Collinas Erben

"Collinas Erben" wundern sich "Zwayerlei" Maß für den FC Bayern?

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Die 1:0-Führung für den FC Bayern durch den Spanier Javi Martinez war mindestens mal umstritten.

(Foto: www.imago-images.de)

Die Niederlage gegen den FC Bayern in der Fußball-Bundesliga ist verdient, das sehen auch die Gladbacher so. Aber sie hadern mit dem Referee, der das Führungstor von Javi Martínez anerkennt. Bei der Partie der Leipziger in Nürnberg sorgt Ibrahima Konatés zweite Gelbe Karte für Verwunderung.

Bei der Mönchengladbacher Borussia räumten sie unumwunden ein, dass der FC Bayern besser war. Das war nicht das Problem. Schließlich waren die Münchener klar überlegen und hatten ihr Auswärtsspiel an diesem 24. Spieltag der Fußball-Bundesliga mit 5:1 gewonnen. Dennoch ärgerte sich nicht nur Gladbachs Trainer Dieter Hecking darüber, dass Schiedsrichter Felix Zwayer den frühen Führungstreffer des Tabellenzweiten durch Javi Martínez anerkannt und auch der Video-Assistent keine Einwände geltend gemacht hatte.

Collinas Erben

"Collinas Erben" - das ist Deutschlands einziger Schiedsrichter-Podcast, gegründet und betrieben von Klaas Reese und Alex Feuerherdt. Er beschäftigt sich mit den Fußballregeln, den Entscheidungen der Unparteiischen sowie mit den Hintergründen und Untiefen der Schiedsrichterei. "Collinas Erben" schreiben jeden Montag auf n-tv.de über die Schiedsrichterleistungen des Bundesligaspieltags. Unser Autor Alex Feuerherdt ist seit 1985 Schiedsrichter und leitete Spiele bis zur Oberliga. Er ist verantwortlich für die Aus- und Fortbildung in Köln, Schiedsrichterbeobachter im im Bereich des DFB und arbeitet als Lektor und freier Publizist.

Dabei hatte der Münchner nach einem Eckstoß seinen Gegenspieler Nico Elvedi mit dem Arm weggedrückt, woraufhin dieser nahezu widerstandslos zu Boden gegangen war. Danach köpfte Martínez den Ball unbedrängt ins Tor. Ein Foul? Oder der handelsübliche robuste Körpereinsatz vor Spielfortsetzungen in Tornähe? Letzteres, entschied Zwayer etwas überraschend, und sein Assistent an den Monitoren in Köln fand dieses Ermessen nicht überstrapaziert.

Damit hatte der Referee eine recht großzügige Linie bei der Zweikampfbeurteilung vorgegeben, die er allerdings nicht konsequent durchhielt. Ins Auge fiel dabei besonders die Strafstoßentscheidung für den FC Bayern in der Schlussminute. Gewiss, Joshua Kimmich war in einer schnellen Drehbewegung, aber dass das leichte Halten von Thorgan Hazard und der geringfügige Kontakt am Knie wirklich ursächlich für den Sturz des Münchners waren, darf man bezweifeln. Die Zweikampfbeurteilung durch den Unparteiischen war hier jedenfalls deutlich kleinlicher als vor dem 0:1, und das passte nicht recht zusammen.

Allgemeine Verwirrung in Nürnberg

Groß war derweil die Verwunderung in der 58. Minute zwischen dem 1. FC Nürnberg und RB Leipzig - Endstand 0:1. Schiedsrichter Daniel Schlager hatte dem Leipziger Ibrahima Konaté für ein Foul an Mikael Ishak die Gelbe Karte gezeigt. Und weil der Innenverteidiger bereits nach neun Minuten verwarnt worden war, rechneten nun alle damit, dass der Unparteiische auch die Rote Karte hervorholen wird, um die Matchstrafe anzuzeigen. Doch Konaté durfte auf dem Feld bleiben, und das sorgte für viele fragende Gesichter. Handelte es sich um einen Fehler des Referees? Und wenn ja, warum griff der Video-Assistent nicht ein?

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Durfte dann doch bleiben: Leipzigs Ibrahima Konaté in Nürnberg.

(Foto: www.imago-images.de)

Für Aufklärung sorgte der Stadionsprecher, allerdings nicht, ohne für weiteres Stirnrunzeln zu sorgen. Er sagte durch, dass die erste Verwarnung nach Angaben des Vierten Offiziellen in der Halbzeit vom Schiedsrichter zurückgenommen worden sei. Gemeint war vermutlich, dass die betreffende Auskunft des Vierten Offiziellen in der Pause übermittelt worden war. Doch die Durchsage ließ sich auch so verstehen, dass die Annullierung der ersten Gelben Karte für Konaté erst in der Halbzeit erfolgt war. So berichtete es auch der Bezahlsender Sky seinen Zuschauer.

Das stimmte allerdings nicht, wie Schlager klarstellte. Er habe beide Kapitäne sofort zu sich gerufen und sie, wie auch Konaté selbst, über die Rücknahme der Verwarnung informiert, erklärte er im ZDF. Der Leipziger Kapitän Willi Orban bestätigte das. Der Unparteiische habe "die Gelbe Karte gezogen und dann mit Köln kommuniziert", berichtete er. "Er hat mir und Nürnbergs Kapitän Hanno Behrens dann gesagt, dass er die Gelbe Karte zurücknimmt." Grundsätzlich gilt: Der Schiedsrichter kann eine Entscheidung ändern, solange das Spiel noch nicht wieder fortgesetzt ist. Danach steht sie unwiderruflich fest. Es ist also nicht möglich, in der Halbzeitpause eine persönliche Strafe für nichtig zu erklären, die nach neun Minuten verhängt wurde.

Warum Konatés erste Verwarnung kassiert wurde

Doch wie und warum kam es überhaupt zur Rücknahme der Verwarnung? Konaté hatte an der eigenen Strafraumgrenze das Bein gegen den ballführenden Tim Leibold stehen lassen, der Nürnberger fädelte dankbar ein und ging zu Boden. Referee Schlager wertete das als Unterbindung eines aussichtsreichen Angriffs durch den Abwehrspieler, landläufig auch "taktisches Foul" genannt. Bei diesem Vergehen gilt: Findet es im Strafraum statt, gibt es neben dem Elfmeter nur dann eine Gelbe Karte, wenn der Ball nicht gespielt werden konnte und sollte, also etwa bei einem Stoßen oder Halten.

Außerhalb des Strafraums dagegen wird in jedem Fall auch eine Verwarnung fällig. Deshalb sah Konaté zunächst Gelb, denn der Schiedsrichter hatte das Vergehen außerhalb des Strafraums verortet und deshalb auf Freistoß entschieden. Die Überprüfung dieser Entscheidung durch den Video-Assistenten ergab jedoch, dass sich der Kontakt auf der Strafraumlinie ereignet hatte. Daher korrigierte der Referee seine Entscheidung und sprach den Nürnbergern einen Strafstoß zu. Das bedeutete zugleich, dass die Gelbe Karte gegen Konaté revidiert werden musste, denn der Einsatz des Leipzigers war ballorientiert. Die meisten Zuschauer bekamen von der Rücknahme der Verwarnung allerdings nichts mit. Erst der Stadionsprecher informierte sie darüber, wenn auch in missverständlicher Weise.

 

Weghorst im Abseits - strafbar oder nicht?

In Wolfsburg feierte der VfL  beim 1:1 gegen Werder Bremen seinen Führungstreffer sehr zurückhaltend, weil er selbst nicht sicher war, ob er Bestand behalten würde. Denn als Maximilian Arnold einen Freistoß vor das Tor der Gäste gezirkelt hatte, war neben dem Torschützen John Brooks auch Wout Weghorst zum Ball gegangen, und zwar aus klarer Abseitsposition. Brooks war allerdings schneller gewesen und hatte den Ball über Werders Torhüter Jiri Pavlenka hinweggeköpft, der einen Tick zu spät aus seinem Tor geeilt war.

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Hat Wout Weghorst (Mitte) Bremens Torwart Jiri Pavlenka entscheidend gestört?

(Foto: www.imago-images.de)

Die Frage lautete nun: Hatte Weghorst den Schlussmann der Gäste in dessen Möglichkeit beeinträchtigt, den Ball zu erreichen? Wenn man bedenkt, dass sowohl Weghorst als auch Brooks zum Ball liefen, Weghorst einen deutlichen Versuch unternahm, die Kugel auch zu erreichen, dem Bremer Keeper am Ende sehr nahe kam und Pavlenka nicht sicher sein konnte, welcher Wolfsburger den Ball erreichen wird, dann spricht das für eine Beeinflussung und damit für ein strafbares Abseits. Auf der anderen Seite hatte sich Pavlenka beim Herauslaufen erkennbar verschätzt und wäre deshalb aller Wahrscheinlichkeit nach ohnehin nicht mehr an den Ball gekommen. Deshalb könnte man argumentieren, dass Weghorsts Abseitsstellung letztlich ohne Belang für den Ausgang der Szene war. Womöglich haben das auch Schiedsrichter Daniel Siebert, sein Assistent an der Seitenlinie und der Video-Assistent so gesehen.

Quelle: n-tv.de

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