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"Saison im Arsch" - nur für wen? Wolfsburg lästert, Braunschweig brennt

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Torsten Lieberknecht hat voll Bock auf das Relegations-Rückspiel.

(Foto: imago/Hübner)

Der VfL Wolfsburg oder Eintracht Braunschweig: Wer spielt nächste Saison in der Bundesliga? Während die Wölfe vor dem Rückspiel der Relegation ihre Gelassenheit betonen, setzen die Löwen auf die "Voll-Bock-Atmosphäre".

Worum geht’s?

Um eine ganze Saison. Ach was, um zwei Saisons! Das Relegations-Rückspiel zwischen Eintracht Braunschweig und dem VfL Wolfsburg (20.30 Uhr im n-tv.de-Liveticker) entscheidet über den Ertrag der Bundesliga-Saison 2016/17. Und - nicht weniger wichtig - über die kommende Spielzeit. Bleibt der VfL Wolfsburg erstklassig und kann so seine völlig verkorkste Saison gerade noch retten? Oder schubst ihn der kleine Nachbar aus Braunschweig in die Zweitklassigkeit und nutzt seine Chance, ins Fußball-Oberhaus zurückzukehren? Gleichzeitig geht's um eine Menge Prestige und – selbst bei zwei Klubs, die mit dem Unternehmen VW eng verbunden sind – um mehrere Millionen Euro. Außerdem stellt sich die Frage, wer im Psychoduell der Nachbarn, deren Stadien gerade einmal 29 Kilometer voneinander entfernt liegen, die besseren Nerven hat. "Es ist nicht angenehm, bei uns zu spielen. Die Fans werden Dampf geben", sagt Eintracht-Trainer Torsten Lieberknecht. Und fügt hinzu: "Die Emotionalität gehört dazu." Wolfsburgs Coach Andries Jonker gibt sich selbstbewusst gelassen: "Die Braunschweiger haben am Donnerstag das Maximale abgerufen. Wenn Sie mich fragen, ob sie noch mehr können: keine Ahnung, das würde mich aber überraschen."

Wie ist die Ausgangslage?

Braunschweig - Wolfsburg, 20.45 Uhr

Braunschweiger TSV Eintracht: Fejzic - Sauer, Decarli, Valsvik, Reichel - Moll, Boland - Omladic, Khelifi - Nyman, Hernandez; Trainer: Lieberknecht
VfL Wolfsburg: Casteels - Träsch, Knoche, Wollscheid, Gerhardt - Guilavogui, Luiz Gustavo - Didavi, Arnold, Malli - Gomez; Trainer: Jonker
Schiedsrichter: Stieler (Hamburg)
Stadion: Eintracht-Stadion an der Hamburger Straße

Es wird hitzig zugehen. "Die ganze Saison im Arsch gemacht! Die ganze Saison. Deswegen hasse ich die Relegation", ließ Lieberknecht nach dem Hinspiel seine Wut im Kabinengang heraus. Die Wölfe hatten zuvor von einem äußerst umstrittenen Elfmeter profitiert und fahren so mit einem 1:0-Sieg nach Braunschweig. Allerdings hatte Wolfsburg die besseren Chancen, hätte im eigenen Stadion auch höher gewinnen können und gilt daher auch vor dem Rückspiel als Favorit. "Der VfL Wolfsburg wird mit Andries Jonker und Olaf Rebbe nicht absteigen", sagt denn auch eben jener Olaf Rebbe, Manager beim VfL. Und legt noch einen drauf: "Mit Verlaub, wir sind der Erstligist." Stimmt. Noch. Coach Jonker betont daher auch: "Es wird wie am Donnerstag wieder ein heißes Spiel. Wir wissen alle, dass es noch ein ganz, ganz wichtiges Spiel ist. Wir sind auf alles vorbereitet. Das ist der Mannschaft auch klar."

Wie ist Braunschweig drauf?

