Fußball

Atempause für Flüchtlinge St. Pauli und BVB sagen "Refugees welcome"

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Kurz bevor sie mit den Spielern auf den Rasen laufen posieren Flüchtlingskinder mit St. Pauli-T-Shirts.

(Foto: dpa)

Es sollte ein Freundschaftsspiel werden und wird zu einer großen Geste: Über 1000 Flüchtlinge besuchen das Match zwischen Borussia Dortmund und St. Pauli - und können wenigstens für 90 Minuten ihre existenziellen Sorgen vergessen.

Es war ein Freundschaftsspiel im wahrsten Sinne des Wortes - und für mehr als 1000 Kriegsflüchtlinge am Hamburger Millerntor eine 90-minütige Atempause im existenziellen Kampf um den Start in ein neues Leben. Dass Bundesliga-Spitzenreiter Borussia Dortmund den Testkick beim FC St. Pauli mit 2:1 (2:1) durch Tore von Gonzalo Castro (9.) und Adnan Januzaj (18.) gewann, geriet da zur absoluten Nebensache. Den Ehrentreffer für die Gastgeber erzielte Fafa Picault (35.).

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Die Fans von St. Pauli heißen Flüchtlinge herzlich willkommen in Hamburg.

(Foto: imago/Thomas Bielefeld)

"Refugees Welcome" - dieses Transparent trugen beide Mannschaften demonstrativ ins Stadion. Für den seit jeher politisch engagierten Trainer Ewald Lienen eine Aktion mit Symbolcharakter: "Dieses Banner muss jetzt mit Leben gefüllt werden. Ein solches Spiel hilft den Leuten, die hier waren, nicht im Alltag. Wir konnten aber ein Statement abgeben, das unglaublich wichtig ist."

Dass der Zweitliga-Klub eben doch noch ein etwas anderer Verein ist, zeigte sich schon vor dem Anpfiff. Viele der 25.731 Fans versammelten sich schon weit vor Spielbeginn vor der Arena, gestalteten ein "Get together" mit den zum Spiel eingeladenen Flüchtlingen, die teilweise schon seit Wochen in einer benachbarten Messehalle provisorisch untergebracht sind. Mehrere Profis hatten ihnen dort auch einen Besuch abgestattet, schwer beladen mit Spielzeug für die Kinder.

Beim Einlauf fließen Tränen

30 von ihnen wurden als Einlaufkinder ausgewählt, bei ihrem Auftritt an den Händen der Profis flossen einige Tränen - bei den Kindern und auch so manchem Zuschauer. Emotional bewegt war auch St. Paulis neuer Geschäftsführer Andreas Rettig: "Jeder bei uns setzt sich mit diesem Thema auseinander."

Coach Lienen denkt angesichts des nicht abreißenden Stroms von Flüchtlingen, die Leib und Leben für einen Neustart in Deutschland riskieren, mittlerweile schon in größeren Kategorien, ihm sind besonders die rechtsradikalen Tendenzen einiger Unbelehrbahrer, aber auch die kriminelle Schlepperszene ein Dorn im Auge. "Es ist auch unsere Aufgabe, die Menschen vor diesem Pöbel zu schützen. Den würde ich am liebsten mit den Schleppern zusammen dahin schicken, wo die Flüchtlinge herkommen", formulierte der 61-Jährige pointiert und mit aller Entschiedenheit.

Und einer, der selbst vor 25 Jahren als bosnischer Flüchtling nach Deutschland kam, war von der Herzlichkeit rund um das Heiligengeistfeld ganz besonders beeindruckt. "Da kriege ich eine Gänsehaut", sagte BVB-Verteidiger Neven Subotic, der schon vor zwei Jahren eine Stiftung gründete, die weltweit notleidenden Kindern hilft.

Quelle: n-tv.de, Andreas Frank, sid

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