Fußball

Soll Man United auf Kurs bringen Rangnicks Rettungsmission beginnt erfolgreich

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Rangnick macht es Tuchel und Klopp nach.

(Foto: picture alliance/dpa/AP)

England verspricht sich von Ralf Rangnick bei Manchester United eine Revolution. Die ersten Eindrücke stimmen optimistisch. Beim 1:1 gegen Young Boys Bern überraschte er mit einer ungewöhnlichen Aufstellung. In der Liga haben der Trainer und seine Mannschaft einen entscheidenden Vorteil.

Während auf dem Rasen des Old Trafford die Zukunft zu besichtigen war, feierten die Fans die Vergangenheit. Es ging um nichts mehr für Manchester United im abschließenden Vorrundenspiel der Champions League gegen die Young Boys aus Bern, weshalb Interimstrainer Ralf Rangnick seine A-Prominenz (David De Gea, Harry Maguire, Bruno Fernandes, Cristiano Ronaldo…) schonte und die eigenen "Young Boys" aufbot. Insgesamt sechs Teenager kamen für den englischen Rekordmeister zum Einsatz, teilweise zum ersten Mal überhaupt, und halfen, ein 1:1 zu erwirtschaften. Die Zuschauer interessierten sich nur mäßig für das unambitionierte Geschehen und führten stattdessen ihr Arsenal an Gesängen auf. Sie feierten auch Ole Gunnar Solskjaer, der seit seinem Siegtor im Champions-League-Finale 1999 gegen den FC Bayern Heldenstatus im Old Trafford hat ("Who put the ball in the Germans' net?").

Als Trainer war der Norweger bekanntlich weniger erfolgreich, und auch wenn ihm die Zuneigung der United-Gemeinde auf ewig sicher ist, dürften selbst die größten Solskjaer-Apologeten erleichtert sein, dass er das Amt kürzlich abgetreten hat. Rangnick ist als Interimstrainer für den Rest der Saison sein Nachfolger auf Zeit. Er wurde mit großen Erwartungen empfangen. Die englischen Zeitungen waren rund um seine Ankunft in der vergangenen Woche voll von Erzählungen über diesen vermeintlichen Fußball-Revolutionär, den "Godfather of Gegenpressing", der ganze Trainer-Generationen in Deutschland geprägt hat. Die ersten Eindrücke rechtfertigen die Aufregung. Rangnick hat die Presse umgehend für sich gewonnen. Mit seinem makellosen Englisch, seinem Interesse für den englischen Fußball, seinen fachkundigen Ausführungen zu seiner Spielidee und - auch das - mit seinem Humor.

Sonderlob für Cristiano Ronaldo

Sportlich ist Rangnicks Einstand ebenfalls gelungen, wobei dieses Urteil weniger auf dem unbedeutenden 1:1 gegen die Young Boys beruht, mehr auf dem 1:0 am vergangenen Sonntag in der Premier League bei seinem Debüt gegen Crystal Palace. Manchester Uniteds Umstellung vom üblichen 4-2-3-1 auf Rangnicks bevorzugtes 4-2-2-2 funktionierte. Die Mannschaft hatte deutlich mehr Ballgewinne im vorderen Drittel als sonst - ein Hinweis darauf, dass sie empfänglich ist für Rangnicks Lehre des hohen Pressings. Cristiano Ronaldo, berüchtigt für seinen Unwillen zur Defensivarbeit, erhielt ein Sonderlob vom Trainer für sein Spiel gegen den Ball ("Chapeau!"). Die in der Endphase unter Solskjaer so brüchige Abwehr stand ordentlich.

Zwar ist ein knapper Sieg gegen ein Mittelklasse-Team der Premier League kein Grund zum Überschwang, aber nach den vielen Demütigungen der vergangenen Wochen - 2:4 gegen Leicester, 0:5 gegen Liverpool, 0:2 gegen Manchester City, 1:4 gegen Watford - war das 1:0 gegen Crystal Palace für Manchester United eine wohltuende Vergewisserung der eigenen Stärke. Außerdem wurde Rangnick der erste deutsche Trainer, der in der Premier League mit einem Sieg gestartet ist. Seinen erfolgreichen Kollegen Thomas Tuchel und Jürgen Klopp war ein Erfolg zum Einstand beim FC Chelsea bzw. dem FC Liverpool nicht vergönnt gewesen.

Was für Rangnick spricht

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Wenn man Rangnick an der Seitenlinie beobachtet, ist der Unterschied zu Solskjaer offensichtlich. Während der Norweger die Spiele seines Teams meistens auf der Trainerbank verfolgte und das Coaching seinen Assistenten Mike Phelan und Kieran McKenna überließ, hält sich Rangnick fast 90 Minuten am äußeren Eck seiner Coaching-Zone auf, ruft Kommandos auf den Platz und reißt bei Toren die Arme in die Luft - fast so, als wollte er die emotionalen Tuchel und Klopp kopieren.

Die erste Meisterschaft für Manchester United seit acht Jahren erwartet von Rangnick in dieser Saison niemand, zu groß ist der Rückstand auf Manchester City, Liverpool und Chelsea, aber Platz vier und damit die Qualifikation zur Champions League ist ein realistisches Ziel. Zwei Dinge kommen Rangnick bei der Aufholjagd entgegen. Erstens stehen die zuletzt verletzten Raphaël Varane, Paul Pogba und Edinson Cavani vor ihrer Rückkehr, und zweitens ist der Spielplan in der berüchtigten hektischen Phase des englischen Fußballs um Weihnachten gnädig mit Manchester United. Die Gegner bis Ende des Jahres heißen Norwich, Brentford, Brighton, Newcastle und Burnley. Zum nächsten Spiel gegen ein Mitglied des aktuellen Spitzentrios dauert es noch bis Anfang März zum Duell mit Manchester City. Die Ausgangslage zur Rettung von Manchester Uniteds Saison ist günstig für Rangnick.

Quelle: ntv.de

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