Fußball

"'Rechtsstaat' eine Beleidigung" Zwanziger attackiert Beckenbauer-Ermittler

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Ex-DFB-Chef Theo Zwanziger: "Am Schluss gewinnt die Wand."

(Foto: imago/Mandoga Media)

Ex-DFB-Präsident Theo Zwanziger greift die Schweizer Ermittler im "Sommermärchen"-Verfahren heftig an. Grund dafür ist die Abtrennung von Beckenbauers Verfahren von denen der anderen Beschuldigten. Er bezeichnet die laufenden Ermittlungen als "Unsinn" und holt zur Verbalattacke aus.

Nach der Abtrennung des Strafverfahrens gegen Franz Beckenbauer hat der frühere DFB-Präsident Theo Zwanziger die Schweizer Ermittler deutlich kritisiert. "Das ganze Verfahren ist so abwegig, dass sich eigentliches jedes Wort darüber verbietet", sagte der 74-Jährige. "In diesem Zusammenhang ist das Wort 'Rechtsstaat' in der Schweiz nur noch eine Beleidigung." Die seit 2015 laufenden Ermittlungen rund um die Fußball-WM 2006 seien von Beginn an "Unsinn" gewesen. "Sie rennen schon seit längerer Zeit mit hoher Geschwindigkeit gegen eine Wand - und am Schluss gewinnt die Wand."

Die Schweizer Bundesanwaltschaft (BA) hatte die Abtrennung des Beckenbauer-Verfahrens von dem gegen die anderen Beschuldigten bestätigt. Dieses werde "gesondert" behandelt.

Im April 2020 droht die Verjährung

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Wie schlecht geht es Franz Beckenbauer wirklich? Das wollen Theo Zwanziger und die weiteren Beschuldigten wissen. Auf diesem Bild präsentiert Beckenbauer im Jahr 2002 das offizielle Logo der WM 2006.

(Foto: imago images / Team 2)

Ex-DFB-Präsident Theo Zwanziger, der wie sein einstiger Nachfolger Wolfgang Niersbach, der frühere DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt sowie dessen Ex-Amtskollege beim Weltverband FIFA, Urs Linsi, zu den weiteren Beschuldigten zählt, vermutet einen juristischen Winkelzug. Die Ermittler seien "Getriebene", sagte der 74-Jährige am Sonntag mit Blick auf die Verjährungsfrist des Verfahrens rund um das Sommermärchen, das längst im Schatten liegt. Bis zum 27. April 2020 müsse in der Schweiz ein erstinstanzliches Urteil fallen. Dann jährt sich die im Zentrum der Ermittlung stehende Überweisung der 6,7 Millionen Euro vom DFB über die FIFA an den früheren Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus zum 15. Mal.

Die Summe war vom DFB als Beitrag zu einem WM-Kulturprogramm deklariert worden, das es letztlich nicht gab. Der Überweisung von 2005 war ein Geldtransfer des gleichen Betrags im Jahr 2002 vorausgegangen. Beckenbauer hatte sich das Geld damals offenkundig von Louis-Dreyfus geliehen und an den früheren FIFA-Funktionär Mohamed bin Hammam weitergeleitet. Der Katarer ist längst als korrupt überführt und lebenslang für alle Aktivitäten im Fußball gesperrt worden.

Zwanziger kündigt Pressekonferenz an

Deshalb war in der Schweiz im Jahr 2015 gegen die damaligen WM-Macher um Beckenbauer das Strafverfahren wegen des Verdachts des Betrugs, der ungetreuen Geschäftsbesorgung, der Geldwäscherei sowie der Veruntreuung eröffnet worden. Laut Zwanziger, der für den 15. August eine Pressekonferenz angekündigt hat und im Falle einer Anklageerhebung mit juristischen Konsequenzen droht, steht allerdings nur noch der Verdacht des Betrugs im Raum.

Beckenbauer trug mit seinen bisherigen und seltenen Einlassungen zu dem Thema nicht zur Aufklärung bei. Zuletzt machte der Gesundheitszustand der wohl prägendsten Persönlichkeit des deutschen Fußballs Sorgen. Im Juli, beim "Kaiser Cup" in Bad Griesbach, berichtete Beckenbauer laut der "Bild"-Zeitung selbst von einem Augeninfarkt. Zu den neusten Entwicklungen in der Schweiz äußerte er sich bislang nicht.

Quelle: n-tv.de, sgu/tsi/dpa

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