Fußball-WM 2018

Drei Tore und noch ein Rekord Gut, besser, Cristiano Ronaldo

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Er war's: Gegen Spanien erzielt CR7 drei Treffer.

(Foto: imago/PA Images)

Cristiano Ronaldo ist der herausragende Akteur beim mitreißenden Fußball-WM-Auftaktspiel der Portugiesen gegen die spielerisch überlegenen Spanier. Er trübt damit Fernando Hierros Premiere als Nationaltrainer.

Der Arbeitstag endete mit zahlreichen Selfies. Das ist ja nicht außergewöhnlich, denn Cristiano Ronaldo ist so etwas wie der Selfie-König unter den Fußball-Profis. Nach dem furiosen 3:3 im Duell der Nachbarn von der iberischen Halbinsel hat es aber noch ein paar Gründe mehr gegeben für diesen außergewöhnlichen Spieler sowie dessen Fans und Bewunderern, den Fußballabend digital festzuhalten. Ein paar freiwillige Helferinnen nutzten die Chance ebenso wie die portugiesischen oder vielleicht auch spanischen Journalisten, und Ronaldo war wie meistens gerne bereit zum Posieren.

Er war der Mann des Abends, in fast jeder Hinsicht, obwohl es dem grandiosen Spiel der beiden Favoriten in der Gruppe B nicht gerecht wird, es nur auf Ronaldo zu reduzieren. Aber der 33-Jährige hat Spanien, das in den letzten Tagen vor dem WM-Auftakt so viele Schlagzeilen geschrieben hat wie keine andere Mannschaft, mit seinen drei Toren diese erste Partie unter dem neuen Trainer Fernando Hierro ein wenig verdorben. Die Spieler des Weltmeisters von 2010 verschwanden nach Schlusspfiff eilig in den Katakomben, zu groß war zunächst die Enttäuschung, nicht über die eigene Leistung, sondern vielmehr, dass es nach spielerischer Überlegenheit nicht zum Sieg gereicht hatte. "Wenn du gegen Spieler wie Cristiano Ronaldo spielst, kann so etwas passieren", sagte Hierro, der schnell erkannt hatte, dass dieses Remis den Status seiner Mannschaft als einer der Turnierfavoriten jedoch bestätigte und zudem bewies, wie gut die Ereignisse um die Entlassung von Julen Lopetegui weggesteckt wurden. "Wir haben alle Widrigkeiten überwunden, und das Team hat an sich geglaubt, gekämpft, nicht aufgehört zu glauben."

Ego Ronaldo freut sich mit Team

Spanien hat abgesehen von der Anfangsviertelstunde, als die Mannschaft früh in Rückstand geriet, wunderbaren Fußball gespielt, zweimal einen Rückstand durch die beiden Tore von Diego Costa aufgeholt und ist danach durch den Treffer von Nacho in Führung gegangen, aber Ronaldo war eben noch fantastischer an diesem Abend im Fischtstadion von Sotschi. Der Weltfußballer ist der erste Spieler, der bei acht aufeinanderfolgenden Turnieren getroffen hat und erste der vierte nach Pelé sowie den beiden Deutschen Uwe Seeler und Miroslav Klose, dem dies bei vier WM-Endrunden in Serie gelungen ist. Er sei eine Marke mehr in seiner Karriere, sagte Ronaldo, aber viel wichtiger sei gewesen, "was das Team getan hat. Wir haben auch nicht aufgegeben, als wir hinten waren. Wir sind als Mannschaft sehr gut zusammengewachsen und glauben daran, dass wir weit kommen können."

Der Offensivspieler von Real Madrid präsentierte sich unbeeindruckt von allem, was ihm herum geschah. Kurz vor dem Spiel war bekannt geworden, dass er sich im Verfahren der Steuerhinterziehung mit den spanischen Behörden geeinigt hat. Ronaldo, der Einnahmen aus Bild- und Werberechten über ein verzweigtes Firmennetzwerk am Fiskus vorbeigeschleust haben soll, erhält nach gerichtlichen Quellen eine zweijährige Haftstrafe auf Bewährung und muss 18,8 Millionen Euro nachzahlen. Bei seinem ersten Ballkontakt war er von den spanischen Anhängern und vielleicht auch von den eher neutralen russischen Besuchern ausgepfiffen worden, aber schon nach seinem Solo in den Strafraum, bei dem er von Nacho nur mit einem Foul zu bremsen und dem von ihm verwandelten Elfmeter in der vierten Minute wurde die Zahl der Bewunderer im Stadion deutlich größer.

"Er hat es allen gezeigt"

Ronaldo präsentierte sich zum Auftakt der WM in Russland in einem viel besseren Zustand als am Ende der Saison bei Real Madrid, als er in den wichtigen Partien der Champions League keine große Rolle spielte. "Er gibt uns unglaubliche Sicherheit und hat erneut unter Beweis gestellt, dass er der beste Spieler der Welt ist. Er hat es allen gezeigt", sagte sein Mannschaftskollege Cedric. Nicht nur körperlich sei er in einem sehr guten Zustand, findet Portugals Trainer Fernando Santos, "aber noch wichtiger ist seine mentale Fitness. Er ist unglaublich stark im Kopf."

Der Kapitän hat seine Mannschaft immer wieder nach vorne getrieben, war an den wenigen aber gefährlichen Angriffen stets beteiligt, hatte bei seinem Tor zur 2:1-Führung kurz vor der Pause auch noch von einem schweren Fehler von Spaniens Torhüter David de Gea profitiert, der den haltbaren Schuss durchrutschen ließ, holte kurz dem Ende auch noch Freistoß heraus und zirkelte diesen dann auch selbst ins Netz. "Er spielt schon so lange auf dem höchsten Niveau", sagte Santo. "Er weiß, wie er mit diesen Momenten umgehen muss." Und er hat die Fähigkeiten dazu.

Quelle: ntv.de