Fußball

Jagdszenen auf Bieberer Berg Traurig. Unwürdig. Überflüssig. Abschaffen!

58809494.jpg

Der Offenbacher Torhüter Daniel Endres liegt nach der 1:3-Niederlage auf dem Rasen. Im Hintergrund schauen ihm die Polizisten zu, die zuvor einen Platzsturm Offenbacher Fans beendet hatten.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die 3. Liga ist der Einstieg in den Profifußball. Doch es gibt sechs Kandidaten aus fünf Regionalligen für drei Aufstiegsplätze. Der DFB lässt deshalb darum spielen. Das ist grob unsportlich - und schürt Fanfrust.

Es lässt sich bereits trefflich darüber streiten, ob der deutsche Fußball in den Bundesligen Relegationsspiele braucht. Was aber völlig überflüssig ist, sind die Aufstiegsspiele in die 3. Liga. Aus den fünf Relegationsligen treten sechs Teams in drei ausgelosten Partien an, um drei Aufsteiger in den Profifußball auszuspielen. Aus sechs mach drei - dieses Nadelöhr wird in jedem Jahr von Trainern, Spielern, Fans und Medien kritisiert. Die Forderung heißt: Abschaffen, DFB! Und das zu Recht.

58709614.jpg

Magdeburger Aufstiegsjubel: Der einzige Europapokalsieger der DDR ist edlich im Profifußball angekommen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Es spielen die fünf Regionalligameister - und der Zweitplatzierte aus der Regionalliga Südwest. Der Grund: In dieser Region hat der DFB die meisten Mannschaften und Mitglieder. Ein Sonderrecht für den Erstplatzierten gibt es dabei nicht. Das kann dann zu dem Kuriosum führen, dass der Meister dieser Liga in den Aufstiegsspielen scheitert, der Zweitplatzierte aber aufsteigt. So geschehen 2013, als statt des Meisters Hessen Kassel dem Zweitplatzierten SV Elversberg der Sprung in die 3. Liga gelingt.

Wenn Fußballtradition im Nadelöhr steckenbleibt

Wesentlich konfliktreicher ist aber die Tatsache, dass sich regelmäßig die stärksten Mannschaften aller fünf Regionalligen in einer Partie gegenüberstehen. Das war bei Sportfreunde Lotte gegen RB Leipzig 2013 so, bei Fortuna Köln gegen Bayern München II  im Vorjahr und ist es nun wieder bei 1. FC Magdeburg gegen Kickers Offenbach. Beim 1. FCM stehen 19 ungeschlagene Spiele in Serie auf der Habenseite, beim OFC sogar 29. Da trifft der einzige Europapokalsieger der DDR auf den zweifachen deutschen Vizemeister und DFB-Pokalsieger. Geballte Fußballtradition auf beiden Seiten. Aber nur ein Team darf in den bezahlten Fußball.

Ein absoluter Wahnsinn, eine Schande und ein Faustschlag ins Gesicht zehntausender Fußballfans! Beim Hinspiel in Magdeburg sind mehr als 23.000 Fans im Stadion, beim Rückspiel auf dem Bieberer Berg erneut ausverkauft mit mehr als 20.000 Zuschauern. Im Hinspiel erzielt der TV-Sender MDR Einschaltquoten, die bei um die 20 Prozent liegen, fast 700.000 Zuschauer verfolgen die stimmungsvolle Partie vorm Fernseher. Das Interesse ist enorm, weil beide Teams das haben, was beispielsweise dem neuen DFB-Pokalsieger VfL Wolfsburg abgeht: Fankultur und Tradition satt. Beide Vereine sind längst reif für die Rückkehr in den bezahlten Fußball. Aber Offenbach muss warten, der Frust der Fans entlädt sich fast vorhersagbar in einem Platzsturm.

"Das hat mit Fußball nichts zu tun. Das wollen wir hier nicht sehen. Das ist eine Katastrophe für den Fußball und unseren Verein", sagt OFC-Präsident Claus-Arwed Lauprecht sichtlich ergriffen daraufhin. Laiprecht hätte aber auch die unwürdigen Aufstiegsspiele an sich meinen können.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema