Fußball

So läuft's gegen Argentinien Wenn der letzte Weltmeister auf der Bank sitzt

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Der letzte seiner Art: Manuel Neuer, hier beim 1:1 im Testspiel Anfang März in Wolfsburg gegen Serbien. Die Herren rechts neben ihm, bitte das Bild anklicken, fehlen übrigens in Dortmund allesamt verletzt. Das sind Kevin Trapp, Nico Schulz und Antonio Rüdiger.

(Foto: imago images / ActionPictures)

Wenn alles schiefgeht, fehlen dem Bundestrainer beim Fußballtestspiel gegen Argentinien 14 Spieler. Es wird das erste Mal sein, dass kein Weltmeister von 2014 dabei ist. Das große Problem sieht Joachim Löw aber darin, dass sich die DFB-Elf nicht für die EM einspielen kann.

Worum geht's?

Gemessen an den Krankmeldungen der vergangenen Tage steht Bundestrainer Joachim Löw vor der Begegnung mit Argentinien heute Abend in Dortmund (ab 20.45 Uhr bei RTL und im Liveticker bei n-tv.de) einzig und allein vor der Aufgabe, elf gesunde Fußballspieler für die deutsche Nationalmannschaft zu finden. Unsere Prognose: Er wird das schaffen. Und schließlich ist es ja nur ein Testspiel. Ernst wird es dann erst am Sonntag (ebenfalls ab 20.45 Uhr bei RTL und im Liveticker bei n-tv.de), wenn es in Tallinn wieder um die Qualifikation zur Europameisterschaft 2020 geht. Die Esten stehen allerdings nach fünf Spielen mit null Punkten auf dem letzten Platz der Gruppe C. Die DFB-Elf führt die Tabelle an und hat das Hinspiel Anfang Juni mit 8:0 gewonnen. Aber zurück nach Dortmund: Was will Löw im Westfalenstadion eigentlich testen? Wir haben da eine Idee.

Wie ist die Ausgangslage?

Die Partie gegen Argentinien wird die erste seit dem Triumph in Brasilien sein, bei der kein einziger Weltmeister von 2014 mehr mitwirkt. Es sei denn, Manuel Neuer vom FC Bayern stellt sich doch noch selbst auf und nimmt Marc-André ter Stegen vom FC Barcelona den Platz im Tor weg, den ihm der Bundestrainer für dieses Spiel versprochen hat. Nach der verletzungsbedingten Absage des Gladbachers Matthias Ginter ist Neuer der letzte derer im Kader, die vor fünf Jahren in Rio de Janeiro zum vierten Mal in der Geschichte des DFB den WM-Titel gewonnen hatten. Zuvor hatten sich bereits Toni Kroos von Real Madrid und Julian Draxler von Paris Saint-Germain abgemeldet. Hat hier jemand Umbruch gesagt? Ja, aber dann doch etwas anders als geplant.

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Wer fällt denn nun alles aus?

So könnten sie spielen

Deutschland: ter Stegen (FC Barcelona/27 Jahre/22 Länderspiele) - Klostermann (RB Leipzig/23/4), Süle (FC Bayern/24/22), Stark (Hertha BSC/24/0), Halstenberg (Leipzig/28/4) - Kimmich (FC Bayern/24/44), Can (Juventus Turin/25/22) - Havertz (Leverkusen/20/5) - Gnabry (Bayern/24/10), Waldschmidt (Freiburg/23/0), Brandt (BVB/23/27). - Trainer: Löw
Argentinien: Marchesin (FC Porto/31/5) - Foyth (Tottenham Hotspur/21/7), Pezzella (AC Florenz/28/13), Otamendi (Manchester United/31/67), Tagliafico (Ajax Amsterdam/27/22) - de Paul (Udinese Calcio/25/13), Paredes (Paris St. Germain/25/20), Rodriguez (CF America (25/5), Pereyra (FC Watford/28/18) - Dybala (Juventus Turin/25/26), Lautaro Martinez (Inter Mailand/22/13). - Trainer: Scaloni
Schiedsrichter: Clement Turpin (Frankreich)

So richtig gute Laune hatte Löw in dieser Woche nicht. Eigentlich hat er sich vorgenommen, eine neue Mannschaft zu formen, die dann beim paneuropäischen EM-Turnier vom 12. Juni bis zum 12. Juli kommenden Jahres erfolgreich sein soll. "Jetzt müssen wir immer wieder von vorne beginnen", sagte der Bundestrainer. Neben Ginter (1), Kroos (2) und Draxler (3) fehlen die ebenfalls verletzten Jonas Hector (4) vom 1. FC Köln, Antonio Rüdiger (5) vom FC Chelsea, Leon Goretzka (6) vom FC Bayern, Nico Schulz (7) von Borussia Dortmund, Leroy Sané (8) von Manchester City, der Frankfurter Torhüter Kevin Trapp (9) und Thilo Kehrer (10) von PSG. Hinzu kommt, wie der Bundestrainer am Dienstag berichtete, dass Timo Werner (11) zwar am Spieltag aus Leipzig nach Dortmund komme, nach seiner Grippe aber nicht spielen könne. Der bereits wacklige Leverkusener Jonathan Tah (12) reiste am Morgen aus dem Teamhotel ab und fehlt auch in Estland, bei Ilkay Gündogan (13) von Man City besteht noch Hoffnung auf einen Einsatz. Ein wenig angeschlagen sei auch der Dortmunder Marco Reus (14).

