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Fragen und Antworten zum Fifa-Skandal Was passiert gerade? Und was macht Blatter?

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(Foto: REUTERS)

Die ganze Welt schaut gebannt auf die Fifa. Nach den dramatischen Entwicklungen mit Festnahmen und Suspendierungen von Top-Funktionären des Fußball-Weltverbandes ist unklar, ob die sonst so glamouröse Veranstaltung stattfinden wird. Und wenn doch, ist der Fifa-Boss noch zu halten? Eine Mehrheit für Joseph Blatter bei den anstehenden Präsidentschaftswahlen scheint zumindest nicht mehr garantiert.

Was passiert gerade?
Blatter hat Vertreter aller sechs Konföderationen zu einer Sondersitzung in Zürich eingeladen. Das Treffen findet zur Stunde statt. Einziger Tagesordnungspunkt ist die Situation vor dem Fifa-Kongress, der am Nachmittag in einem Theater in Zürich eröffnet werden soll. Für die Uefa nimmt Präsident Michel Platini an dem Treffen teil. Die Europäische Fußball-Union positioniert sich gegen Blatter und fordert eine Verschiebung des Kongresses samt Präsidentschaftswahlen. Ein Boykott der Veranstaltung im Züricher Hallenstadion wird als Möglichkeit in Erwägung gezogen.

Unterstützung bekommen die Blatter-Gegner derweil auch aus anderen Kontinentalverbänden. Vertreter der südamerikanischen Konföderation CONMEBOL wollen bei internen Gesprächen ihr Wahlverhalten ernsthaft überdenken. Zudem sollen Gespräche mit Funktionären der Uefa und der CONCACAF-Zone aus Nord- und Mittelamerika gesucht werden.

Was ist Blatters Strategie?
Blatter sagte angesichts der aktuellen Ereignisse alle geplanten Auftritte vor der offiziellen Kongress-Eröffnung um 17 Uhr in einem Zürcher Theater ab. Zuerst schien es noch, als wolle Blatter die Krise wieder einmal aussitzen. Dann meldete er sich doch zu Wort und versprach den Kampf gegen die bösen Mächte des Fußballs. Diese Linie dürfte er bis zum Kongress durchziehen. Seinen Kontrahenten Platz zu machen, kommt für den 79-Jährigen einfach nicht infrage.

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Entgegen britischer Medienberichte darf Blatter die Schweiz wohl verlassen. Die "Daily Mail" hatte berichtet, dass der Fifa-Boss das Land nicht verlassen dürfe. Das dementierte die Fifa gegenüber der "Bild"-Zeitung, demnach gibt es "aktuell keine Einreisebeschränkungen". Er dürfe sich frei bewegen, müsse sich aber für Gespräche mit den Ermittlungsbehörden bereithalten.

Wer steht noch hinter Blatter?
Die asiatische Konföderation AFC erneuert ihr Treuebekenntnis zu Blatter. In einem AFC-Statement hieß es: "Die Asiatische Fußball-Konföderation drückt ihre Enttäuschung und Trauer über die Ereignisse aus, lehnt eine Verschiebung der Präsidentschaftswahlen aber ab." Darüber hinaus stehe man zu der Entscheidung, "Fifa-Präsident Joseph S. Blatter zu unterstützen". Die AFC hat bei der Wahl 46 von 209 Stimmen. Auch Afrika (54 Stimmen) steht offenbar weiter treu zu Blatter.

Wie stehen die Chancen für eine Wiederwahl Blatters?
Eine Koalition aus Europa und Südamerika - deren Länder bislang alle 20 WM-Titel seit 1930 gewannen - würde nicht für eine Mehrheit reichen. Beide Konföderationen haben zusammen nur 63 Stimmen. Daher wird offenbar in bilateralen Verhandlungen eine Allianz mit den durch die Enthüllungen der US-Justiz ebenfalls stark belasteten CONCACAF-Zone (35 Stimmen) gesucht. Sogar bei einem Dreierpakt müssten noch Einzelstimmen aus Afrika, Asien oder Ozeanien (11) für Al-Hussein gefunden werden, um Blatter gefährlich werden zu können. Vor dem Skandal galt eine satte Zwei-Drittel-Mehrheit für Blatter als sicher.

Was bedeuten die Untersuchungen für die WM 2018 und 2022?
Noch ist in der WM-Frage nichts Entscheidendes passiert. Die Staatsanwaltschaft ermittelt und tut dies vermutlich auf deutlich professionellere und unabhängigere Weise, als es die Fifa-Ethikhüter je haben tun können. Tatsächlich wurden die Durchsuchungen im Fifa-Hauptquartier erst durch die Strafanzeige des Weltverbandes angestoßen. Nun darf mit Spannung abgewartet werden, was die eidgenössischen Ermittler aufspüren - auch bei ihren angekündigten Verhören der Wahlmänner aus dem Fifa-Exko von 2010.

Wie wahrscheinlich ist eine Neuvergabe der Turniere, eventuell sogar nach Deutschland?
Für eine Neuausschreibung gibt es noch keine konkreten Anzeichen. Erst wenn die Schweizer Ermittler tatsächlich belastbare Beweise für Korruption finden, könnte diese Diskussion eine juristisch tragbare Grundlage finden. Der Imageschaden für die Fifa und ihre WM-Ausrichter Russland und Katar wäre aber immens. Spätestens dann müsste es auch zu einer Neubesetzung der Fifa-Spitze kommen. Im Fall der Fälle ist Deutschland natürlich immer eine Gastgeber-Option.

Quelle: n-tv.de, mit dpa und sid

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