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Javi Martinez und der FC Bayern wollen den BVB sportlich bluten lassen.
Javi Martinez und der FC Bayern wollen den BVB sportlich bluten lassen.(Foto: imago/MIS)
Freitag, 03. November 2017

So läuft der elfte Spieltag: Wut-Blut-Bayern zertrampeln BVB-Gefühle

Von Anja Rau und Christoph Wolf

Elfter Spieltag, nächstes Bundesliga-Topspiel. Nur Pech für den BVB, dass er so gar nicht in Topform ist - was die Wut-und-Blut-Bayern gnadenlos bestrafen. Bremen gewinnt endlich, blöderweise im Phrasenschach. H96 bleibt irre.

Was macht der FC Bayern?

Wäre Julian Brandt tatsächlich schon ein Spieler des FC Bayern, wovon unser Sport-Tag fest ausgegangen war, dann hätte der Bayern-Profi Brandt vor dem 11. Spieltag wahrscheinlich gesagt: "Es klingt hart: Aber wenn Dortmund am Boden liegt, müssen wir einfach weiter drauftreten. Das sage ich, ohne den Respekt vor dem BVB zu verlieren." Da Brandt die Bayern aber für Bayer abblitzen ließ und deshalb nur auf Köln trifft, musste vor dem Gipfel (Samstag, ab 18.30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) um die Tabellenführung in der Fußball-Bundesliga zwischen den Heynckes'schen Alles-Gewinnern aus München und den depressiven Bosz'schen Kaum-noch-Gewinnern aus Dortmund ersatzweise Arjen Robben befragt werden. Der bayerische Niederländer dürfte bei seinen grob geschätzt 1257 Duellen mit Dortmund in den letzten Jahren mehr Zeit an der Seite von BVB-Linksverteidiger Marcel Schmelzer verbracht haben als mit seiner Frau. Vielleicht erklärt diese große Verbundenheit, dass Robben prophezeite: Münchner Hauptkonkurrent um die Schale ist der BVB, Krise hin oder her.

Jupp Heynckes zeigt an, wo es für den BVB im Bundesliga-Spitzenspiel gegen seine Bayer hingehen soll.
Jupp Heynckes zeigt an, wo es für den BVB im Bundesliga-Spitzenspiel gegen seine Bayer hingehen soll.(Foto: imago/PA Images)

"Ja! Das bleibt auch bis zum Ende so", wurde Robben in der "Sport Bild" zitiert: "Wenn sie einen guten Tag haben, wird es auch für uns sehr schwierig." Kenner wissen freilich: Mittwoch ist "Sport Bild"-Tag, das Robben-Lob war ungetrübt von der BVB-Blamage gegen Nikosia. Und: Gute Dortmund-Tage waren zuletzt so wahrscheinlich wie Tage ohne Jamaika-Trittin-Aufreger, ganz anders als gute Bayern-Tage, Wut-Blut-Siege inklusive. Trotzdem erwartet selbst Münchens Trainerpragmat Jupp Heynckes im, Zitat, "Klassiker", keinen BVB in Nikosia-Form. "Gegen den FC Bayern versucht sich Borussia Dortmund wieder anders zu präsentieren. Ich erwarte ein Spiel, wo alle Zutaten des modernen Fußballs zu sehen sind", mahnte er, grätschte aber gleich noch BVB-Coach Peter Bosz ab. Der hofft tatsächlich, die Münchner könnten seine Borussen unterschätzen. Nicht mit Heynckes! "Man darf nicht so naiv sein und denken, die Borussia schwächelt, das machen wir mit links. Das wird ein Spiel auf Augenhöhe." In dem seine Bayern alle BVB-Hoffnungen in Bestbesetzung zertrampeln könnten, also mit Wut-Blut-Siegtorschütze Javi Martinez und Torjäger Robert Lewandowski. Der ist nicht nur fit, sondern gar "hochmotiviert". Auch das noch. Tipp: 2:4, denn ...

Wie geht's dem BVB?

