Alonso-Erbe ist enger Freund Real Madrid feiert den neuen Zidane - oder Mourinho?

Ex-Profi bei Real Madrid, von der zweiten Mannschaft den Aufstieg zu den Profis genommen: Der Karriereweg von Álvaro Arbeloa gleicht verdächtig dem von Zinédine Zidane. Der neue Cheftrainer, der eng mit dem entlassenen Xabi Alonso befreundet ist, steht sofort unter Druck.
Kaum ist Xabi Alonso weg, feiern sie bei Real Madrid den neuen Zinédine Zidane. Nein, die Fußball-Legende ist nicht wirklich der Nachfolger des nach nur 232 Tagen entlassenen Trainers beim spanischen Spitzenteam. Aber einer, den sie mit Zidane vergleichen: Álvaro Arbeloa.
Ähnlich wie einst bei der Beförderung des französischen Superstars Anfang 2016 soll Arbeloa als bisheriger Coach der zweiten Mannschaft Real wieder zu neuen Erfolgen führen und die in letzter Zeit sich häufenden Demütigungen von Erzrivale FC Barcelona abstellen. So erhofft es sich zumindest der allmächtige Real-Präsident Florentino Pérez nach der Trennung des früheren Leverkusener Meistertrainers.
Und wird dabei tatkräftig unterstützt von der Real-nahen Fachzeitung "Marca", die den engen Alonso-Freund ebenfalls gleich zum "neuen Zinédine Zidane" erhob. Der Franzose hatte nach einer erfolgreichen Profikarriere bei Real auch zunächst als Coach des B-Teams angefangen, bevor er schließlich Toni Kroos & Co. dreimal in Serie zum Champions-League-Triumph führte.
"Gewinnen, gewinnen, gewinnen"
Der frühere Klub-Profi Arbeloa - immerhin Welt- und Europameister mit Spanien - habe seit 2020 bei Real als Jugend- und B-Team-Trainer mit insgesamt 151 Siegen in 200 Begegnungen "geglänzt", schrieb das Fachblatt "AS". Er sei ein "moderner" Coach. Enorm ist also offenbar der Vertrauensvorschuss, enorm ist aber auch der Druck. Der frühere Rechtsverteidiger hat als Coach zwar keine Erfahrung im Elite-Fußball, wird aber als Mann mit Charakter und einer engen Beziehung zu Klub-Boss Pérez gehandelt.
Er wisse, dass es bei den Königlichen nur darauf ankomme, "zu gewinnen, zu gewinnen und wieder zu gewinnen. Das liegt uns im Blut", sagte Arbeloa nun bei seiner ersten Pressekonferenz als Cheftrainer. "Es ist ein besonderer Tag. Wie alle Tage, an denen ich Teil von Madrid war. Ich bin seit 20 Jahren in diesem Verein. Es ist der beste Verein der Geschichte. Ich bin mir meiner Verantwortung bewusst und freue mich sehr darauf."
Dass er ausgerechnet auf Alonso folgt, mit dem er eng befreundet ist und mit dem er als Spieler viele Jahre zusammengespielt hatte, ist ein besonderer Aspekt. "Ich schätze ihn sehr und liebe ihn, ich weiß, dass das auf Gegenseitigkeit beruht. Und das wird auch so bleiben."
"Schwierige" Kabine lässt Arbeloa kalt
Die nur kurze Ära von Alonso war am Montag geendet - einen Tag nach dem 2:3 im spanischen Supercup-Finale gegen Barça. Schon im Dezember stand der frühere Weltklasse-Spieler vor dem Aus, ehe sich das Team um Superstar Kylian Mbappé und Co. etwas stabilisierte, aber keineswegs glänzte.
Der moderne Ansatz Alonsos war nicht gut angekommen beim Team, Vini Jr. kam nicht mit ihm klar, auch Jude Bellingham soll kein Fan gewesen sein. Der versprochene Rock'n'Roll-Fußball blieb aus. Nun erscheint es durchaus merkwürdig, dass Arbeloa innerhalb des Klubs ausgerechnet für seine moderne Herangehensweise geschätzt wird. Er setzt Drohnen für Trainingsaufnahmen ein, übt während der Spiele aktive Einflussnahme aus und schaffte es so mit dem B-Team auf Platz vier der dritten Liga. Wichtiger aber - vor allem zum Start: Ihm wird eine enge Verbindung zu mehreren Profis des Teams nachgesagt und hervorgehoben wird auch seine Erfahrung als ehemaliger Spieler, die ihm - wie es in Madrid heißt - Glaubwürdigkeit und Autorität im Kader verschaffen.
Dass er es mit einer "schwierigen" Kabine zu tun bekommen wird, lässt den Spanier kalt. "Das ist nichts, was mich sonderlich beunruhigt", so Arbeloa: "Wir haben einen Kader mit großartigen Spielern, die alle sehr nette Jungs sind. Niemand ist mehr daran interessiert, Titel zu gewinnen, als die Spieler selbst." Er könne sich entsprechend bei Real auch ein dauerhaftes Engagement vorstellen. "Ich bin seit 20 Jahren hier und werde bleiben, solange Madrid mich will. Hier bin ich zu Hause, so empfinde ich es."
Erstes Ligaspiel am 43. Geburtstag
Leicht wird seine Aufgabe aber nicht sein. Die Nerven liegen blank. Die Trennung von Alonso war eine Folge der sportlichen Krise: Neben der Niederlage gegen Barcelona im Supercup-Finale hinkt Real auch in der Liga dem Team von Trainer Hansi Flick mit vier Punkten Rückstand hinterher. In der Champions League rangieren die Madrileños derzeit nur auf Platz sieben - die Playoffs drohen.
Gleichzeitig träumen sie bei Real natürlich immer weiter: Arbeloa könne mit dem vorhandenen Spielermaterial ähnliche Erfolge wie Zidane erringen, heißt es in Madrid - auch wenn er als Coach und charakterlich eher mit dem früheren portugiesischen Klubtrainer José Mourinho verglichen wird. Der "Special One" galt als Motivationskünstler, war aber auch ein umstrittener Provokateur. Ein ganz anderer Typ Trainer und Mensch also als der eher ruhige Alonso.
Arbeloa muss sich zunächst in der Fußball-Provinz bewähren. Bereits am Mittwochabend steht das Pokal-Achtelfinalspiel gegen den Tabellen-17. der 2. Liga, Balompié Albacete, an. Für den Neuen gibt es keine große Einarbeitungszeit, schon am Samstag - an seinem 43. Geburtstag - folgt das Liga-Duell gegen UD Levante und am Dienstag darauf erneut vor eigenem, sehr anspruchsvollem Publikum im Bernabeu-Stadion das Champions-League-Duell mit der AS Monaco. Die Probezeit läuft.