Fußball

Werder holt Punkt gegen Gladbach Wolfsburg watscht Leverkusen vierfach ab

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Bayer Leverkusen hatte gegen Wolfsburg in allen Belangen das Nachsehen.

(Foto: Ulrich Hufnagel / Hufnagel PR /Pool)

Die formstarken Leverkusener gehen am 28. Spieltag der Fußball-Bundesliga im Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg unter. Eintracht Frankfurt und Freiburg liefern sich einen wilden Schlagabtausch. Und dann ist da noch Bremen im Abstiegskampf gegen Borussia Mönchengladbach.

Bayer Leverkusen - VfL Wolfsburg 1:4 (0:1)

Nach der bisher besten Rückrunde der Vereinsgeschichte hat Bayer Leverkusen ein bitterböses Erwachen erlebt. Beim verdienten 1:4 (0:1) gegen den stark ersatzgeschwächten VfL Wolfsburg rissen nicht nur zahlreiche Erfolgsserien der Werkself. Sie verlor auch den erst am Samstag eroberten Champions-League-Platz direkt wieder an Borussia Mönchengladbach. Wolfsburg festigte durch den vierten Auswärtssieg in den letzten fünf Spielen auch Rang sechs, der zur Teilnahme an der Europa League berechtigt. Marin Pongracic mit seinen ersten Bundesliga-Treffern (43./75.), der überragende Maximilian Arnold (64.) und Renato Steffen (68.) erzielten die Tore der Gäste, Julian Baumgartlinger konnte nur noch verkürzen (85.).

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Hat richtig Spaß: Marin Pogracic.

(Foto: Ulrich Hufnagel / Hufnagel PR /Pool)

Leverkusen hatte zuvor alle sieben Heimspiele 2020 gewonnen, war zwölf Spiele ungeschlagen und gewann deren elf. Der diesmal schwache Nationalspieler Kai Havertz war in sechs Partien hintereinander an einem Tor beteiligt, Trainer Peter Bosz hatte seine drei Spiele gegen Wolfsburg ohne Gegentor gewonnen. All diese Serien wurden mit einem Schlag beendet. Und sogar ein Liga-Rekord: Zuvor hatte Bayer in 34 Bundesliga-Spielen hintereinander gegen Wolfsburg getroffen Wolfsburgs Trainer Oliver Glasner hatte zwar noch eine namhafte Stamm-Elf zusammenbekommen, auf der Bank zeigte sich aber die große Personalnot der Gäste. Angesichts von sieben verletzten oder gesperrten Spielern saßen dort gleich fünf Spieler ohne jede Bundesliga-Erfahrung. Nur Omar Marmousch feierte letztlich sein Debüt.

Leverkusen riss gleich nach dem Anpfiff das Spiel an sich. Zehn Minuten lang wirbelten die Gastgeber mit dem Selbstvertrauen der langen Erfolgsserie, dann wären sie fast kalt erwischt worden. Zunächst rettete Abwehrspieler Edmond Tapsoba in letzter Sekunde von Wout Weghorst (12.), dann parierte Lukas Hradecky stark gegen den aus fünf Metern zum Schuss kommenden Joao Victor (16.). Von da an hatte Wolfsburg das Spiel gut unter Kontrolle. Die Gäste standen stabil und stießen immer wieder in gefährliche Räume vor. Auch Havertz sah gegen John Anthony Brooks wenig Bälle, bis ihm in der 38. Minute fast doch das 1:0 gelungen wäre: Nach Flanke von Karim Bellarabi köpfte er den Ball aufs Tornetz.

Stattdessen ging dann doch der VfL in Führung, als Pongracic einen Freistoß von Arnold einköpfte. Der 22-jährige Kroate war im Winter aus Salzburg gekommen. Bosz wechselte zur Pause dreifach und brachte Youngster Florian Wirtz, Aleksandar Dragovic und Julian Baumgartlinger für Bellarabi, Sven Bender und Mitchell Weiser. Doch es änderte sich nicht viel. Im Gegenteil. Nur der starke Hradecky verhinderte gegen Josip Brekalo (47.) und Steffen (63.) zweimal das 0:2. Ehe Arnold seine starke Leistung per Freistoß krönte, Steffen per Kopf traf und Pongracic einen weiteren Arnold-Freistoß einköpfte. Baumgartlingers Treffer war nur noch Resultatskosmetik.

