Fußball

Hertha beschenkt Klassenfeind RB Leipzig macht jetzt auf Königsklasse

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Die Spieler von RB Leipzig feiern den Einzug in die Champions League.

(Foto: imago/Annegret Hilse)

Die Rasenballsportler nehmen zwei Gaben der Berliner Hertha dankend an, siegen - und ziehen direktemang in die Champions League ein. Vielen Fußballfans ist das ein Graus, den Leipzigern ist das herzlich egal. "Da geht einem das Herz auf."

Ja, Ralph Hasenhüttl war durchaus in Feierlaune. Wie sollte es auch anders sein? "Ich bin einfach stolz, sehr stolz. Das ist sensationell", sagte der Trainer der Leipziger. "Bei so einer Kulisse dieses Ziel zu erreichen - das ist einfach unfassbar." Ob es ein Wunder ist, was seine Spieler geschafft haben, wie es Hasenhüttl im Überschwang behauptete, sei dahingestellt. Die Marketingabteilung des Klubs jedenfalls schien etwas geahnt zu haben. Eine gute Stunde nach dem Abpfiff warb sie für die neue Kollektion, T-Shirts und Schals mit den Aufdruck "Willkommen Europa". RB Leipzig macht jetzt auf Königsklasse. Und auf dem Fußballplatz überzeugt hat das Team nicht nur seinen Trainer: "Die Art und Weise, wie diese Mannschaft durch die Liga marschiert ist, nötigt mir allerhöchsten Respekt ab."

Nun sind sie also dort, wo sie hinwollten. Also erst einmal. In die Champions League haben es die Rasenballsportler jedenfalls geschafft. Der Plan ist aufgegangen. In ihrer ersten Saison in der Bundesliga und nicht einmal acht Jahre, nachdem der Konzern Red Bull den Verein gegründet hatte, ist den Leipzigern nach dem 4:1 (1:0) am frühen Samstagabend bei der an sich so heimstarken, in diesem Fall aber chancenlosen Hertha Rang drei in der Tabelle nicht mehr zu nehmen. Es war ein souveräner Sieg, den Timo Werner in der zwölften und 54. Minute mit seinen Saisontoren Nummer 18 und 19 maßgeblich prägte. Oder besser: Er war sich vor den 62.301 Zuschauern im nicht ausverkauften Olympiastadion nicht zu schade, die Geschenke der Berliner Defensive anzunehmen. "Wir haben es uns über das gesamte Jahr erarbeitet und heute etwas ganz Großes erreicht", sagte er hinterher.

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"Die wahren Totengräber des Fußballs."

(Foto: imago/Annegret Hilse)

Wirklich spannend wurde es auch nicht, nachdem Leipzigs Rani Khedira fünf Minuten vor dem Ende der Partie den Ball aus Versehen ins eigene Tor geköpft hatte. Denn kurz drauf traf der kurz zuvor eingewechselte Davie Selke gleich zweimal (89./90+2) zum Endstand ins richtige Tor. Es war ein Sieg, der reichte, um an diesem 32. Spieltag mit nun 66 Punkten direktemang in die europäische Königsklasse einzuziehen. Und es spricht viel dafür, dass sie bei noch zwei Spieltagen am Ende als Zweiter durchs Ziel gehen und sich den inoffiziellen Titel "Best of the rest" sichern, wie Hasenhüttl den Platz hinter dem FC Bayern nennt.

"Die wahren Totengräber des Fußballs"

In der Spielzeit 2009/2010 waren sie in der Oberliga gestartet, stiegen sofort auf und kamen nach drei Jahren Regionalliga in der dritten Liga, mithin im Profifußball an. Schon im August 2013 hatte Vorstandsmitglied Ulrich Wolter im Gespräch mit n-tv.de gesagt: "Wir wollen in die erste Liga. Und wir wollen am Ende dann in der ersten Liga natürlich oben stehen und Deutscher Meister werden. Das ist klar, das ist das Ziel. Sonst bräuchten wir ja nicht antreten." Dazu müssen sie allerdings an FC Bayern vorbei. In dieser Saison zumindest klappt das nicht mehr. Was Sportdirektor Ralf Rangnick natürlich nicht ernsthaft anficht: "Vor vier Jahren standen wir noch auf irgendeinem Schulsportplatz bei Union Berlin II, umgeben von Schneehaufen." Da sei ein Sieg vor dieser Kulisse im Olympiastadion schon eine andere Nummer. "Das ist großartig. Es konnte niemand damit rechnen, dass wir so eine Saison spielen und so viele Punkte holen. Wir haben zu Saisonbeginn von einer sorgenfreien Saison gesprochen. Das war es vom ersten Spieltag an. Deswegen freuen wir uns."

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Trainer Ralph Hasenhüttel und Sportdirekor Ralf Rangnick.

(Foto: imago/Matthias Koch)

Was die von Red Bull erfundenen Leipziger von den Berlinern und vom Rest der Liga trennt, darauf hatte Herthas Manager Michael Preetz vor der Partie noch einmal hingewiesen: "Die Chancengleichheit ist jetzt nicht gewährleistet." Der 125 Jahre alte Hertha Berliner Sport-Club sieht sich wirtschaftlich von dem 117 Jahre jüngeren Klub  abgehängt. "In welchen Preissegmenten Leipzig unterwegs ist, konnte man vor der Saison sehen." Knapp sieben Millionen Euro haben die Berliner in neue Spieler investiert - die Leipziger dem Vernehmen nach 50 Millionen. Und wenn sie nun in der kommenden Saison in der europäischen Königsklasse spielen, wird das mutmaßlich nicht weniger werden. "Sollten wir Champions League spielen", hatte Sportdirektor Ralf Rangnick vor der Partie gesagt, "dann müssen wir den Kader noch verstärken." Ob zwei oder drei neue Spieler reichen, wisse er noch nicht. "Vielleicht brauchen wir auch fünf oder sechs."

"Europapokaaal! Leipzig international"

Und schließlich wollen sie ja irgendwann Meister werden. Nicht nur für die Fans der Hertha ist diese anscheinend nicht aufzuhaltende Entwicklung des Klassenfeinds ein Graus. Vor dem Anpfiff hatten sie ihre Ostkurve in Schwarz getaucht und zunächst ihren Prostest Schwarz auf Weiß in Versalien auf Spruchbänder geschrieben: "Fans als Gefahr!", stand dort. Und: "RB hofieren!" - "Geldgier & Korruption!" - Financial Fairplay?" - "Produkt statt Verein!" - "Keine Mitbestimmung!" - "Der Fehler liegt im System!" Danach ersetzten zwei große Plakate oben und unten in der Kurve die kleineren Spruchbänder: "Die wahren Totengräber des Fußballs". Dazwischen waren die stilisierten Konterfeis von Dietmar Hopp, dem Mäzen der TSG Hoffenheim, von  Red-Bull-Gründer Dietrich Mateschitz zu sehen. Zudem abgebildet waren Ex-Fifa-Präsident Joseph Blatter, Ex-Uefa Präsident Michel Platini und Franz Beckenbauer.

Die gut 10.000 Anhänger der Leipziger im Westen reagierten mit ihrem Lied: "Vorwärts Rasenball, Leipzig überall." Und sie waren es auch, die hinterher das taten, was sie auch während des Spiels getan hatten: Sie feierten: "Europapokaaal, Europapokaaal! Leipzig international." Den Spielern empfahl der sichtlich gerührte Trainer, das auch zu tun: "Es gehört auch dazu, dass man feiert. Dafür haben wir die ganze Saison gearbeitet." Hasenhüttl gab den Seinen bis Mittwoch frei. "Wenn man die Spieler lachen sieht, geht einem das Herz auf." Und am kommenden Samstag komme es dann am vorletzten Spieltag "zu einem Schaulaufen auf sehr hohem Niveau. Wir spielen ja gegen keine schlechte Mannschaft". Zu Gast im Leipziger Zentralstadion dann: der FC Bayern München.

Quelle: ntv.de