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... dem BVB geht's gar nicht gut, und das schon den ganzen Oktober über. In Dortmund geht es vor dem Bayern-Besuch um alles Mögliche, nur nicht um den Bayern-Besuch - obwohl der BVB mit einem Sieg die Tabellenführung zurückerobern könnte. Nur glauben mag daran keiner so recht, die großen schwarzgelben Grundsatzthemen sind stattdessen: Sieghemmung, Gegentorflut, K-Wort-Vermeidung, offene Taktik- und verkappte Trainerdiskussionen. Nach dem Nikosia-Fiasko war Ex-Borusse Matthias Sammer so freundlich, bei den Kollegen von Eurosport den Vorwurf des "Alibifußballs" ans BVB-Team zu vertiefen. "Alle haben in der letzten Saison über Thomas Tuchel gesprochen. Jetzt ist es schon wieder der Trainer, Peter Bosz. Ist es nicht irgendwann die Mannschaft, die in einer Saison, in verschiedenen, schwierigen Situationen, schneller Farbe bekennen muss?" Er würde jetzt einfach mal sagen: "Was muss die Mannschaft alles ändern?"

Einen Aubameyang-Aufbau-Abend hat sie jedenfalls nicht geschmissen, hatte BVB-Profi (und Tuchel-"Freund") Nuri Sahin mit Blick auf den torlosen BVB-Torjäger Pierre-Emerick Aubameyang klargestellt, der seit vier Pflichtspielen vom Tor maximal noch Pfosten und Latte trifft: "Ich habe nicht das Gefühl, dass wir einen Mannschaftsabend organisieren müssen, damit er da rauskommt. Auba ist unser kleinstes Problem, er wird schon bald wieder treffen." Ein größeres Problem ist für den BVB, dass durch das jüngste Sieg- und Tordefizit bei gleichzeitigem Gegentorüberschuss das Vertrauen ins eigene Spiel verloren gegangen ist. Der BVB-Fußball fühlt sich nicht mehr gut, weshalb Bosz im Dortmunder Depri-Gipfel gegen Bayern trotz Heynckes-Grätsche wiederholte: "Vielleicht kommt das Spiel zum richtigen Moment. Wir können unser Gefühl drehen." Einziger Lichtblick gegen Nikosia war Europameister Raphael Guerreiro, der nach seinem genialen Trainingstor nun auch gegen die Zyprer traf - und gegen den FC Bayern schon einmal mit einem Wut-Hammer brilliert hat. Tipp: 2:4, weil Guerreiro hämmert und der zweite Aubameyang-Elfer in der 95. Minute dann doch sitzt.

Kann's Köln jetzt endlich auch in der Liga?

Vier Tore in zehn verkrampften Ligaspielen, fünf Treffer in einem einzigen surrealen Europa-League-Rausch - das sollte doch Ansporn genug sein für die Kölner, gegen 1899 Hoffenheim (Sonntag, 15.30 Uhr) jetzt endlich auch in der Fußball-Bundesliga die Null in der Tabellenspalte "Siege" zu tilgen. Zumal beim Schützenfest gegen Borissow auch die teaminterne Torschützenliste geradegerückt wurde. Gingen die kümmerlichen vier Ligatore zur Hälfte auf das Konto von Verteidigern, gab es gegen Borissow vier Stürmertore. Die FC-Angreifer "haben die Innenverteidiger damit in der Torschützenliste überholt", frotzelte Abwehrspieler Dominic Maroh. Also alles bereit für die Eroberung der Fußball-Bundesliga? Geht so, meint FC-Coach Peter Stöger, "gravierend viel hat dieses Spiel nicht verändert", es sei halt "ein anderer Wettbewerb." Stimmt natürlich, aber: In diesem geht es am Sonntag ab 15.30 Uhr gegen die Hoffenheimer. Die Truppe von Trainer Julian Nagelsmann hat aktuell ebenfalls keine Glückssträhne. Nach zwei Unentschieden und zwei Niederlagen ist sie in der Liga auf Platz sieben abgerutscht. Selbstvertrauen gab es auch in der Europa League nicht, ein Tor von Basaksehir Istanbul verhagelte in der Nachspielzeit den Sieg. Tipp: zwei Unglücksraben auf einem Platz - 2:2

Und Bremen?

Gekommen, um zu bleiben? Florian Kohfeldt in Bremen.
Gekommen, um zu bleiben? Florian Kohfeldt in Bremen.(Foto: dpa)