Werder Bremen - Borussia Mönchengladbach 0:0

Werder Bremen hat den zweiten Heimsieg in dieser Saison zwar knapp verpasst, dank einer leidenschaftlichen Leistung gegen Borussia Mönchengladbach aber einen wichtigen Punkt im Kampf gegen den Abstieg geholt. Drei Tage nach dem erlösenden 1:0 in Freiburg waren die Bremer gegen den Champions-League-Aspiranten sogar die bessere Mannschaft - zum nächsten Dreier reichte es beim 0:0 aber nicht ganz. Es wäre erst das zweite Mal in dieser Saison gewesen, dass Werder zwei Spiele in der Fußball-Bundesliga nacheinander gewinnt.

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Der Aufreger des Spiels: Einen Elfmeter gibt es nicht.

(Foto: Cathrin Mueller/M.i.S./)

Doch auch so machte der Auftritt Mut, dass das Team von Trainer Florian Kohfeldt den Gang in die Zweitklassigkeit doch noch abwenden kann. Zumindest für eine Nacht verkürzten die Norddeutschen den Rückstand auf Fortuna Düsseldorf auf dem Relegationsplatz auf zwei Punkte. Die Rheinländer empfangen morgen den FC Schalke 04.

Anders als noch bei der ernüchternden 1:4-Heimniederlage gegen Leverkusen acht Tage zuvor wirkten die Bremer dieses Mal von Beginn deutlich aggressiver. Der Sieg in Freiburg hatte das Selbstvertrauen des Tabellenvorletzten merklich gestärkt. Angetrieben vom wieder 90 Minuten lang lautstarken Kohfeldt an der Seitenlinie machten die Norddeutschen die Räume eng und den Gladbachern das Leben schwer. Allerdings agierten die Gäste in ihren Offensivaktionen auch viel zu unsauber und konnten so vor der Pause zu keiner Phase Druck aufbauen. Lediglich Florian Neuhaus sorgte mit einem Fernschuss in der 38. Minute einmal richtig für Gefahr, doch Werder-Torwart Jiri Pavlenka war auf dem Posten.

Die Bremer wurden ebenfalls nur einmal durch Davy Klaassen wirklich gefährlich (12.). Der Niederländer stand auch im Mittelpunkt einer Szene, die Kohfeldt die komplette erste Halbzeit lang beschäftigte. Nach einem Zweikampf mit Christoph Kramer kam Klaassen auf der Linie zum Gladbacher Strafraum zu Fall. Schiedsrichter Manuel Gräfe winkte aber sofort ab und pfiff keinen Strafstoß - was Kohfeldt in Rage brachte. Noch 20 Minuten später rief der Werder-Coach in Richtung Gräfe: "Ganz Deutschland sieht, dass das ein klarer Elfer für uns ist."

Auch nach dem Seitenwechsel blieben die Bremer das bessere Team. In der 51. Minute scheiterte Milot Rashica zunächst mit einem Freistoß an Gladbachs Torwart Yann Sommer, dann war der Schweizer Keeper auch beim Nachschuss von Marco Friedl zur Stelle. Von den Gladbachern kam dagegen weiter viel zu wenig. Die beiden Franzosen Alassane Plea und Marcus Thuram konnten sich so gut wie gar nicht in Szene setzen, auch von Kapitän Lars Stindl und Neuhaus kam zu wenig. So konnte Werder das Fehlen von Kevin Vogt, der mit einer Hüftprellung nicht rechtzeitig fit geworden war, problemlos kompensieren. In der Schlussphase drängte Werder sogar auf den Sieg, wurde für seine starke kämpferische Leistung aber nicht mit drei Punkten belohnt. Der eingewechselte Davie Selke vergab in der 89. Minute die Riesenchance zum Siegtreffer.

Eintracht Frankfurt - SC Freiburg 3:3 (1:1)

Eintracht Frankfurt hat dank großer Moral die sechste Niederlage in Serie abgewendet, sich aber nicht für einen überlegenen Auftritt mit dem ersten Bundesliga-Sieg seit Anfang Februar belohnt. Nach einem unglaublichen Chancenwucher und einem Zwei-Tore-Rückstand retteten die Hessen am Dienstagabend beim 3:3 (1:1) gegen den SC Freiburg zumindest einen Punkt. Vincenzo Grifo (28. Minute), der eingewechselte Nils Petersen (67.) und Lucas Höler (69.) trafen für die über weite Strecken klar unterlegenen, aber höchst effektiven Breisgauer. Die Tore von André Silva (35.), Daichi Kamada (79.) und Timothy Chandler (82.) reichten für die Frankfurter noch zum Unentschieden. Mit 29 Punkten bleiben die Hessen aber weiter auf Rang 14 der Fußball-Bundesliga.

Eintracht-Trainer Adi Hütter setzte erstmals in der Rückrunde auf zwei Stürmer in der Startelf - neben Silva durfte auch Bas Dost von Beginn an ran. Die ersten Minuten gehörten zwar den Gästen, bei denen die zuletzt angeschlagenen Robin Koch und Luca Waldschmidt mitwirken konnten. Richtig gefährlich wurde Freiburg zunächst aber nicht. Ganz anders die Hessen, für die Filip Kostic (7./13.) gleich zweimal die Führung vergab. Auch Dost (21.), der von Sebastian Rode schön freigespielt wurde, zielte zu ungenau. Das rächte sich wenig später, als Grifo mit einem Schuss unter die Latte traf. Makoto Hasebe hatte noch leicht abgefälscht.

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Musste noch die Niederlage verhindern: Freiburgs Keeper Schwolow.

(Foto: Jan Huebner/Pool)

Die Eintracht ließ sich vom überraschenden Rückstand nicht beeindrucken und schlug durch Silva zurück. Der im vergangenen Sommer vom AC Mailand gekommene Portugiese staubte aus Nahdistanz per Kopf zu seinem sechsten Saisontor ab, nachdem Schwolow einen Schuss von Kamada zu kurz abgewehrt hatte. Frankfurt blieb am Drücker und hätte vor der Pause in Führung gehen können, doch Kostic (40.) und Kamada (43.) scheiterten an Schwolow. Auch nach dem Wechsel waren die Hessen sofort auf Betriebstemperatur. Silva (47.) verpasste mit einem Schuss aus 16 Metern nur knapp seinen zweiten Treffer.

Fast im Minutentakt erarbeitete sich das Hütter-Team nun Chancen. Doch die Abschlussschwäche war das größte Manko der Eintracht, die sowohl kämpferisch wie spielerisch überzeugte. Kamada (53.) brachte den Ball völlig frei aus zentraler Position nicht an Schwolow vorbei, ein Kopfball von Silva (55.) verfehlte das Ziel und Martin Hinteregger (56.) scheiterte ebenfalls am glänzend aufgelegten Schwolow.

Der Gäste-Torwart blieb nach gut einer Stunde auch Sieger gegen Dost, den Nachschuss setzte Silva an die Lattenoberkante. Die Gäste waren wesentlich effizienter. Petersen traf nach einem Freistoß per Kopf, 120 Sekunden später schloss Höler einen Konter erfolgreich ab. Doch Frankfurt gab nicht auf und zeigte starke Mentalität. Mit einem Doppelschlag binnen drei Minuten brachten Kamada und Chandler die Hessen wieder heran - nun bot sich sogar noch die Chance zum Sieg. In der 86. Minute lenkte Schwolow einen Schuss von Dominik Kohr über die Latte.

Quelle: ntv.de, dbe/dpa