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Holzschuh über WM-Affäre "Zwanziger nimmt fürchterliche Rache"

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Holzschuh: Zwanziger wollte immer nach oben und von allen geachtet werden.

(Foto: picture alliance / dpa)

In der Affäre um die Vergabe der Fußball-WM 2006 konkretisiert Theo Zwanziger seinen Verdacht eines "Schmiergeldteppichs". Im n-tv Interview sieht "Kicker"-Herausgeber Rainer Holzschuh auch persönliche Motive, die auf eine alte Männerfeindschaft zurückgehen.

n-tv: Herr Holzschuh, so manche Erklärungsversuche haben wir schon gehört. Welche Beweiskraft hat das, was Theo Zwanziger da jetzt sagt?

Rainer Holzschuh: Er mutmaßt. Alles, was er bisher gebracht hat, ist zu überwältigender Zahl eine Mutmaßung und kein einziger schlüssiger wirklicher Beweis. Was wir wissen und was er ans Tageslicht gebracht hat, was durch ihn gekommen ist: dass 6,7 Millionen Euro vom damaligen Organisationskomitee an die Fifa geflossen ist und über diese sollte das weitergegangen sein an den früheren Adidas-Besitzer und späteren Olympique-Marseilles-Besitzer Dreyfus. Alles andere sind Dinge, die er in den Raum stellt, wo er immer wieder scheibchenweise neue Dinge mach vorn bringt, wie in einer Salamitaktik, anstatt mal wirklich klaren Tisch zu machen und zu sagen: Ich weiß das, ich weiß jenes und das andere weiß ich nicht.

Welche persönlichen Motive gibt es eventuell bei Zwanziger in dieser Affäre und auch in Beziehung zu DFB-Präsident Niersbach?

Man muss die ganze Vita von Theo Zwanziger kennen. Ich habe ihn in den Achtzigerjahren kennengelernt, als er ganz klein angefangen hat, beim DFB sich einzuarbeiten und nach oben die Treppen zu steigen. Bis er es dann schließlich geschafft hat, sogar DFB-Präsident zu werden. Das passt eigentlich zu seinem ganzen Charakter: immer nach oben, immer weiter, nach vorn, von allen geachtet und geliebt zu werden und der Herrscher aller Reußen zu sein.

Wie passt das zu seinem Rücktritt 2012?

Als man ihm vor drei Jahren sagte: Theo, du kannst dein Ansinnen, zurückzutreten, wirklich umsetzen, da war es eigentlich um seine Fassung geschehen. Ein kleines Beispiel nur, was er für einen Charakter hat und wie er denkt, ist, dass er die von ihm gegründete, sehr positive Kulturstiftung – er hat sich ja sehr stark für die Fußballkultur eingesetzt, das muss man positiv sehen – als er diese dann umbenennen ließ in Theo-Zwanziger-Stiftung und auch noch seinen Kopf in das Logo reintat, da war eigentlich klar, wie er denkt, wie er fühlt und das kommt ihm jetzt abhanden. Deswegen nimmt er für meinen Begriff fürchterliche Rache an all den Personen.

Quelle: n-tv.de

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