Hat in der Liga auch noch nicht gewonnen, aber trotzdem drei Punkte mehr auf dem Konto als Köln. Die Bremer Eichhörnchen zehren von fünf Unentschieden, verloren durch die Punkte-Magerkost aber ihre hanseatische Gelassenheit. Folge: Die für Werder-Verhältnisse ultrakurze Ära von Alexander Nouri als Trainer (mickrige 43 Spiele gegen Thomas Schaafs 644 Spiele) ist schon wieder beendet. Für Nouri sitzt ab 20.30 Uhr im Gastspiel bei Eintracht Frankfurt der fix beförderte U23-Coach Florian Kohfeldt auf der Bank, angeblich mit Option auf Dauerbeschäftigung für den 35-Jährigen. Was das bringt außer der Kritik von Eintracht-Coach Niko Kovac an zu ungeduldigen Bundesliga-Bossen? Zumindest einen Bremer Sieg im Phrasenschach, Zitat: "Es wäre ein guter Start, eine andere Leistung auf den Platz zu bringen und diese mit einem Sieg in Frankfurt zu krönen." Tipp: 3:1 - das erste Werder-Tor nach 484 Minuten reicht nicht.

Was passiert sonst noch?

Hamburger SV - VfB Stuttgart: Es läuft nicht beim HSV, mal wieder. Neu ist aber: Der Trainer ist nicht schuld. Vorstandsboss Heribert Bruchhagen bekennt sich zu Markus Gisdol, hat vor dem VfB-Spiel aber analysiert: "Wir spielen gegen einen Aufsteiger und es besteht die Notwendigkeit, zu Punkten zu kommen." Vom 500. Heimsieg sprach beim HSV aber niemand. Könnte daran liegen, dass der HSV daheim erst ein Tor geschossen hat - durch Nicolai Müller, dem anschließend beim Torjubel das Kreuzband riss. Tipp: 1:3 - ein Tor ja, ein Punkt nein.

FC Augsburg - Bayer Leverkusen: Krise in Leverkusen? Längst überwunden. Zuletzt gab es elf Punkte aus fünf Ligaspielen, in Augsburg soll mindestens ein weiterer dazukommen. "In der Spur bleiben" lautet die Parole von Bayer-Coach Heiko Herrlich, der die Europokalplätze anvisiert. Wer für den FCA aufs Bayer-Tor zielt, ist offen. Toptorjäger Alfred Finnbogason droht auszufallen. Tipp: 1:1, ohne Videobeweis.

SC Freiburg - FC Schalke: Nach dem gespürten Sieg gegen Wolfsburg peilen Schalke und Trainer Domenico Tedesco nun wieder einen richtigen Erfolg an - mit dem sie punktetechnisch mit dem BVB gleichziehen würden. Dabei helfen könnte Freiburgs Abwehrmisere, nach dem Video-Rot steht Christian Streich nur noch ein Innenverteidiger zur Verfügung. Tipp: 0:1

RB Leipzig - Hannover 96: Würde der BVB nicht den FCB zum Depri-Gipfel empfangen, diese Partie gäbe ein veritables Topspiel ab. Dritter gegen Vierter, und das mit Hannoveraner Beteiligung. Irre. Findet auch Trainer André Breitenreiter: "Ein solch klarer Außenseiter waren wir in dieser Saison noch nicht." Aber: "Wir nehmen uns auch in Leipzig einen Sieg vor." Der scheint nach Leipzigs frustrierendem Topspiel-Triple samt Naivität und Wahnsinn nicht mal ausgeschlossen - und könnte Hannover Platz zwei bescheren. Nochmal irre. Tipp: 1:1

Borussia  Mönchengladbach - FSV Mainz (alle Samstag, 15.30 Uhr): Überschrift dieses Duells lautet: Heimkrampf gegen Auswärtselend. Unter Dieter Hecking hat die Borussia nur sechs von 16 Liga-Heimspielen gewonnen. Unter Sandro Schwarz hat Mainz nur ein Auswärtstor geschafft. Tipp: 0:0

VfL Wolfsburg - Hertha BSC (Sonntag, 18 Uhr): "Wir haben schon genug Punkte verschenkt", sagt Herthas Alexander Esswein. Okay, das war nach dem Europaliga-Sieg gegen Sorja Luhansk. Aber was international gilt, passt auch für die Bundesliga. Nur Platz elf, erst drei Siege, da sind Punkte Pflicht. Zumal Berlins Rekordeinkauf Davie Selke weiter trifft - und es Wolfsburgs Remis-Königen noch schlechter geht. Die konnten erst einen Sieg feiern. Tipp: 1:2

Wer spielt das zweitbeste Phrasenschach?

"Ich bin nicht auf Rekorde aus, ich will lieber gewinnen." Wolfsburgs Trainer Martin Schmidt will seinen Remis-Rekord von sechs Unentschieden in den ersten sechs Spielen als VfL-Coach nicht weiter ausbauen.

Quelle: n-tv.de

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