Fußball

Sechs Lehren des 1. Spieltags RB-Rausch, ein BVBchen und Komiker-Klopp

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Marcel Sabitzer sorgte mit seinem späten 2:2 in Hoffenheim für den ersten RB-Rausch in der Bundesliga.

(Foto: REUTERS)

Was für eine faustdicke Überraschung: Nach den ersten 90 Minuten in der Fußball-Bundesliga ist Aufsteiger RB Leipzig nur Achter. Gründe, sich selbst zu feiern, gibt's trotzdem. Die Super-Bayern wehren sich gegen Mehmet Scholls Schwärmereien. Der BVB läuft noch nicht rund, gewinnt aber trotzdem. Darmstadts Saisondebüt ist dagegen richtig "scheiße" und bei Werder Bremen beweist immerhin der Manager Mut.

Bitte keine Kritik an Pep!

Da gewinnen die Bayern zum Auftakt der 54. Saison der Bundesliga haushoch gegen Werder Bremen (6:0), spielen prächtig Fußball und trotzdem hängt der Haussegen schief. Gereizt fühlt sich die bayrische Seele von Mehmet Scholl. Dabei ist das Ganze ja völlig bizarr. Denn die ewig meckrige Meinungsmaschine der ARD lobt das spielfreudige Gepöhle des Rekordmeisters in den höchsten Tönen, feiert den neuen Trainer tüchtig ab – und bekommt Prügel. Als verbaler Haudrauf im neuerdings wieder mit großväterlicher Fürsorge betreuten Harmonie-Stadl der Liga schlägt Philipp Lahm zurück und schwingt sich zum Pep-Paten auf: "Die Fesseln (Anmerk. d. Red.: Scholl sprach von endlich abgestreiften Pep-Ketten) können nicht so schlecht gewesen sein, so wie wir die letzten Jahre vorneweg marschiert sind." Nun, sei's drum. Erfolgreich sind die Bayern so oder so. Und das ist auch ganz wichtig, findet Manuel Neuer. Niemand solle den Eindruck bekommen, dass die Meisterschaft in diesem Jahr ohne die Münchener ausgeknobelt wird. "Es war ein Signal an die Konkurrenz, dass wir da sind." Vielen Dank dafür – wäre aber vermutlich nicht zwingend nötig gewesen. Ganz anders übrigens als ein Tor von Thomas Müller. Der legte zwar drei auf, fand viele Räume – was gegen die Klaustrophobiker von der Weser nicht schwer war –, war im Abschluss aber weiter im EM-Desaster-Modus. Aufgeben? Nicht der Müllerthomas, der orientiert sich an der legendären Oliver-Kahn-Weisheit: "Weiter, immer weiter." Was soll er denn auch sonst machen? "Die Mundwinkel nach unten ziehen und in die Kabine stapfen, nur weil man an den Pfosten schießt?" Nunja, wäre zumindest 'nen schönes Thema.

Das BVBchen braucht noch ein bisschen

'Nen Narrhallamarsch, wir begrüßen den ersten "Ausgerechnet-Moment" der noch jungen Saison. Besorgt hat ihn André Schürrle. Die von Borussia Dortmund teuer erkaufte kickende Zwei-Jahres-Krise schickt sich im neuen schwarzgelben Gewand tatsächlich an, wieder ein viel beachteter Fußballer zu werden. Was im DFB-Pokal gegen allerdings eher wehrlose Trierer seinen Anfang nahm, fand nun am 1. Spieltag gegen wehrhafte Mainzer seine Fortsetzung. Schnelle Dribblings, schnörkellose Pässe und starke Abschlüsse, der 25-Jährige war bester Mann auf dem Platz – was n-tv.de natürlich genauso vorgesagt hatte (Entschuldigen Sie bitte den Anfall von totalem Übermut, aber der Autor platzt angesichts seiner so selten richtigen Vorhersagen aktuell vor Stolz). Der Rest der mit Geld und Talent hochgezüchteten Tuchel-Truppe fremdelte dagegen noch ein wenig mit dieser Bundesliga, dümpelte mitunter wie ein Angriffs- und Passmaschinchen durch den ultraheißen Signal-Iduna-Park. Der knappe 2:1-Sieg war zwar dennoch verdient, ein bisschen glücklich irgendwie aber auch und deswegen für Coach Thomas Tuchel "besonders wertvoll, wenn du merkst, dass es noch ein bisschen knirscht".

Was erlaube Jürgen Klopp?

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Hat er die Schalke-Fans nur verarscht?

