Fußball

DFL lässt wichtigste Frage offen Warum der Plan der Bundesliga scheitert

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Geht es nach der DFL, rollt der Ball in der Bundesliga bald wieder.

(Foto: imago images/Eduard Bopp)

Der Profifußball ist bereit für den Neustart, sagt die DFL und macht subtil Druck auf die Politik. Dabei bleibt im Plan der Bundesligen eine entscheidende Frage offen. Obwohl die Antwort eindeutig erscheint.

Als Christian Seifert vor die Öffentlichkeit trat, erschien der Chef der Deutschen Fußball-Liga ungewohnt defensiv. Er räumte ein, dass es "mit Sicherheit zahlreiche Gründe gebe", den Plan der DFL abzulehnen. Dieser sieht vor, dass die 1. und 2. Bundesliga in naher Zukunft ihren Spielbetrieb wieder aufnehmen. Natürlich ohne Zuschauer, mit Geisterspielen als Ausweg aus der Corona-bedingten Saisonunterbrechung. Seifert sprach von "Nachsicht" und "Unterstützung", die er sich stellvertretend für den Zusammenschluss der 36 Profiklubs erhoffe. Danach erhöhte er massiv den Druck auf die Konferenz der Ministerpräsidenten und Angela Merkel, die am 30. April entscheiden, ob aus der Idee mehr wird als nur ein Gedankenspiel. Die DFL habe schließlich alles getan, um einen sicheren Ablauf zu gewährleisten. Dabei ließ Seifert die entscheidende Frage unbeantwortet.

Was passiert, wenn ein Spieler positiv auf das Coronavirus getestet wird? Der DFL-Plan scheint getragen von der Idee, dass genau dieser Fall nicht eintritt. Nur so ist es möglich, die verbleibenden Spieltage durchzuziehen und bis zum 30. Juni ermittelt zu haben, wer sich Deutscher Meister nennen darf, wer auf- und wer absteigt, wer in der nächsten Saison in der Champions League spielt. Wann diese nächste Saison beginnt, ist ein ganz anderes Problem, das Seifert jedoch zunächst ausblendete, indem er darum bat, in kurzen Zeitabschnitten zu denken.

Deshalb zurück zur Ausgangsfrage: Was, wenn der Corona-Test eines Spielers positiv ausfällt? Von diesen Tests soll es mindestens einen, eher zwei pro Woche geben. Schließlich drängt die Zeit: Neun Spiele muss jede Mannschaft noch absolvieren, im besten Fall - wenn es am 9. Mai wieder losgeht - bleiben dafür sieben Wochen. Englische Wochen, mit Spielen etwa am Mittwoch und am Samstag, sind dafür unumgänglich. Im Idealfall fallen all diese Tests, nach DFL-Berechnungen rund 20.000, negativ aus. Dann ist die Saison vorbei und nichts passiert.

Welcher Verein schwächt sich selbst?

Was aber, wenn etwas passiert? Seifert sprach von "angepassten Quarantäne-Konzepten". Dahinter steckt offenbar in erster Linie, dass der Profifußball die Verantwortung abschiebt. Auf die Gesundheitsämter. Die müssen im Infektionsfall benachrichtigt werden und sollen dann entscheiden, wer sich für mindestens 14 Tage aus dem Verkehr ziehen muss. Barbara Gärtner, Mitglied der für das Konzept mitverantwortlichen Task Force Sportmedizin/Sonderspielbetrieb, sagte dazu auf Nachfrage: "Wenn das Gesundheitsamt das nicht anordnet, können die Vereine das selbst anordnen." Dass ein Verein seinen Kader über das von außen verordnete Maß hinaus verkleinert, erscheint zumindest nicht zwingend.

Also trifft es nur, dessen Test positiv ausfällt? Oder auch alle, gegen die er Zweikämpfe bestritten hat? Neben denen er, schwitzend und schwer atmend, dicht gedrängt im Strafraum auf die Ausführung eines Eckballs gewartet hat? Sollen die Gesundheitsämter entscheiden. Statt klare Vorgaben zu machen, riet die DFL ihren Klubs schon vorher, "für einen ausreichend großen Kader im Saisonfinale zu sorgen". Also sinngemäß: Seht zu, dass euch die Spieler nicht ausgehen.

Das nicht kommunizierte Szenario

Dabei mangelte es im DFL-Plan nicht grundsätzlich an klaren Vorgaben. In der 1. Bundesliga etwa dürfen sich bei einem Geisterspiel inklusive Spielern, Trainern und Schiedsrichtern maximal 98 Personen im Innenraum aufhalten, in der 2. Bundesliga nur 90. Auf den Tribünen sind im Oberhaus 115 Menschen erlaubt, im Unterhaus 98. Diese Zahlen sind das Ergebnis genauer Überlegungen: Wie viele Ersatzspieler es braucht, wie viele Betreuer, Kameraleute, Journalisten und und und.

Dabei erscheint die Überlegung, was im Falle einer Infektion zu tun ist, simpel. Zumindest jetzt, in einer Zeit, in der die Pandemie in Deutschland zwar angekommen ist, aber sich eben auch noch in ihrer Anfangsphase befindet. Wenn also ein positiver Test vorliegt, geht es darum, die Ausbreitung so konsequent wie möglich zu bremsen. Was bei einem Sport, der mit so viel Körperkontakt einhergeht wie der Fußball, nur eine Quarantäne aller direkten Kontaktpersonen zur Folge haben kann. Und damit der gesamten Mannschaft.

Was wiederum erklärt, warum dieses Szenario nicht kommuniziert wird. Weil es den Abbruch der Saison unumgänglich macht.

Quelle: ntv.de