Fußball-WM 2018

Khedira, Kroos, Özil & Co. Wie gut ist die DFB-Elf noch?

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Nur noch gerade so eben mitgeschleift? Für die Klasse von 2010 gibt es nach der WM-Auftaktniederlage schlechte Zeugnisse.

(Foto: imago/Moritz Müller)

Bei der WM 2010 in Südafrika erobern sie Platz drei und die Herzen der Fans. Nun in Russland sind die Weltmeister Neuer, Boateng, Khedira, Kroos, Özil und Müller immer noch das Gerüst des DFB-Teams - eine gute Idee?

Die Frage, wie es nun weitergehen soll bei dieser Weltmeisterschaft in Russland, hat vom Deutschen Fußball-Bund am Montag niemand beantwortet. Keine Medienaktivitäten, hieß es. Das ist allerdings meist so am Tag nach einem Spiel. Dass der Verband allerdings auch eine Veranstaltung mit dem ehemaligen Kapitän und Weltmeister Philipp Lahm im Teamquartier in Watutinki ohne einen Grund zu nennen absagte, deutet darauf hin, dass es um die Stimmung nicht zum Besten steht. Dabei hätte zum Beispiel Bundestrainer Joachim Löw die Chance nutzen können, einen Teil der Deutungshoheit über das, was am frühen Sonntagabend im Luschniki-Stadion geschehen ist, zurückzugewinnen.

So aber steht nach der peinlichen 0:1-Niederlage gegen Mexiko im ersten WM-Gruppenspiel die Frage im Raum, was nur mit dieser Mannschaft geschehen ist, die doch ausgezogen war, ihren vor vier Jahren in Brasilien gewonnenen Titel erfolgreich zu verteidigen. Nun muss Torwart Manuel Neuer diese Frage beantworten, wenn er sich an diesem Dienstag ab etwa halb zwölf deutscher Zeit den Fragen der Journalisten stellt. Um 16 Uhr startet der Flug nach Sotschi, wo das DFB-Team dann am Samstag (ab 20 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) in der Gruppe F schon ums sportliche Überleben bei diesem Turnier spielt. Gegner sind die Schweden, die mit einem 1:0 gegen Südkorea gestartet sind.

Vorher aber wird sich zeigen, wie gut Neuer die Frage nach den Gründen beantworten kann. Immerhin hatte er Zeit genug, in Ruhe darüber nachzudenken und mit seinen Kollegen zu sprechen. Nach der Partie in Moskau hatte er gesagt, er werde als Kapitän nun alles dafür tun, "dass wir wieder erfolgreich sind". Eine WM sei ja für jeden Spieler eine Riesenchance. Erst aber einmal seien alle selbstverständlich sehr enttäuscht über die verdiente Niederlage gegen Mexiko. "Vor allem in der ersten Halbzeit haben wir nicht so gespielt, wie wir spielen können." Das ist ein interessanter Satz. Denn genau das ist es, was viele beschäftigt.

Wie gut können sie es noch?

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Müller erwischte einen gebrauchten Tag.

(Foto: imago/Colorsport)

Ist die DFB-Elf, wie es in der Sprache der Fußballer heißt, einfach nur unter ihren Möglichkeiten geblieben? Weil Sami Khedira und Thomas Müller einen sehr schlechten, Toni Kroos und Mesut Özil einen schlechten und Jérôme Boateng und Mats Hummels zumindest keinen besonders guten Tag erwischt hatten? Weil sie sich selbst überschätzen, weil sie so arrogant waren zu denken, für diesen Gegner reicht es eh? Oder ist es womöglich so, dass sie es nicht besser konnten, weil die Mexikaner mit ihrem schnellen und aggressiven Konterspiel schlichtweg besser waren? Und haben sich die Weltmeister von 2014 nach mehreren verkorksten Testspielen vor dieser WM vielleicht zu sehr vorgegaukelt, dass das schon klappt in Russland, wenn sie sich nur am Riemen reißen? Löws Mantra lautet ja seit jeher: Im Trainingslager richten wir das schon.

Der Auftritt gegen Mexiko aber hat alles vermissen lassen, was er versprochen hatte. Von wegen bereit, von wegen gleich im ersten Spiel schon ein Zeichen setzen. Wenig bis nichts passte, der Trainer schien ratlos, die Spieler waren es auch. Und das bei einer Mannschaft, die im Kern schon seit der WM in Südafrika beieinander ist. Im Sommer 2010 zogen Neuer, Boateng, Khedira, Kroos, Özil, Müller und auch Gomez aus, um mit erfrischendem Konterfußball Platz drei und die Herzen der Fans zu erobern. Zum Auftakt gab's ein 4:0 gegen Australien, vor allem aber das 4:1 gegen England im Achtelfinale und das 4:0 gegen Argentinien im Viertelfinale beeindruckten. Was waren das für Feste.

Lahm macht sich keine Sorgen

Diese junge Mannschaft, von denen einige schon 2009 gemeinsam U21-Europameister geworden waren, war ohne den verletzten Kapitän Michael Ballack ein Versprechen auf die Zukunft, das sie dann vier Jahre später in Brasilien einlöste. Nun, acht Jahre später, irrte am Sonntag im Luschniki die älteste deutsche Startelf seit 16 Jahren über den Rasen. Und wenn Löw hinterher sagte, eigentlich sei sein Team doch recht jung, dann irrt er. Gegen Mexiko lag der Altersdurchschnitt bei exakt 27 Jahren und 310 Tagen. So alt war sie davor im WM-Finale 2002 gegen Brasilien, damals hieß der Trainer noch Teamchef und Rudi Völler. Aber das ist nicht grundsätzlich das Problem, auch Weltmeister dürfen älter werden. Und vor dem Turnier gab es schließlich kaum Kritik daran, wie Löw seinen Kader für dieses Turnier zusammengestellt hat - abgesehen davon, dass einige gerne Leroy Sané in Russland gesehen hätten. Und Sandro Wagner war auch nicht einverstanden. Die Frage, die sich jetzt aber stellt, lautet: Wie gut können es die Himmelsstürmer von 2010 noch?

Ballacks Nachfolger damals war übrigens Philipp Lahm, der das Amt in Südafrika eigentlich nur interimsweise übernehmen sollte, dann aber die Binde nicht mehr hergab. Der durfte zwar am Montag nicht nach Watutinki, sprach aber mit der ARD und tat kund, er mache sich keine Sorgen, dass die DFB-Elf das Achtelfinale verpassen könnte. Für die Ausladung zeigte er Verständnis: "Wir haben gehört, sie schotten sich ein bisschen ab. Jetzt fallen Gespräche an. Sie sprechen darüber, was man falsch gemacht hat. Genauso sprechen sie aber auch mit dem Trainer." Es sei ein wichtiger Tag, um Lösungen zu finden. Es wird interessant sein zu beobachten, wie diese Lösungen aussehen.

Quelle: ntv.de

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