Kösters Direktabnahme

Köster und die Kuriositäten Köln zelebriert Konstanz, S04 kann's nicht

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Haben den Durchblick: Anthony Modeste und seine Kölner.

(Foto: imago/Horstmüller)

Das Fußballjahr 2016 war voller Überraschungen, guter wie böser. Auf Schalke und beim HSV sollte alles besser werden - Pustekuchen! Dortmund wollte oben angreifen. Auch daraus wurde nix. Dafür glänzen Köln und Hertha. Wer hätte das gedacht?

Peter Stöger ist Österreicher und Trainer des 1.FC Köln. Was in der Kombination dazu geführt hat, dass sich der Coach zu einem der herausragenden Humoristen der Bundesliga entwickelt hat und er völlig verdient für den Fußballspruch des Jahres 2016 ausgezeichnet wurde. "Ich hab dem Linienrichter meine Brille angeboten" hatte Stöger nach einem verlorenen Kick verkündet und dann maliziös hinzugefügt: "Aber nicht mal das hat er gesehen!"

Philipp Köster, Jahrgang 1972, ist Chefredakteur und Herausgeber des Fußballmagazins "11 Freunde". In seiner Kolumne "Kösters Direktabnahme" greift er jeden Dienstag für n-tv.de ein aktuelles Thema aus der Welt des Fußballs auf. Zudem ist er seit der Saison 2016/17 Bundesligaexperte von n-tv.

Dabei kann Peter Stöger ziemlich zufrieden vor dem Weihnachtsbaum sitzen. Schließlich gehören seine Kölner zu den Überraschungsmannschaften dieses Jahres. Zwar liest sich Tabellenplatz 7 nicht allzu spektakulär. Trotzdem ist es erstaunlich, wie gefestigt sich der 1. FC Köln seit einiger Zeit präsentiert. Nur mal zur Erinnerung: Es ist nicht allzu lange her, da waren die Domstädter eine ausgewiesene Fahrstuhlmannschaft. Nach jedem Aufstieg ging es postwendend wieder bergab, Trainer und Sportdirektoren gaben sich die Klinke in die Hand. Heute spielt in Köln eine Mannschaft, in der sich Nationalspieler wie Jonas Hector, ein herausragender Keeper wie Timo Horn und ein echter Knipser wie Antony Modeste nicht unterfordert fühlen.

Dass sich die euphorischen Schlagzeilen über den FC nicht häufen, hat nur damit zu tun, dass die Bundesliga fast zu zwei Dritteln aus Mannschaften besteht, die entweder weit über oder weit unter den Erwartungen spielen. Um bei den positiven Überraschungen zu bleiben: Eintracht Frankfurt auf Platz 4? Allzu viele Leute werden nicht ins Wettbüro gerannt sein, um darauf ihr Geld zu setzen. Und welche rasante Entwicklung die TSG Hoffenheim unter Julian Nagelsmann nehmen würde, hatte sich in der letzten Saison bereits angedeutet. Nun reicherte der junge Coach das spieltaktische Korsett der TSG noch durch eine raubeinige Präsenz neuer Spieler wie Sandro Wagner an und wurde dafür belohnt.

Plötzlich Spitzenteam

Und nicht minder überraschend ist der Werdegang der Berliner Hertha, die sich in den letzten Jahren schon auf einen dauerhaften Pendelverkehr zwischen den Bundesligen eingerichtet hatte - um sich dann urplötzlich zu einer richtigen Spitzenmannschaft zu entwickeln. Und das ausgerechnet unter Coach Pal Dardai, der menschgewordenen Bodenständigkeit. Ihm und dem oftmals unterschätzten Michael Preetz ist anzurechnen, dass der Kader mit Augenschein und Blick fürs finanziell Machbare weiterentwickelt wurde.

Letztes Jahr war die Hertha zur Halbzeit auch Dritter, sogar mit drei Punkten mehr auf dem Konto. Der größere Unterschied zum letzten Jahr: Diesmal wird die Hertha wohl in der zweiten Saisonhälfte nicht wieder den Tiefflug in die Kasematten der Tabelle antreten. Die größte positive Überraschung ist jedoch der SC Freiburg. Der Aufsteiger wirtschaftet mit dem kleinsten Etat der Liga und steht auf Platz 8, vor Schalke, Leverkusen, Mönchengladbach und dem HSV. Es ist dies ein nicht zu unterschätzendes Husarenstück. Um so mehr, da Coach Christian Streich in seinen inzwischen legendären Pressekonferenzen auch noch mit klugen Worten unserer hysterischen Republik die Leviten liest.

Meisterweißbier mit Eiswürfeln

Wo wir im Zuge des Freiburger Höhenfluges schon mal die Verlierer gestreift haben: Borussia Dortmund nur auf Platz 6? Coach Thomas Tuchel hatte vor wenigen Wochen verkündet, die Saison fühle sich "zäh" an. Das war noch reichlich untertrieben, die Dortmunder kommen schlicht nicht in Fahrt. Rauschhafte Auftritte in der Champions League wechseln sich mit lustlosen Auftritten in der Liga ab, oft im Abstand von nur wenigen Tagen. Dass die Dortmunder nichts mit der Meisterschaft zu tun haben würden, war ja eh rasch klar gewesen. Die Aussicht aufs Verpassen der Champions League jedoch würde den BVB-Bossen um Aki Watzke den Angstschweiß auf die Stirn treiben. Das Erreichen der Königsklasse ist angesichts des finanziellen Aufwandes für den BVB inzwischen Pflicht.

Manches ist beim Blick auf 2017 reichlich ungewiss: Kommt Mönchengladbach unter dem gerade erst in Wolfsburg gefeuerten Dieter Hecking wieder in die Spur? Und bewahrheitet sich beim HSV wieder einmal das Bonmot, dass sie nicht mal ordentlich absteigen können? Zweierlei ist aber klar. Darmstadt 98 steigt ab. Und die Bayern werden wieder Meister.

Und wenn es ganz schlecht läuft und der Leipziger Brauseklub abstürzt, dann bitte so, dass die armen Bayern schon irgendwann Anfang März bei arktischen Temperaturen auf dem Platz ihr Meisterweißbier überreicht bekommen – mit Eiswürfeln drin. Wir gratulieren schon mal vorab.

Quelle: n-tv.de

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