Fußball

Hitziges Derby, Titelhoffnung weg Realo-BVB trifft Schalker Schweinehunde

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Es ging zur Sache: Schalkes Klaas Jan Huntelaar und der Dortmunder Sokratis.

(Foto: AP)

Ein wenig ärgern sich die Dortmunder schon, dass sie auf Schalke zweimal eine Führung hergeben. Der FC Bayern ist jetzt wohl weg. Allerdings gibt es für den BVB wichtigere Spiele. "Wir sind Realisten", sagt Manager Zorc.

Matthias Ginter sah aus, als habe er gerade kein Fußballbundesligaspiel, sondern einen Boxkampf bestritten. Seine Unterlippe war blutig und dick geschwollen - der Nationalspieler wirkte schwer mitgenommen. Ein Ellbogencheck seines Gegenspielers Junior Caicara hatte den Dortmunder so zugerichtet, dass es wirklich nicht schön aussah. Solche Körperlichkeit war genau das, was André Breitenreiter von seinen Profis gefordert hatte. "Es sind alles saubere Jungs, die ich gerne zum Grillen einlade", hatte Schalkes Trainer vor dem Anpfiff des Revierderbys erklärt, "aber ich erwarte auf dem Platz auch mal Schweinehunde, die gegen Widerstände angehen."

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Und weil's so schön war: Nochmal Huntelaar, nochmal Sokratis - und dazu Nuri Sahin.

(Foto: dpa)

Dem kamen seine Spieler nach verschlafener erster Hälfte zumindest in der turbulenten zweiten Halbzeit nach. Breitenreiter stufte die Härte als "im Rahmen" ein, "das war völlig normal, da war nichts Boshaftes dabei." Das sah Torhüter Ralf Fährmann genauso, der "echte Männer" auf dem Platz sah: "Wer in einem Derby nicht dazwischenhaut, hat den Beruf verfehlt." Am Ende hatten sich Schalke und Borussia Dortmund vor 61.670 Zuschauern in der ausverkauften Schalker Arena in einer zunächst langweiligen und später umso hitzigeren Partie mit 2:2 (0:0) getrennt. Ein Ergebnis, das die Gastgeber freudiger zurückließ, schließlich war es ihnen gelungen, das Spiel gegen einen technisch überlegenen Gegner trotz Rückständen nicht zu verlieren. "Wenn du zwei Mal in Führung gehst und das zwei Mal hergibst, ist das extrem bitter", sagte Dortmunds Mittelfeldspieler Nuri Sahin.

Vor Spielbeginn waren die Schalker daran erinnert worden, was von ihnen in der 148. Auflage des ewig jungen Klassikers erwartet wurde: "Spieler in unseren Farben laufen, grätschen, sprinten & kämpfen bis zum Umfallen." Garniert mit drei Ausrufezeichen, um der Ermahnung noch mehr Nachdruck zu verliehen. Schalkes Fans waren sauer, die unterirdische Leistung beim 0:3 in Ingolstadt wirkte nach. Die folgenden 90 Minuten boten eine ideale Gelegenheit, das ramponierte Image aufzupolieren. Schließlich wiegen drei Punkte im prestigeträchtigen Revierderby in der Wahrnehmung der Fans besonders schwer.

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Ein Sieg ist es zwar nicht geworden, trotzdem durften sich die Männer in blau-weiß als gefühlte Gewinner betrachten: "Es war ein gutes Spiel, schließlich sind wir zwei Mal zurückgekommen", betonte Stürmer Klaas-Jan Huntelaar. Und Breitenreiter ergänzte, er sei mit der Vorstellung "total einverstanden. Wir haben große Moral gezeigt." Sein Kollege Thomas Tuchel rotierte kräftig, im Vergleich zum Spiel am Donnerstag in der Europaliga beorderte er gleich acht neue Spieler in die Startformation und ließ so wichtige Akteure wie Mchitarjan, Reus, Aubameyang, Piszczek, Castro und Gündogan auf der Bank. Das Zeichen, das er damit seinen Spielern gab, war kaum misszuverstehen: Das Derby genießt nicht unsere höchste Priorität, das wichtigere Spiel steigt am Donnerstag beim Rückspiel in Liverpool. Sportdirektor Michael Zorc hatte "großes Verständnis" für die Rochaden, "schließlich haben wir in Deutschland mit Abstand die meisten Spiele in den Knochen".

"Und die Bayern gewinnen jedes Mal"

Die Dortmunder hatten in der ersten Hälfte in einer schwachen Begegnung auch im Sparmodus keine Probleme, die Kontrolle über das Spielgeschehen zu behalten, weil die Gastgeber aus Gelsenkirchen jegliche Sicherheit vermissen ließen. Zahllose Stockfehler und Ungenauigkeiten im Passspiel verhinderten, dass Schalke Gefahr entwickelte. Immer wieder tauchte Breitenreiter am Spielfeldrand auf, um seine kickende Belegschaft lautstark zu mehr Engagement aufzufordern. Auch Dortmund tat zu wenig, und so plätscherte eine müde Veranstaltung träge vor sich hin. Die beste Chance hatte Youngster Christian Pulisic, als er das Tempo anzog und frei vor Fährmann auftauchte. Der Amerikaner hätte selbst vollstrecken oder auf den mitgelaufenen Erik Durm auflegen können, schob den Ball jedoch am langen Pfosten vorbei.

Es dauerte mehr als eine halbe Stunde, bis Schalke erstmals gefährlich vor dem Dortmunder Tor auftauchte. Leroy Sane zog aus 20 Metern ab, aber sein Schuss klatschte an den Pfosten. Doch so richtig waren die Schalker noch immer nicht im Spiel. Vier Minuten waren in der zweiten Hälfte gespielt, da eskortierten die Gastgeber ihre Gegner, anstatt den Kombinationsfluss resolut zu unterbinden. Am Ende der Verwertungskette stand Shinji Kagawa, dessen herrlicher Heber sich in die lange Ecke senkte. Schalke schüttelte sich und schlug zurück. Sane versenkte einen Abpraller mit Urgewalt im Netz, erstmals stiegen die Phonzahlen in der Arena in den ohrenbetäubenden Bereich. Im Derby war nun Gift und Galle, das Schiedsrichter Felix Zwayer unterbrach, weil vor einem Dortmunder Eckball Gegenstände auf den Rasen flogen. Auch im vor der Pause so langweiligen Spiel überschlugen sich die Ereignisse, in der 56. Minute brachte Ginter den BVB per Kopf erneut in Führung.

Einmal mehr kam Schalke zurück, in der 66. Minute verwandelte Klaas-Jan Huntelaar einen Foulelfmeter, er selbst war zuvor von Sokratis von den Beinen geholt worden. Die Gastgeber ließen zwar spielerisch viele Wünsche offen, aber sie zeigten Moral. Und weiter ging die wilde Achterbahnfahrt, Mchitrajan vergab die riesige Möglichkeit, den BVB zum dritten Mal in Führung zu bringen. So blieb es bei einem Unentschieden, das sich Schalke hart erarbeitet hatte. Der Vorsprung des FC Bayern an der Tabellenspitze ist damit fünf Spieltage vor Saisonende auf sieben Punkte angewachsen. Die ohnehin vagen Hoffnungen auf die Meisterschaft sind damit in Dortmund noch weiter gesunken. "Wir sind alle Realisten", sagt Zorc, "die Spiele werden weniger, und die Bayern gewinnen jedes Mal." Auch Tuchel hält es für ein "sehr realistisches Szenario, dass die Bayern Meister werden." Dortmunds Trainer lächelte, als er sagte: "Ich weiß nicht, ob es die große Aufholjagd noch gibt."

Quelle: n-tv.de

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