor der DFB-Historie vor knapp zwei Jahren im Freundschaftsspiel gegen Ecuador.

Bei Schürrle sind die Erinnerungen an richtige starke Leistungen noch deutlich präsenter. Mit seiner präzisen Vorlage auf Mario Götze hat er das WM-Endspiel im Sommer maßgeblich mitentschieden. Doch seitdem stockt's auch beim 24-Jährigen. Der Wolfsburger strahlt aktuell weder Präsenz noch Selbstvertrauen aus, lässt Dynamik und Tempo vermissen. Und Torgefahr, sonst eine absolute Kernkompetenz des Flügelstürmers? Fehlanzeige. Weder bei Chelsea noch beim VfL hat er nach der WM so überzeugende Leistungen angeboten, dass er eine Nominierung für die Nationalelf unbedingt rechtfertigen würde. Es ist der Bonus des Weltmeisters der ihm (noch) den Platz auf Löws Nominierungsbogen sichert.

Schürrle weiß um den Druck, der auf ihm lastet und räumt ein: "Ich habe noch nicht so viele Aktionen, wie ich mir das vorstelle. Man sieht, dass ich noch nicht mein Spiel durchziehen kann. Aber ich weiß, dass ich jeder Mannschaft der Welt helfen kann, wenn ich meine Kraft und mein Selbstvertrauen habe." Beides sollte aus Sicht des Flügelstürmers möglichst ganz schnell zurückkehren, denn nicht nur im Verein, auch in der Nationalelf ist der Kreis der Konkurrenten sehr groß. Und hier haben zum Beispiel der Münchener Götze, der Dortmunder Marco Reus sowie Arsenal-Antreiber Mesut Özil einen entscheidenden Vorteil gegenüber Schürrle und auch Podolski: Sie können auf mehreren Positionen spielen - und auf größtmögliche Flexibiliät legt Löw bei der Neuausrichtung seiner Mannschaft einen immer größeren Wert.

Quelle: ntv.de