Redelings Nachspielzeit

Redelings' Fußball-Höhepunkte 2015 "Ich mach's im Stehen"

sdfasdfg.jpg

Sylvie Meis erregt die Gemüter, der FC Bayern langweilt Carlo Ancelotti und eine Fritteuse killt das Flutlicht. 2015 war kein tolles, aber ein verrücktes Fußballjahr. Peter Neururer und Mario Basler jedenfalls werden es nie vergessen.

Irgendwie ist die Verkündung des Abgangs von Josep Guardiola schon ernüchternd verlaufen. Wenn man sagen würde, das Ganze hätte Fußball-Deutschland nur peripher tangiert, würde man den Weihnachtsmann noch zum Osterhasen machen. Im Moment weckt jedes Instagram-Foto von Sylvie Meis mehr Emotionen als eine Nachricht vom FC Bayern München. Diese spezielle, fast schon prekäre Lage hat bereits vor ein paar Monaten ein kluger Mann fein auf den Punkt gebracht. Er sagte hörbar gelangweilt: "Der FC Bayern wird die Bundesliga gewinnen, ohne die Hände aus den Hosentaschen zu nehmen. Ich muss gestehen, dass ich Bayerns Spiele nicht genießen kann. Es gibt einfach zu wenig echten Wettbewerb."

orangenerKreis.jpg

Der Mann, der diese Worte sprach, hat Recht. Und weil er keine Lust darauf hatte, weiter mit Abscheu die Spiele des Rekordmeisters zu verfolgen, hat er sich gedacht: Ändere ich das eben selbst! Man darf gespannt sein, wie der neue Bayern-Trainer Carlo Ancelotti ab dem Sommer aus dieser Nummer wieder rauskommt. Doch bis dahin hat Joseph Blatter bereits ein halbes Jahr seiner Zwangspause abgesessen und der FC Bayern die Weltöffentlichkeit immer noch nicht darüber aufgeklärt, dass in Wahrheit seit dem Abgang von Jürgen Klinsmann der große Hermann Gerland an der Säbener Straße die Geschicke des Vereins leitet.

Latteks Tod überschattet das Jahr

"Ein Tor würde dem Spiel gut tun"

Ben Redelings ist "Chronist des Fußballwahnsinns" (Manni Breuckmann) und leidenschaftlicher Anhänger des VfL Bochum. Der Autor, Filmemacher und Komödiant lebt in Bochum und pflegt sein Schatzkästchen mit Anekdoten. Seine kulturellen Abende "Scudetto" sind legendär. Für n-tv.de schreibt er stets dienstags die spannendsten und lustigsten Geschichten auf. Sein Motto ist sein größter Bucherfolg: "Ein Tor würde dem Spiel gut tun".

2015 war kein Fußball-Glanzjahr. Es fing mit dem Tod des geschichtsträchtigen Trainers Udo Lattek im Februar an. Damals erinnerte ich mich an eine Geschichte aus den 90er-Jahren, die unter Journalisten zu später Stunde gerne die Runde macht. Damals soll der ehemalige Erfolgscoach Lattek bis drei Uhr in der Nacht die Hotelbar quasi leer getrunken haben. Dennoch wirkte er am nächsten Morgen beim Auschecken an der Rezeption recht fit. Der junge Mann am Empfang fragte Lattek routinemäßig, ob er denn etwas aus der Minibar gehabt habe und der mehrmalige Meistertrainer antwortete mit fester Stimme: "Alles!" Der Hotelangestellte überschlug schnell im Kopf die imposante Rechnungssumme, schaute Lattek in die Augen und fragte noch einmal: "Alles?" Und der Fußballlehrer antwortete erneut und ohne zu zögern: "Alles!" Der junge Mann vergewisserte sich und fragte abschließend: "Auch die Nüsse?" Und Lattek antwortete ruhig: "Auch die Nüsse!"

Nicht wenige Fußballfans stimmte ein anderer Abgang, Gott sei Dank nur auf Zeit, im April traurig. Doch die ganze rührselige Stimmung an diesem Tag bei Jürgen Klopps Rücktritts-Pressekonferenz kippte schlagartig, als ein angeblicher Journalist aus Brüssel angesichts des angekündigten Abschieds des BVB-Trainers Torschlusspanik bekam und die letzte Frage des Tages für ein persönliches Anliegen nutzte. Der gute Mann wollte Klopp nur mal schnell daran erinnern, dass er ihm und seinem Sohn noch Karten für ein Spiel versprochen habe. Klopp reagierte gewohnt souverän. Nachdem er einmal tief Luft geholt hatte, meinte er lässig: "Ihr Selbstvertrauen möchte ich haben."

Legendärer Twitter-Dialog

Den Twitter-Dialog des Jahres lieferten sich Peter Neururer und Mario Basler. Der ehemalige Bundesliga-Trainer schrieb am 5. August um 12.17 Uhr: "@mariobasler du Nase! Warte auf Anruf, vergeblich. Hilfe durch Twitter, melde Dich!!!" Die Antwort von Mario Basler folgte zwei Stunden später: "@neururer_peter Bist du der Verrückte, der seit rund 12 Stunden auf meinem Faxgerät anruft? Ich meld mich!"

*Datenschutz

Die Nachricht des Jahres kam aus Billigheim-Ingenheim. Beim Nachholspiel der C-Klasse Südpfalz West zwischen Fortuna Billigheim-Ingenheim III gegen RW Mörzheim passierte Folgendes: "Das Flutlicht fiel aus, als eine Fritteuse angeschaltet wurde. Als das Stromkabel umgesteckt war, konnte die Partie nach 20 Minuten fortgesetzt werden." Endstand übrigens 4:0.

Die Werbeaktion, die für die meiste Aufregung sorgte, kam mal wieder aus Fürth. Nachdem man in den vergangenen Jahren schon mit Slogans wie "Heimspiel heißt nicht, dass man zu Hause bleiben soll" oder "Lieber unten ein hoch, als oben ein tief" viel Aufmerksamkeit auf den Klub lenkte, sorgten die diesjährigen Werbesprüche endgültig für tüchtig Gesprächsstoff. Die Plakate mit dem Aufdruck "Ich mach's 90 Minuten", "Ich mach's mit meiner Freundin" oder "Ich mach's im Stehen" brachten die Gemüter nicht nur im Frankenland in Wallungen. Dabei sollten die Slogans doch nur eins bewirken: "Mach's! Aber mach's mit uns. Fußball beim Kleeblatt – immer gefühlsecht".

Adios, Señor Raab

Und zu guter Letzt verabschiedete sich noch ein glühender FC-Fan von der Mattscheibe. Was viele mittlerweile vergessen haben: Am 12. Januar 2001 schrieb Stefan Raab Bundesliga-Geschichte. Was damals genau passierte? Raab spielte bei der legendären Pressekonferenz von Christoph Daum an diesem Tage eine entscheidende Rolle. In Köln sagte damals der ehemalige Meistertrainer nur drei Monate nach seinem Kokain-Geständnis vor 30 Kamerateams, 50 Fotografen und über 200 Journalisten: "Die Haaranalyse, die ich habe machen lassen, muss man im Nachhinein sagen, war ein Fehler (Gelächter unter den Zuhörern). Ich habe es mir auch anders vorgestellt."

Unter den Medienvertretern war auch ein Team von "TV total". Und Moderator Stefan Raab verwandelte die Pressekonferenz im Handumdrehen in eine Comedy-Veranstaltung mit Slapstick-Einlagen: "Ich möchte mich erst einmal vorstellen: Stefan Raab von den ProSieben-Nachrichten. Die Dinge, wie sie sich entwickelt haben, gefallen mir besonders gut, da ich es als FC-Fan immer schon scheiße fand, dass Sie Leverkusen trainiert haben. Die zweite Sache, die ich sehr zutreffend finde, ist die, dass Sie sich als mitmoderierenden Kollegen den Kollegen Werner Hanf ausgesucht haben …"

Voller Freude auf das Jahr 2016 wollen wir uns allen gegenseitig nur eins wünschen: Gesundheit und dass wir uns nicht allzu oft im neuen Jahr von unserer Kompetenz beirren lassen. Glück auf!

Gerade erschienen ist das Buch unseres Kolumnisten Ben Redelings: "Die Bundesliga, wie sie lebt und lacht: Zum Schießen komische Momente von Ahlenfelder bis Zebec" bei Amazon bestellen.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema