Fußball

Wie dumm muss man sein? Warum Grindel als DFB-Chef nicht tragbar ist

118884065.jpg

Und nun? Reinhard Grindel

(Foto: picture alliance/dpa)

Reinhard Grindel bekommt Geld vom Verband, von dem lange kaum jemand weiß. Er lässt sich von einem ukrainischen Oligarchen und Funktionärskollegen eine teure Uhr schenken. Ist das dumm, gierig oder beides? Das Ende seiner Amtszeit steht bevor.

Wie dumm muss man sein? Wer als Fußballfunktionär, als ranghöchster deutscher zumal, eine teure Uhr als Geschenk bekommt, der kann nur eins tun: schreiend rausrennen und die Tür zuschlagen. Wenn er es ehrlich meint mit der Transparenz. Nach allem, was wir wissen, hat Reinhard Grindel das nicht getan. Der Präsident des DFB soll, so berichtet es die "Bild"-Zeitung, die Luxusuhr nicht nur angenommen, sondern, das schreibt der "Spiegel", mit ihr in der Zentrale des DFB in Frankfurt auch herumgeprotzt haben. Und das, obwohl Mitarbeiter seines Büros ihm geraten haben sollen, das dubiose Geschenk besser zurückzugeben.

Er hätte auf sie hören sollen. Nun sollte Grindel sich darauf vorbereiten, dass sich seine seit drei Jahren währende Amtszeit sehr schnell dem Ende zuneigt. (Nachtrag 13.18 Uhr: Mehrere Medien berichten übereinstimmend, dass Grindel noch an diesem Dienstag von seinem Amt zurücktritt. Und noch ein Nachtrag, 14.26 Uhr: mittlerweile ist der Rücktritt offiziell) Die Dynamik, die jetzt entsteht, ja längst entstanden ist, kann er nicht dadurch aufhalten, dass er weiter abwiegelt und beschwichtigt. Beim DFB hat der ehemalige ZDF-Journalist und CDU-Bundestagsabgeordnete nie eine Hausmacht gehabt, in Kreisen der Nationalelf gilt er als Sicherheitsrisiko. Von wichtigen Entscheidungen wie die Anfang März, auf die Spieler Mats Hummels, Jérôme Boateng und Thomas Müller zu verzichten, erfährt er so spät wie möglich.

"Compliance", "Transparenz" und "Ethik"

Die Delegierten des DFB-Bundestags hatten Grindel am 15. April 2016 gewählt, weil Wolfgang Niersbach im Zuge des Skandals um die Vergabe der Weltmeisterschaft 2006 an Deutschland zurücktreten musste. Und es war kein anderer da, der einen Neuanfang glaubhaft verkörpert hätte. Zumindest haben sie niemanden gefunden. Grindel war seit Oktober 2013 Schatzmeister des DFB. Und der weltgrößte Fußballverband brauchte jemanden, der unbelastet jeglicher Korruptionsvorwürfe für Ruhe sorgt, nachdem die Affäre um das Sommermärchen, die dubiosen Konten und Millionenzahlungen nach Katar und in die Karibik, viel Reputation und Glaubwürdigkeit gekostet hatten.

Seit seiner Wahl gehörten die Worte "Compliance", also die Einhaltung von Regeln, Vereinbarungen und Gesetzen, "Transparenz" und "Ethik" zu Grindels Standardvokabular. Für diese Werte wollte er stehen, das war das Pfund, mit dem er wucherte. Nun stellt sich die Frage, ob er das alles nur vorgegaukelt hat. Grindel sitzt ja nicht nur in den Exekutivkomitees der Fifa und der Uefa. Seit dem 1. Juni ist er auch Vorsitzender der Governance- und Compliance-Kommission des europäischen Verbandes. Die ist für den Kampf gegen Korruption zuständig, steht für, genau, "Compliance", "Transparenz" und "Ethik".

Spätestens seit der Sache mit der Uhr steckt Grindel tief in der Bredouille. Zuvor hatte der "Spiegel" berichtet, dass er Einkünfte über 78.000 Euro als Aufsichtsratschef der DFB-Medien Verwaltungs-Gesellschaft zwischen 2016 und 2017 nicht publik gemacht habe. Wie dumm muss man sein? Vielleicht ist es gar keine Dummheit, sondern einfach nur Gier respektive mangelnde Transparenz. Oder, das dürfte der Wahrheit am nächsten kommen, eine unselige Mischung aus beidem. Der DFB braucht also einen neuen Präsidenten. Grindel ist nicht mehr tragbar.

Es stellt sich nur noch die Frage, wer sein Nachfolger werden könnte. Seine Kollegen im Präsidium sollen ihm nahegelegt haben, vor dem nächsten Bundestag des Verbandes im September zurückzutreten. Dann könne er zumindest seine Jobs bei Fifa und Uefa behalten. Auch das klingt schon wieder nach einem unsauberen Deal. Am Montagabend bei der Gala zur Eröffnung der Hall of Fame des deutschen Fußballs in Dortmund verschwand der Präsident, der doch eigentlich der Chef des Ganzen ist, durch den Hinterausgang.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema