Fußball

Trio stellt sich der Polizei Rassistische Hetze entsetzt DFB-Stars

Nach der rassistischen Hetze während des DFB-Länderspiels gegen Serbien stellen sich drei Männer der Polizei. Sie sollen Leroy Sané und Ilkay Gündogan beleidigt haben. Derweil appelieren Marco Reus und Leon Goretzka an ihre Fans und wehren sich gegen Rassismus.

Es ist ein deutlicher Appell: Die Fußball-Nationalspieler Leon Goretzka und Marco Reus positionieren sich klar gegen Rassismus jeglicher Art. Er habe das Video des Journalisten André Voigt nach dem Länderspiel gegen Serbien (1:1) gesehen, so Goretzka. "Das hat mich sehr bewegt und ein Stück weit entsetzt. Da sollte man mit aller Entschiedenheit gegen vorgehen", sagte er in Wolfsburg bei der Pressekonferenz vor dem EM-Qualifikationsspiel gegen die Niederlande. "Ich bin ein Kind des Ruhrgebiets, wo man auf die Frage nach der Nationalität mit Dortmund, Schalke oder Bochum antwortet."

Am Mittwochabend hatten Voigt zufolge drei Zuschauer Leroy Sané und Ilkay Gündogan während des Spiels rassistisch beleidigt und verunglimpft. Der Chefredakteur des Basketball-Magazins "Five" berichtete, dass Aussagen fielen, denen zufolge er sich auf einem "AfD-Parteitag" wähnte. Er schilderte sehr emotional, zum Teil mit Tränen in den Augen, wie schrecklich er sich gefühlt habe. Am schlimmsten sei für ihn gewesen, dass keiner der anderen Zuschauer eingegriffen habe. Voigt appellierte in dem Video: "Sagt was, sagt einfach was. Wenn nie jemand was sagt, geht das einfach immer so weiter." Dazu nahm auch Bayern-Profi Goretzka Stellung: "Ich kann nur alle aufrufen, mit viel Mut dagegen vorzugehen und solche Leute in die Schranken zu weisen."

Ermittlungen wegen Volksverhetzung

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Die mutmaßlichen Hetzer haben sich mittlerweile gestellt, sagte Polizeisprecher Thomas Figge: "Sie haben sich am Donnerstag um 14.30 Uhr hier gemeldet und eingeräumt, dass es sich bei den drei vermeintlichen Tätern um sie handelt. In einer ersten Vernehmung haben sie den Sachverhalt aus ihrer Sicht geschildert." Die Männer sollen aus der Gegend rund um Wolfsburg stammen und seien zwischen 30 und 40 Jahre alt, hieß es weiter. Dank Voigts Mithilfe, der eine Reihe vor den Hetzern saß, konnte der DFB den Käufer der betreffenden Platzkarten ausfindig machen, berichtete der Verband. Ob der Käufer zu den "Tätern" gehört, ist noch unklar.

Wolfsburgs Polizeichef Olaf Gösmann sagte der "Braunschweiger Zeitung" und den "Wolfsburger Nachrichten": "Die Polizei wird weitere Ermittlungen wegen Volksverhetzung durchführen und den Vorgang Anfang nächster Woche an die Staatsanwaltschaft Braunschweig abgeben." Sollte sich der Verdacht der Volksverhetzung bestätigen, drohen sogar Haftstrafen.

"Hautfarbe ist egal"

Der DFB arbeite in dem Fall eng mit der Polizei zusammen, so Pressesprecher Jens Grittner. Auf seiner Website gibt der Verband Tipps, wie Fans sich in einem solchen Fall verhalten können: Etwa sollte das Ordnungspersonal im Stadion kontaktiert werden. Außerdem bietet der DFB ein Fan-Telefon an, "über das jegliche Form von Hilfe angefordert werden kann".

Der DFB reagiert beim Thema Rassismus sehr sensibel. Im September 2017 hatten einige Anhänger der Nationalmannschaft beim Länderspiel in Tschechien mit Nazi-Parolen wie etwa "Sieg Heil" empört. Julian Brandt sagte damals: "Wenn Gesänge mit nationalsozialistischem Hintergrund kommen, gibt es keinen Grund, das noch zu unterstützen und in die Kurve zu gehen." DFB-Präsident Reinhard Grindel hatte erklärt: "Das ist ein klares Signal, das die Mannschaft da ausgesendet hat: Ihr seid nicht unsere Fans. Ihr seid Krawallmacher. Ihr habt im Stadion nichts verloren. Ihr missbraucht die Bühne des Fußballs. Wir sind nicht eure Mannschaft." Auch das umstrittene Treffen von Mesut Özil und Gündogan mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan hatte eine langwierige Debatte losgetreten, die teilweise rassistisch motiviert war.

Die Wolfsburger Vorfälle verurteilte Grindel "aufs Schärfste" und kündigte an, Stadionverbote zu verhängen sowie Strafanzeigen zu stellen. "Das hat mich sehr betroffen gemacht. Kein Spieler darf diskriminiert werden. Wir als DFB werden jedem, der das tut, die Rote Karte zeigen." Auch BVB-Profi Reus bekräftige seine Abneigung: "Das ist eine Sache, die absolut nicht geht, wofür wir absolut nicht stehen. Wir stehen für Vielfalt, die Hautfarbe ist egal." Und Goretzka ergänzte: "Integration ist bei uns kein Thema, sondern eine Selbstverständlichkeit".

Quelle: n-tv.de

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