Wie ist das deutsche Team drauf?

"Die Gesamtlage ist natürlich sehr angespannt und sehr unerfreulich." Zu sehr klagen wollte Löw aber nicht. Nun bekämen halt weitere junge Spieler ihre Chance. So stehen, aus der Not geboren, der Freiburger Angreifer Luca Waldschmidt und der Berliner Innenverteidiger Niklas Stark vor ihrem Debüt neben Abwehrchef Niklas Süle vom FC Bayern, da hat der Bundestrainer sich festgelegt. Auch ansonsten gelte: "Viele Variationen gibt es ja nicht." Also werden die Leipziger Lukas Klostermann und Marcel Halstenberg das rechte und das linke Ende der Viererkette. Neben dem Münchner Joshua Kimmich wird wohl Emre Can von Juventus Turin im defensiven Mittelfeld spielen, in der Offensivzentrale erwarten alle den Leverkusener Kai Havertz, in der Angriffsreihe dürften der Münchner Serge Gnabry ("Spielt bei mir immer") und der Dortmunder Julian Brandt den Kollegen Waldschmidt flankieren.

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"Bruch in der Sommerpause": Joachim Löw, verhinderter Aufbauhelfer.

(Foto: dpa)

Das Problem ist aber nicht das Spiel gegen Argentinien. "Es wird schwierig sein, ganz große Erwartungen an diese Mannschaft zu haben", sagte Löw. Das Problem des Bundestrainers ist grundsätzlicher Natur. Er hatte gehofft, dieses Jahr so nutzen zu können, dass sich da eine Mannschaft einspielt. "Ganz optimal ist das in den letzten Monaten nicht gelaufen", sagte er und sprach von "einem Bruch in der Sommerpause". Das sei bei den Qualifikationsspielen im September, beim 2:4 gegen die Niederlande in Hamburg und beim 2:0 in Nordirland, zu sehen gewesen. Von Einspielen könne keine Rede sein. Dabei habe er im März und Juni das Gefühl gehabt, "dass viele Dinge fließender sind und greifen". Für die EM verspreche das nicht viel Gutes. "Wir müssen halt sehen, dass wir das im nächsten Jahr schaffen."

Was machen die Argentinier?

Ihr bester Spieler, Lionel Messi vom FC Barcelona, fehlt. Er hatte bei der Copa America nach dem 2:1 im Spiel um Platz drei gegen Chile die zweite Rote Karte seiner Karriere gesehen und dann gesagt: "Die Korruption und die Schiedsrichter haben es nicht zugelassen, dass wir bei der Show mitmachen. Die Copa ist ein abgekartetes Spiel für Brasilien." Die Gastgeber hatten Argentinien im Halbfinale mit 2:0 besiegt und gewannen das Turnier. Die Bronzemedaille nahm Messi nicht an, er wolle nicht "Teil dieser Korruption" sein. Daraufhin sperrte ihn Südamerikas Verband Conmebol für drei Monate bis Anfang November für die Nationalelf. Zudem musste Messi umgerechnet 46.000 Euro zahlen.

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Trägt die Hoffnungen: Lautaro Martínez, der von Lionel Messi schwärmt.

(Foto: imago images/Insidefoto)

Dass er nicht dabei ist, könnte ein Grund dafür sein, warum bis Dienstag erst 41.000 Karten für das Spiel verkauft waren. Dabei passen bei internationalen Spielen gut 66.000 Zuschauer ins Westfalenstadion. Aber auch sonst fehlt der Albiceleste der Glanz vergangener Jahre, wobei sie zum Beispiel bei der WM 2014 in Brasilien auch nicht überragte, aber das Endspiel erreichte. Manuel Neuer wird sich erinnern. Unabhängig von Messi treibt Trainer Lionel Scaloni, der den Job nach dem Achtelfinal-Aus bei der WM 2018 in Russland von Jorge Sampaoli übernommen hatte, einen Umbruch voran - wie sein Kollege Löw.

Der eine sortierte Thomas Müller, Jérôme Boateng und Mats Hummels aus, der andere lädt Sergio Agüero, Angel di Maria und Gonzalo Higuain nicht mehr ein. Aus der Startelf vom Finale in Rio ist nur noch Abwehrspieler Marcos Rojo von Manchester United dabei. Die argentinischen Hoffnungen in der Offensive trägt Lautaro Martínez. Er ist 22 Jahre alt, spielt für Inter Mailand und hat jüngst in der Champions League ein Tor beim Spiel in Barcelona erzielt. Doch Barça gewann mit 2:1, weil Messi den Siegtreffer vorbereitete. Martínez aber schwärmte von seinem Idol: "Wenn ich in der Selección mit ihm spielen kann, ist das ein Traum für mich. Ich bewundere ihn, seit ich ein kleiner Junge bin." Die beiden werden schon bald wieder gemeinsam für Argentinien stürmen. Denn Umbruch hin oder her: Auf Messi würde Scaloni freiwillig nie verzichten.

Quelle: n-tv.de