"Das Hinspiel ist komplett abgehakt. Wir haben weiter Bock, Geschichte zu schreiben", so Lieberknecht. Und wahrlich, die Eintracht scheint vor dem Heimspiel auf alles vorbereitet – zumindest mental: Lieberknecht spricht von einer "Voll-Bock-Atmosphäre" und von besonderen "Montagabend-Spielen". "Das ist die finale Chance, etwas Historisches zu erreichen. Wir sind willensstark und selbstbewusst, unser Ziel zu erreichen. Keiner hat den Aufstieg so sehr verdient wie wir, weil wir in dieser Saison immer wieder aufstehen mussten. Und jetzt müssen wir auch wieder aufstehen." Zuhause sind die Löwen eine Macht: In dieser Saison trafen sie in jedem Spiel das Tor und verloren nur einmal vor heimischer Kulisse. Jedoch würde ihnen ein Tor ohne Gegentor nur in die Verlängerung verhelfen. Die Braunschweiger müssen bei ihrem großen Vorhaben zudem auf gleich zwei Angreifer verzichten – Domi Kumbela und Julius Biada sind aufgrund muskulärer Probleme nicht einsatzfähig.

Was macht Wolfsburg so?

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Mario Gomez soll auch in Braunschweig Wolfsburgs Lebensversicherung werden.

(Foto: imago/Hübner)

Die Wölfe konnten in den vergangenen Tagen die "romantische Lage" des Hotel-Residence Klosterpforte bei Harsewinkel genießen, mehr als 200 Kilometer entfernt von der VW-Autostadt. Jonker zufolge habe man sich dort um "die Körper und Köpfe" der Spieler gekümmert. Die Wolfsburger haben schließlich einiges mehr zu verlieren. Statt um die Champions League spielen sie nur zwei Jahre nach dem DFB-Pokalsieg und der deutschen Vizemeisterschaft gegen den Abstieg. Und dafür, dass die für den 11. Juni geplante Party nicht völlig ins Wasser fällt: An diesem Tag sollen 20 Jahre Bundesligazugehörigkeit begossen werden.

Und wer soll den Karren aus dem Dreck ziehen? Ihr mehr oder weniger einziger Torjäger, Mario Gomez. "Ich habe wie bei nur wenigen anderen das Gefühl, dass er sich sowohl im Verein selbst als auch in unserer Stadt wirklich rundum wohlfühlt und in Wolfsburg vom ersten Tag auch genau das gefunden hat, was er gesucht hatte", sagte VfL-Geschäftsführer Wolfgang Hotze schon vor der Relegation. Immerhin einer im Team, der etwas bewegt und für das anstehende Spiel äußerst zuversichtlich ist: "Jetzt brauchen wir auswärts ein Tor, und dann haben wir es geschafft. Und wir werden es schaffen", so der Nationalspieler. Identifikation hin und her – steigt Wolfsburg ab, wird sich Gomez in der kommenden Saison wohl ganz schnell mit einem anderen Klub identifizieren können. Eine Ausstiegsklausel im eigentlich bis 2019 laufenden Vertrag macht es der "Bild" zufolge möglich. Und die geforderten zehn Millionen wird doch sicherlich ein interessierter Verein aufbringen können. Verzichten müssen die Wolfsburger bei ihrem Last-Minute-Rettungsversuch weiterhin auf ihren Verteidiger Ricardo Rodriguez. "Wir müssen seinen Namen streichen. Er kann nicht im Kader sein", so Jonker. Außerdem fehlen werden Paul-Georges Ntep, Sebastian Jung und Riechedly Bazoer.

War sonst noch was?

2000 Fans wollen die Wölfe im "verfeindeten" Nachbarort unterstützen. Um 17.30 Uhr stehen für einen kleinen Preis Shuttle-Busse an der Volkswagen-Arena bereit, die direkt zum Eintracht-Stadion fahren. Da dieses seit Sonntag ausverkauft ist, werden die Wolfsburger ihre Kehlen gut ölen müssen: 25.000 Plätze hat die Arena in Braunschweig insgesamt. Und hier noch der letzte Beweis, dass es für Wolfsburg um alles geht: Der VfL greift zu verschärften Maßnahmen. Die beiden Zeugwarte wollen die Kabine im Eintracht-Stadion bewachen. Sie werden schon am Nachmittag im Stadion eintreffen und die Umkleide bis zur Ankunft der Mannschaft nicht mehr verlassen, schreiben mehrere Zeitungen übereinstimmend. Denn der VfL fürchtet bittere Rache für den "Watergate"-Skandal. Die Wolfsburger wollen offenbar weder nasse Schuhe noch sonstige Kindergartenscherze riskieren.

Quelle: n-tv.de

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