(Foto: dpa)

In den Schalker Pinten hatten sie sich schon ins Fäustchen gelacht. Ihr Klub, der S04, der könnte in dieser Saison echt erfolgreich sein. Neuer Manager, guter Mann aus Mainz, neuer Trainer, guter Mann aus Augsburg, und Neueinkäufe in Hülle und Fülle. Jaja, da konnte man im eigenen Stall schon wieder den süßen Geruch von Titel und Trophäen riechen. Und dann kam da auch noch Jürgen Klopp daher, Ex-Coach des verhassten BVB, und säuselte: "Ich fürchte, Schalke könnte echt erfolgreich sein." Nach dem fürchterlichen 0:1 in Frankfurt fragt sich das Fanlager aber nun: "Hat uns Klopp einfach nur verarscht?" Was da bei der Eintracht aus Sicht der Schalker stattgefunden hat, war doch, alte Ruhrpott-Weisheit, "die gleiche Scheiße wie letzte Säsong". Und die königsblaue Panikattacke hat gleich mehrere Gründe: keine Spielidee, kein Biss, keine Torgefahr und ein aberwitziges Zweikampfverhalten. "Wir haben das Spiel im Kopf total verschlafen", sagt Coach Markus Weinzierl. Klopp, du Komiker!

Eine Leistung wie ein Kraftausdruck

Wie läuft's eigentlich in Darmstadt, ah, okay, wir brauchen gar nicht weiterzureden, denn "Scheiße" schreit uns Mittelfeldmann Florian Jungwirth entgegen. In Köln gab's eine 0:2-Niederlage. Klingt eigentlich gar nicht so dramatisch, ist aber die mit Abstand charmanteste Umschreibung für das, was die "Lilien" beim "Eff-Zeh" geleistet haben. Das war nämlich nichts. Bereits nach drei Minuten hätte die Partie entschieden sein können, so offen war die Hintermannschaft der in fast allen Tippspielrunden als feststehender Absteiger der Hessen. Eine echte Chance die Niederlage zu vermeiden? Nun, nur ein Spielabbruch. Doch dafür hätte das Unwetter mit hagelnden Tennisballeinschlägen am Samstagnachmittag ein bisschen heftiger und länger wirken müssen. So aber hat die Liga ihr erstes Sorgenkind. Aber gemach, gemach, denn an der Lilien-Linie führt Zen-Meister Norbert Meier nun Regie und der ist noch völlig tiefentspannt: "Davon geht die Welt nicht unter. Es ist gerade mal ein Spiel gespielt." Stimmt, das aber war, wir erinnern uns kurz, ziemlich "sch…".

RB Leipzig feiert sich selbst

Na, wenn's sonst schon keiner tut, dann lobt sich Bundesliga-Aufsteiger RB Leipzig nach seinem ersten Spiel im Oberhaus eben selbst: "Wir haben gezeigt, dass wir eine Bereicherung sein können", sagte Neu-Coach Ralph Hasenhüttl nach dem 2:2 im Duell der gemobbten Liga-Kinder bei 1899 Hoffenheim. Derart berauscht am eigenen Spiel urteilte der Österreicher: "Die ersten Minuten waren zwar heftig, da waren wir unsortiert und hatten zu viel Respekt vor der Liga. Aber es zeichnet meine Mannschaft jetzt schon aus, dass wir die Fähigkeit haben, uns sehr schnell an das höhere Niveau zu gewöhnen." Doch damit nicht genug, auf der in Sachsen nach oben hin offenen Skala des Selbstbewusstseins: "Wenn wir noch einmal so auftreten, können wir auch Dortmund wehtun", analysiert Offensivspieler Timo Werner mit Blick auf den 2. Spieltag. Nun, jetzt lassen wir den roten Bullen mal im Stall und erinnern uns an Zen-Meister Norbert Meier: "Es ist gerade mal ein Spiel gespielt." Auch wenn das, nicht jeder mag's gerne hören, von den Leipzigern schon ganz schön gut war.

Auweia, Werder…

Mut können wir dem SV Werder Bremen nicht absprechen. Das gilt jetzt eher weniger für den Lizenzspielkader, der sich beim 0:6 in München in etwa so selbstbewusst präsentierte, wie die Teilnehmer der RTL-Kuppelshow "Schwiegertochter gesucht" beim ersten Kontakt mit dem anderen Geschlecht. Nein, im Management geht Frank Baumann mit furchtlosem Beispiel voran. Seinem Trainer Victor Skripnik, der verzweifelt versuchte, seinem orientierungslosen Trümmerhaufen Struktur zu geben, verspricht er eine mindestens mal mittelfristig ausgelegte Jobgarantie: "Wir werden da in den nächsten Monaten definitiv nichts  verändern. Wir haben die Entscheidung aus Überzeugung getroffen", sagte Baumann. Denn Skripnik habe "auch die letzten zwei Jahre bewiesen, dass er schwierige Situationen meistern kann. Wir werden da nicht die Nerven verlieren." Doch die Diskussionen um den Coach, der sich selbst als "Arsch der Welt" bemitleidet, sind schon tüchtig im Gange. Erst das blamable Pokal-Aus in Lotte, dann das Dilettieren in München – bei bwin galt er bereits vor Saisonstart als Favorit auf die erste Entlassung der Saison. Tja, Pech gehabt. Da wurde die Quote wohl ohne den Baumann gemacht...

Quelle: n-tv.de

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