Fußball

Adieu & Vaarwel des Bayern-Duos Wie "Robbery" den FC Bayern geprägt haben

imago04783462h.jpg

Robbery ward geboren: Ribéry und Robben jubeln 2009 nach dem ersten Tor des Holländers im ersten Spiel.

(Foto: imago sportfotodienst)

Mit Franck Ribéry und Arjen Robben gewinnt die Bundesliga zwei Fußball-Weltstars. Als unwiderstehliche Flügelzange verändern "Robbery" Bayerns Spielstil. Ihr unglaublich erfolgreiches Jahrzehnt in München können die Dribbelkönige nun perfekt krönen - mit einem letzten Titel.

Oliver Kahn ahnt nichts und schreitet bequem aus dem Münchner Vereinsheim zu seinem Auto. Plötzlich ergießt sich ein Schauer über ihn, den er an diesem sonnigen Tag im Mai 2008 nicht erwartet hat. Oben auf der Bayern-Zentrale feixt Franck Ribéry, hat sein Streich, ein Eimer Wasser auf den Kopf des Titans, schließlich genauso funktioniert wie geplant.

Ribéry wechselt zur Saison 2007/08 zu den Bayern und schlägt ein wie eine Bombe: Elf Tore und acht Assists stehen am Ende der Saison zu Buche und ein herausragender "Kicker"-Notendurchschnitt von 2,54. Seine Drehungen und Wendungen sind meist zu schnell für die Bundesligaverteidiger, in seiner ersten Saison wird er gleich Fußballer des Jahres in Deutschland und Frankreich.

"Gutmütiger Strolch"

Wenn man verstehen will, wie lange der Franzose schon die Bundesliga mit seinen Dribblings fasziniert, der muss sich nur einmal anschauen, wer bei den Bayern in seinem ersten Spiel - gegen Hansa Rostock wohlgemerkt - auf dem Platz steht. Lucio und Marcell Jansen spielen in der Abwehr, im Sturm wirbelt der neue Traum-Sturm mit Miro Klose und Luca Toni. Ribéry bekommt es im Mittelfeld mit Christian Rahn und Stefan "Paule" Beinlich zu tun und wird ausgewechselt für einen gewissen José Ernesto Sosa. Sein erstes Tor, nur einen Spieltag später, ist bezeichnend: Gegen Werder Bremen lupft der Franzose den Ball frech vom Elfmeterpunkt ins Netz. Auch der Streich mit Kahn sollte nicht sein letzter sein: Einmal zerschneidet er die Socken von Daniel van Buyten, ein anders Mal beschmiert er die Türklinke von Lukas Podolski mit Zahnpasta. Als "gutmütigen Strolch" bezeichnet der "Spiegel" ihn.

imago05736174h.jpg

Ein Schuss für die Ewigkeit: Arjen Robben kann sein Traumtor gegen Machester United in CL-Viertelfinale 2010 selbst kaum fassen.

(Foto: imago sportfotodienst)

Getoppt wird Ribérys Premierensaison nur von einem: 2009 gesellt sich Arjen Robben zum bayerischen Star-Ensemble hinzu und schafft auf Anhieb 16 Tore und sieben Assists (alle 111 Minuten ein Tor, alle 77 Minuten ein Scorer-Punkt!). Der Holländer macht keine Späße, ist erwachsener als Ribéry und ein Weltstar, als er nach München wechselt. Real Madrid und FC Chelsea heißen die vorherigen, namhaften Stationen. In seinem ersten Spiel trifft er direkt doppelt, den zweiten Treffer legt Ribéry auf. "Besser hätte es für mich nicht laufen können. Aber man muss realistisch bleiben, das wird nicht so weitergehen", sagte der Holländer nach seiner Premiere. Wie man sich irren kann. Denn sorgt Robben mal nicht mit seinen hautengen und teils auch hautfarbenen Leggins für Aufmerksamkeit, dann schießt er Tore - und was für welche. Besonders in Erinnerung bleibt: Der unglaubliche Volley-Schuss von der Strafraumkante zum 2:3 gegen Manchester United (der FCB erreicht dadurch das CL-Halbfinale) nach Ecke von: na logo, Ribéry.

"Robbery" prägt den FC Bayern

Eine Dekade bilden der Franzose und der Holländer eine Flügelzange, die auch außerhalb der Bundesliga gefürchtet wird - und eine Bayern-Ära prägt. Die Nummer 7 kommt über links, vernarrt ein bis zwei Gegenspieler und gibt die Vorlage zum Tor des gerade aktuellen Stürmerstars. Die Nummer 10 kommt über rechts und macht "den Robben": Powerdribbling, die Bewegung nach links innen, die jeder kommen sieht und doch niemand verteidigen kann, Torabschluss vom rechten Strafraumeck in den linken Torwinkel. Aus Robben und Ribéry wird "Robbery" oder auch "RibRob".

"Diese beiden Spieler werden diesem Verein ganz bestimmt fehlen. Man muss zusehen, dass man so schnell wie möglich eine solche Zange wiederfindet, eine solche Zange kreiert", sagt Trainer Niko Kovac. "Robbery" prägt den Spielstil der Bayern nachhaltig. Die Münchner fahren so erfolgreich mit der Flügelzange, dass für die Zukunft stets Flitzer auf Außen gesucht werden: Kingsley Coman als Erbe für Ribéry und Serge Gnabry für Robben hat der Rekordmeister schon gefunden, bald soll Linksaußen Leory Sané die Konkurrenz beleben.

imago05882075h.jpg

Im Sommer 2010 feiert Robbery die erste gemeinsame Meisterschaft.

(Foto: imago sportfotodienst)

Selten ist der FCB so erfolgreich wie unter Ribéry und Robben. Von 2010 bis 2013 schießen die beiden Ausnahmekönner ihren Verein in drei von vier Champions-League-Endspiele. Im "Finale Dahoam" gegen den FC Chelsea setzt es die bitterste Niederlage ihrer Bayern-Karrieren, Robben verschießt auch noch einen von Ribéry herausgeholten Elfmeter in der Verlängerung. Nur ein Jahr später antworten beide mit dem Triple: Im Finale der Champions League gegen Borussia Dortmund markiert Robben kurz vor Schluss den entscheidenden Treffer. Nach Vorlage von, na klar, Ribéry.

"2013 war natürlich eines der schönsten Jahre", sagt der. "Was wir da geschafft haben, war Wahnsinn, super, ein Traum." In der Bundesliga dominiert Bayern unter den beiden Superstars nach Belieben: 2019 feiert Ribéry seine neunte Meisterschaft und überholt damit Schweinsteiger, Lahm, Kahn und Scholl, Robben gewinnt seine achte. In insgesamt 424 Spielen erzielt Ribéry 124 Tore und bereitet 182 vor, Robben knipst in 308 Spielen 144 und assistiert 101 Mal.

Die Liebe muss Schmerzen aushalten

Beide wollen immer spielen, beide wollen immer der Beste sein. Deshalb herrscht auch nicht immer nur Liebe zwischen den Kreativgeistern: Als Ribéry im April einen Freistoß ausführen will, hält Robben Toni Kroos für den geeigneteren Schützen. Nach dem Spiel sagt der Franzose auf seine eigene Art "Merci" und Robben hat tags darauf ein blaues Auge. 2018 ereilt einem Journalist das gleiche Schicksal. Ribéry ist so emotional wie dribbelstark. Wird er ausgewechselt, verweigert er Trainern gerne mal den Handschlag, oder pfeffert sein Trikot gegen die Bank wie 2017 unter Carlo Ancelotti. Verschiedenste Spieler packt Bayerns Nummer 7 am Hals, piekst sie ins Auge, oder ohrfeigt sie. Anfang des Jahres beleidigt er seine Kritiker online aufs Übelste, nachdem sein Verzehr eines Gold-Steaks gescholten wird.

imago10417120h.jpg

Voll auf die Zwölf: Robben gezeichnet nach Ribérys Kabinen-Attacke.

(Foto: imago sportfotodienst)

Aber Erfolg schweißt zusammen. Es passt, dass Ribéry und Robben mit ihren zwei letzten Spielen zwei Titel gewinnen können. Beim kitschigen Bundesliga-Abschluss samt Meisterschaft, Toren der beiden und Tränen von Uli Hoeneß (der Franzose besucht den Bayern-Boss nach dessen Verurteilung wegen Steuerbetrugs 2014 sogar im Gefängnis) bekommt Ribéry bei der Verabschiedung feuchte Augen und wagt einen letzten, verzweifelten Versuch, bei dem man nicht genau weiß, wie viel Spaß mitschwingt und wie viel Ernst darin liegt: "Uli, gib mir noch ein Jahr!" Der Publikumsliebling schätzt den FCB auch, weil er dort die Liebe bekommt, die Frankreich ihm nach einer Vielzahl an Skandalen vorenthält. Als er auf einem Fanklubtreffen 2015 gefragt wird, wie lange er bei Bayern bleibt, witzelt er: "Bis 2080!" Auf seiner letzten Pressekonferenz bedankt er sich gerührt: "Meine Beziehung zu den Fans ist unglaublich. Wir haben viel zusammen durchgemacht. Sie waren immer für mich da. Das vergesse ich ihnen nie."

Jetzt also bestreiten beide das letzte Pflichtspiel für die Bayern, im Pokalfinale gegen RB Leipzig (20 Uhr im Liveticker auf n-tv.de) heißt es: Adieu, Franck und vaarwel, Arjen! Der Franzose, der die langweiligen Seriensieger aus München belebte und als gutmütiger Strolch irgendwie sympathisch machte, kann seinen sechsten Pokalsieg feiern. Für den erfolgsbesessenen Robben, der das Niveau der Bundesliga seit seiner ersten Ballberührung stets anhob, wäre es der fünfte Triumph. Gewonnen haben beide aber eh schon.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema