Fußball-WM 2018

"Selbst kaum dran geglaubt" Werner schwärmt, Reus hat Malaga-Déjà-vu

Im WM-Drama gegen Schweden wirbeln Timo Werner und Marco Reus auf der linken Seite wild herum - und bringen frischen Schwung ins Spiel des DFB-Teams. Beide sind mit der Leistung zufrieden. Trotzdem packt den Aushilfs-Linksaußen Werner die Sehnsucht.

Eines sei den Anhängern der deutschen Fußball-Nationalmannschaft versichert: Während des 2:1-Dramas gegen Schweden am Samstag hat Timo Werner auf dem Rasen des Olympiastadions von Sotschi mindestens genauso gelitten wie die Millionen Hobby-Bundestrainer vor den Bildschirmen. Dieser Eindruck jedenfalls drängt sich auf, wenn der 22 Jahre alte Angreifer die Schlussphase des denkwürdigen Spiels schildert. "Die letzte Minute war sehr emotional", sagt Werner auf der DFB-Pressekonferenz in Watutinki. Nach dem Meisterschuss von Toni Kroos habe er es nicht einmal mehr geschafft, gemeinsam mit den Mannschaftskollegen zu jubeln. "Danach bin ich vor Ermüdung zusammengeklappt und einfach liegen geblieben." Zum anschließenden Schlussspurt zurück in die eigene Hälfte hat es dann - zum Glück für die DFB-Zehn - aber doch noch gereicht.

Nun, zwei Tage später, sitzt Werner wieder im WM-Quartier im Moskauer Umland. Frisch, fröhlich - und ehrlich: "So richtig dran geglaubt habe ich auch nicht", räumt er ein. Dabei ist nicht ihm anzukreiden, dass das DFB-Team bis über die reguläre Spielzeit hinaus um einen Erfolg gegen Schweden, ja um den WM-Verbleib, zittern musste. Von Beginn an legte er sich ins Zeug, passte sich allerdings dem wenig weltmeisterlichen Niveau des Teams an - bis zur Halbzeitpause. Danach beorderte Bundestrainer Joachim Löw den Mittelstürmer auf den linken Flügel, wo er fortan im Duett mit Marco Reus herumwirbelte und zu zwei guten Torchancen kam.

Nicht nur Löw dürfte die Arbeit des WM-Neulingsduos auf der linken Seite gefallen haben. Auch Reus ist überzeugt von dem Zusammenspiel. "Wir sind frei im Spiel und schon flexibel, welche Position wir besetzen", sagt der "Man of the Match". Das könne den Gegner leicht durcheinander bringen. "Das war ein guter Schachzug, Timo Werner in der zweiten Halbzeit auf der linken Seite einzusetzen", resümiert der Dortmunder zum Wirbelduett und dreht sich passend auf dem braunen Lederdrehstuhl hin und her. Der 29 Jahre alte Mittelfeldspieler war ja maßgeblich daran beteiligt, dass der DFB-Kick gegen Schweden nicht in einem Desaster endete.

Die Erfahrung vom Samstag bezeichnete Reus als "schon speziell". Neu sei ihm solch ein Drama allerdings nicht: "Ich hatte mit Dortmund gegen Malaga mal einen ähnlich emotionalen Moment wie jetzt", erinnert er sich an jene Partie vom 9. April 2013, als der BVB dank zweier Tore in der Nachspielzeit ins Champions-League-Halbfinale einzog. Später erreichte die Borussia das Finale. Für das anstehende WM-Spiel des deutschen Teams gegen Südkorea am Mittwoch (ab 16 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) erwartet Reus eine ähnliche Entwicklung: Ich hoffe, dass das Spiel eine Initialzündung ist, dass wir versuchen, befreiter aufzuspielen und unsere Chancen besser zu nutzen."

Sehnsucht nach der Stammposition

Diesen Plan hat auch Timo Werner im Blick. Geht es nach dem Rasenballsportler, war der Job auf der linken Seite lediglich eine Ausnahme. "Ich bin ja eigentlich Stürmer. Von daher ist meine Lieblingsposition schon vorne drin", sagt er. Der Entscheidung seines Trainers zu widersprechen, mag er dann aber doch nicht: "Gegen tiefstehende Gegner ist es manchmal vielleicht auch besser, wenn ich mit Tempo aus einer tieferen Position kommen kann." Demütig und bescheiden wie der Schwabe ist, fügt er an: "Wenn wir Spiele gewinnen, ist es mir relativ egal, wer die Tore schießt."

Ja, dieser Timo Werner scheint sich perfekt in das DFB-Team eingefügt zu haben. Und er fühlt sich auch ohne eigenen Treffer offenbar ganz wohl bei diesem Turnier. Die WM sei absolut kein Vergleich zur Bundesliga oder Champions League, schwärmt er. Dann vergisst er dann doch seine Bescheidenheit: "Eine WM ist etwas ganz besonderes. Das Gefühl, hier auf den Platz zu laufen, hätte ich am liebsten noch fünf Mal."

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Quelle: n-tv.de

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