Fußball

Harte Strafen der Schiedsrichter Trainer wollen Fußball-Emotionen bewahren

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Was dürfen Spieler noch? Tobias Stieler zeigt Gladbachs Plea für eine Respektlosigkeit Gelb-Rot.

(Foto: imago images/Kirchner-Media)

Die Debatte über den neuen Kurs der Schiedsrichter im Umgang mit Respektlosigkeiten beschäftigt die Fußball-Szene. Vor dem Pokal-Achtelfinale rufen Trainer zur Besonnenheit auf, wollen ihre Spieler aber nicht zu "Zinnsoldaten" oder "Lämmern" verkommen lassen.

Die "neue harte Welle" der Schiedsrichter in der Fußball-Bundesliga schlägt weiter hohe Wellen. Kritiker befürchten nach der umstrittenen "Ampelkarte" für Borussia Mönchengladbachs Stürmer Alassane Plea wegen Protesten und einer abfälligen Geste bereits die verordnete Abschaffung von Emotionen im Fußball. Vor den Pokal-Achtelfinals riefen mehrere Trainer jedoch zu einem besonnenen Umgang mit den strengeren Strafen für Respektlosigkeiten gegenüber Unparteiischen auf.

"Emotionen machen diesen Sport groß. Eine Emotion zu zeigen, ist nicht zwingend unfair. Du bist als Trainer oder Spieler aber natürlich in der Pflicht, dass es in einem vernünftigem Rahmen bleibt", sagte Chefcoach Julian Nagelsmann von Bundesliga-Herbstmeister RB Leipzig zur Problematik. Die entsprechenden Grenzen hatte Plea beim 2:2 der Gladbacher bei Nagelsmanns Mannschaft nach Einschätzung von Schiedsrichter Tobias Stieler überschritten. Die Lamenti des Franzosen waren für den Referee "so nicht mehr akzeptabel": Erst reklamierte Plea und sah dafür Gelb, ehe der Angreifer unmittelbar darauf geringschätzig abwinkte und dafür Gelb-Rot erhielt.

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Gladbachs Manager Max Eberl verband seine Kritik an Stieler mit dem Bild eines drastischen Szenarios: "Ich erwarte schon, dass wir uns auch ein bisschen regen dürfen und keine Zinnsoldaten werden, die nur funktionieren." Vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) erhielt Stieler für seine Konsequenz jedoch ausdrücklich Rückendeckung: "Wir haben", erklärte der Trainings- und Qualifizierungsleiter sowie früher Topreferee Peter Sippel zu Wochenbeginn bei "sportschau.de", "eine klare Linie zum Vorgehen gegen Unsportlichkeiten im Vorfeld der Rückrunde definiert und kommuniziert." Der Verband ist demnach offenbar auch entschlossen, Standhaftigkeit demonstrieren und trotz der teils heftigen Kritik an der neuen Linie festhalten zu wollen.

"Emotionen darf man nicht verbieten"

Nagelsmann kündigte vor der Reise zum Pokal-Achtelfinale am Dienstag beim Ligakonkurrenten Eintracht Frankfurt Bemühungen um maßvolle Reaktionen seiner Spieler auf Schiedsrichter-Entscheidungen an. Gleichwohl will der Coach sein Team nicht so einstellen, "dass sie gar nichts mehr machen und wie Lämmer über den Platz laufen". Schalke-Coach David Wagner sieht derweil die Verknüpfung der Richtlinie mit einer vermeintlichen Vorbildfunktion kritisch - denn Jagdszenen wie im Amateurfußball gebe es schließlich nicht in der Bundesliga. "Ich blicke den Zusammenhang nicht zwischen dem, was im Amateurfußball passiert, was absolut zu verurteilen ist, und dem, wie sich die Spieler in der Bundesliga verhalten", sagte er.

Borussia Dortmunds Trainer Lucien Favre, ein ruhiger Vertreter seiner Zunft, hat unterdessen am verschärften Kurs der Unparteiischen nur wenig auszusetzen. "Dass die Schiedsrichter jetzt angehalten sind, schneller Gelb zu zeigen, ist okay", sagte der Schweizer vor dem Pokal-Duell am Dienstag bei Werder Bremen. Aus Favres Sicht ist schlichtweg Akzeptanz für die Referees der Schlüssel zur Problemlösung: "Wenn gepfiffen ist, muss man das respektieren und weiterspielen."

Sein Frankfurter Kollege Adi Hütter macht sich unterdessen trotz ähnlicher Grundüberzeugungen ("Das Wichtigste ist der Respekt den Schiedsrichtern gegenüber") Gedanken über die weitere Entwicklung: "Wo beginnt es, und wo hört es auf? In Zukunft wird die Frage sein: Was darf man machen? Darf man in die Hände klatschen? Gibt es dann nichts? Aber wenn wir so weit sind, dass Trainer und Spieler nichts mehr sagen dürfen und die ganze Emotionalität verloren geht, fände ich es schade. Emotionen sollten bleiben, die darf man nicht verbieten."

Quelle: ntv.de, Dietmar Kramer, sid